Von Daniel Schauff

Das angekündigte Ende der Postbank in Guben bewegt die Neißestädter. Auch den Bürgermeister. Wie sehr, soll die Postbank zu spüren bekommen. Ab Montag wird im Service Center der Stadtverwaltung eine Unterschriftenliste ausliegen. Ganz ohne Gegenwind soll die Filiale in der Berliner Straße nicht aus Guben verschwinden.

Es beginnt mit einer Nachfrage bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend. Die Postbank, so einer der vielen Gubener, die den Weg in den Ausstellungsraum im Rathaus gefunden hatten, habe gerade in Guben eine ganz besondere Funktion. Viele Autos mit polnischen Kennzeichen stünden regelmäßig davor, viele Polen nutzten die Post- und Postbankdienste. Im Gegensatz zu anderen Filialen sei in der Gubener Post immer etwas los. An einem Briefkasten, so der Gubener, könne er eben Vieles nicht erledigen.

Zustimmung für sein Anliegen kommt sowohl von den anderen Gästen in den Stuhlreihen als auch von Bürgermeister Fred Mahro (CDU). Auch er wisse, dass die Post gut besucht sei, dass viele Polen dort regelmäßig zu den Kunden gehörten, dass gerade das die Filiale an der Neiße besonders erhaltenswert mache.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Postbank Gerüchte bestätigt, dass die Filiale in Guben vor dem Aus stehe. In der ersten Hälfte des Jahres soll Schluss sein. Zuvor hatte die Postbank das Aus der Forster Filiale angekündigt.

Mahro hat sich daraufhin an das Unternehmen gewendet und auf genau die Sonderstellung der Filiale hingewiesen, die durch die Grenznähe entstanden sei. Erfolglos. Auf diesen Aspekt, sagt der Bürgermeister, sei das Unternehmen in einem Antwortschreiben gar nicht eingegangen. Und mehr noch: Die Antwort sei im Wortlaut exakt dieselbe, die seine Amtskollegin Simone Taubenek (parteilos) aus Forst erhalten habe. „Ich bin da bei irgendeinem Mitarbeiter gelandet“, sagt Mahro und macht deutlich: Großes Interesse an der Rückmeldung vom Gubener Verwaltungschef hat die Postbank offenbar nicht gezeigt.

Ob das Aus der Post nicht ein Thema für Christian Ehler (CDU) sei, fragt Horst Wetzel. Schließlich habe der Europaparlamentsabgeordnete beim Besuch in Guben im vergangenen November von seinen guten Kontakten zum polnischen Kollegen berichtet. Und eine Post, die gleichsam von deutschen wie von polnischen Kunden genutzt werde, sei schließlich ein europäisches Thema.

Ob das Europaparlament aber der richtige Adressat für eine solch lokale Frage ist, daran zweifelt Mahro. Weniger aber, dass eine Unterschriftenliste eine Idee wäre. „Es sollten mehr Leute schreiben als nur der Bürgermeister“, sagt Horst Wetzel, schlägt die Unterschriftenliste vor. Olaf Franz schließt sich an, Mahro stimmt zu, kündigt die Auslage der Liste ab Montag im Service Center an.

Die Postbank hatte die Prüfung der Wirtschaftlichkeit und Optimierungsmöglichkeiten ihres Filialnetzes als Anlass für die beabsichtigte Schließung der Filiale in Guben angegeben. Auch wenn es auf den ersten Blick anders scheine, die Filiale in Guben rechne sich nicht mehr, so Postbank-Sprecher Hartmut Schlegel gegenüber der RUNDSCHAU im Dezember. Post- und Paketdienstleistungen würden künftig – wie in vielen anderen Städten – ausschließlich von den Servicepartnern in Guben übernommen.

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