| 16:19 Uhr

Linien 890
Busfahrer wirft Achtjährige raus

Sandy, Joleen, Manja und Nele Zyrus (v.l.n.r.) kämpfen gegen die Probleme mit dem Ruf-Bus in Kaltenborn.
Sandy, Joleen, Manja und Nele Zyrus (v.l.n.r.) kämpfen gegen die Probleme mit dem Ruf-Bus in Kaltenborn. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler / Zeidler, Michèle-Cathrin
Kaltenborn. Die Kaltenborner haben immer wieder Ärger mit ihrem Ruf-Bus. Spree-Neiße-Bus und die Deutsche Bahn versprechen Besserung: Linie soll nun morgens als Regelfahrt kommen. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Jeden Nachmittag steigt die achtjährige Nele Zyrus vor der Gubener Friedensschule in den roten Bus der Linie 890. Obwohl in großen Buchstaben „Kaltenborn“ am Bus steht, sagt sie jedes Mal zu dem Busfahrer, dass sie gerne bis nach Kaltenborn fahren möchte. Denn die Kleine weiß bereits, Kaltenborn wird sonst nicht angefahren.

„Der Bus ist hier nur als Ruf-Bus unterwegs“, erklärt Mutter Manja Zyrus. Normalerweise funktionieren die Absprachen mit dem Busfahrer. „Auch wenn die Fahrer ganz schön unfreundlich werden, sobald wir ihnen sagen, dass wir bis nach Kaltenborn fahren wollen“, erzählt Joleen Zyrus. Sie fährt wie ihre Cousine Nele mit dem Bus zur Schule nach Guben. Doch vor zwei Wochen blieb es nicht bei dem üblichen Gegrummel. Der Busfahrer drehte am Schwimmbad einfach um und fuhr weiter. „Nele war mit der Situation total überfordert“, sagt Mutter Manja Zyrus. Erst in der Sprucke habe sich die Grundschülerin getraut, den Busfahrer anzusprechen. „Der hat mich dann raus geschickt und gesagt, ich soll den nächsten Bus auf der anderen Straßenseite nehmen“, erzählt die Kleine ganz leise.

Währenddessen wurde ihre Mutter in Kaltenborn langsam nervös. „Ich hab in der Kita angerufen, aber die hatten sie pünktlich in den Bus gesetzt“, erzählt Manja Zyrus. Daraufhin fuhr sie trotzdem zur Schule, aber auch unterwegs keine Spur von ihrer Tochter. „Ich war kurz davor, die Polizei anzurufen“, so die Kaltenbornerin. Auf dem Rückweg entdeckte sie ihre Tochter schließlich, sie stieg gerade aus dem Bus. „Nele war total fertig und hat geweint“, erinnert sich auch Sandy Zyrus, die Tante der Drittklässlerin. „Da hätte sonst was passieren können.“ „Das war unverantwortlich“, stimmt ihr ihre Schwester Manja Zyrus zu. „In den ersten Tagen danach hatte Nele auch Angst vor dem Busfahren.“

Doch dieser Vorfall ist nicht das einzige Problem, dass die Kaltenborner mit dem Bus haben. Jeden Morgen fahren sechs Kinder und ein Erwachsener mit der Linie 890 um 7.16 Uhr nach Guben. „Daher hatten wir uns als Gemeinde dafür eingesetzt, dass der Ruf-Bus zu dieser Uhrzeit regulär kommt“, erzählt Sandy Zyrus. „Bis vor ein paar Wochen hat das auch geklappt.“ Doch dann habe der Busfahrer zu den Kindern gesagt, dass sie den Bus ab jetzt jeden Morgen erst einmal rufen müssen. „Auch die Mitarbeiter der Deutschen Bahn haben mir das dann am Telefon bestätigt“, so Sandy Zyrus. Sie muss sich darauf verlassen, dass der Bus ihre Tochter pünktlich zur Schule bringt. „Ich verlasse morgens um 5.15 Uhr das Haus zur Arbeit“, erklärt die Kaltenbornerin.

Daher hat Sandy Zyrus dann versucht, den Bus für das gesamte Schuljahr zu reservieren. „Das war aber nicht möglich“, sagt sie. „Ich konnte ihn nach langem Hin und Her nur bis Weihnachten reservieren.“

Mit diesen Problemen konfrontiert, erklärt Burkhard Ahlert, Pressesprecher der Deutschen Bahn für Berlin/Brandenburg: „Laut Fahrplan ist diese Fahrt derzeit noch keine Regelfahrt. Dazu soll sie erst im Rahmen der nächsten Fahrplananpassung gemacht werden.“ Die Anfrage im aktuellen Fall sei Spree-Neiße-Bus aber Anlass gewesen, diese Fahrt ab sofort als Regelfahrt zu kennzeichnen. „Offensichtlich wurde dem Anliegen in der Vergangenheit von Mitarbeitern, die die Rufbusanmeldungen angenommen haben, zeitweise in Form einer Dauerregistrierung entsprochen“, so Ahlert. „Dies hat aber letztlich keine zuverlässige Grundlage geboten, wie auch die Praxis gezeigt hat.“ Für die Fahrt von der Schule nach Kaltenborn betont Burkhard Ahlert, dass alle Fahrten der Linie 890 bei Bedarf bis nach Kaltenborn verkehren – dieser Bedarf muss dem Fahrer aber jedes Mal mitgeteilt werden. „Wenn die Tochter dem Busfahrer Bescheid gesagt hat, dann hat dieser eindeutig falsch gehandelt“, stimmt der Sprecher der Familie Zyrus zu.