ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:25 Uhr

Vereinssport
Ex-Turner trainiert Nachwuchs

Der ehemalige Turner Christian Laube trainiert seit fast 20 Jahren die Eltern-Kind-Gruppe des SV Chemie Guben.
Der ehemalige Turner Christian Laube trainiert seit fast 20 Jahren die Eltern-Kind-Gruppe des SV Chemie Guben. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Christian Laube ist seit 50 Jahren aktiv und betreut die Eltern-Kind-Gruppe des SV Chemie. Von Silke Halpick

Es herrscht Hochbetrieb in der Turnhalle der Gubener Europaschule: Immer freitags üben hier Fünfjährige Kopfstand, Dreijährige laufen über den Schwebebalken, Siebenjährige hängen an den Ringen. Das Eltern-Kind-Turnen  des SV Chemie Guben ist seit mehr als 20 Jahren ein Renner. Die Nachfrage ist höher als die Platzkapazität. Übungsleiter ist der 71-jährige Christian Laube. Er gehörte einst selbst zu den erfolgreichsten Turnern der Neißestadt. Seit mehr als 50 Jahren ist er im Turnsport aktiv. Diese Leidenschaft an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben, ist das Ziel, das ihn antreibt.

„Turnen ist die Grundlage für jeden Sport“, betont Laube. Er steht am Stufenbarren und hilft einem Mädchen beim Hüftumschwung. „Strecken und los“, ermuntert er sie.  Das klappt auf Anhieb. Bei anderen hält Laube den Arm, stützt mit der Hand oder schiebt notfalls auch mal nach. Beim Turnen in der Eltern-Kind-Gruppe gehe es nicht um Leistungssport, sondern um Spaß an der Bewegung, erklärt er. Mit altersgerechten Übungen sollen Koordination und Körperwahrnehmung der Vorschul- und Schulkinder geschult werden.  Der Parcours in der Turnhalle umfasst acht Stationen, auch Sprossenwand, Trampolin und Bock sind darunter.

„Früher haben wir noch viel mehr gemacht, beispielsweise mit den Eltern zusammen Pyramiden gebaut“, erzählt Laube. Mittlerweile beschränke sich der Einsatz der Erwachsenen auf Hilfestellungen. Das findet Laube persönlich schade. Für ihn ist es „wichtig, dass sich Eltern gemeinsam mit den Kindern sportlich bewegen“.

Die Eltern-Kind-Turngruppe des SV Chemie Guben ist quasi das letzte Überbleibsel einer großen Turn-Ära. Bereits im Jahr 1861 wurde in Guben der erste Männerturnverein der Niederlausitz gegründet. Die Turn- und Sportfeste waren gesellschaftliche Höhepunkte mit Tausenden von Zuschauern. Ab den 1960er-Jahren begann der Niedergang. Zunächst wurde der Wettkampf- und später auch der Turnbetrieb eingestellt.

Was viele nicht wissen: Christian Laube war einer der „bedeutendsten Gubener Turner“, wie Hartmut Schatte in seinem Buch „Alles im Griff – Die Geschichte des Gubener Turnsportes“ schreibt. Laube turnte in der Jugend-Leistungsklasse – der höchsten überhaupt. Er gehörte zum Auswahlkader der DDR. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 1967 wurde er Sechster im Zwölfkampf und holte Bronze an den Ringen. Die Ringe sind auch sein Lieblingsgerät, wie Laube sagt.

„Ich habe mit Christian als Kind zusammen geturnt“, erzählt Schatte. Schon damals sei ziemlich schnell klar gewesen, dass der Junge ein besonderes Talent habe. „Ich kenne keinen, der es soweit geschafft hat wie er“, betont Schatte. 1967 beendete Laube allerdings das Leistungsturnen und kehrte vom SV Dynamo Berlin in seiner Heimatstadt Guben zurück. Seit mehr als 50 Jahren ist er im Turnsport aktiv. Noch mit 71 Jahren leitet er die Abteilung Turnen des SV Chemie Guben.

Für den Vereinsvorsitzenden Uwe Koschack gehört er damit zur „Riege der langjährigen Mitstreiter“, auf die der SV Chemie besonders stolz sei. Was Laube für den Turnsport ist, sind beispielsweise Helga Aigringer und Peter Priebe im Handball und Hildegard Petter in der Leichtathletik. „Wir sind froh, dass sie alle noch so aktiv mitmachen“, so Koschack.

Für sein Engagement wurde Christian Laube im vergangenen Jahr in Guben als „Sportler des Jahres“ in der Kategorie Ehrenamt geehrt. Hier belegte er den dritten Platz. Laube selbst winkt ab. Die Auszeichnungen seien ihm nicht so wichtig. Der Sport ist, was zählt, findet er.