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| 16:27 Uhr

Verkehr
Brummi-Raser nerven Anwohner

Ortsvorsteherin Gisela Kieschke, ihr Stellvertreter Jürgen Soremba und Anwohner Eberhard Jurk machen sich für eine Geschwindigkeitsbegrenzung stark.
Ortsvorsteherin Gisela Kieschke, ihr Stellvertreter Jürgen Soremba und Anwohner Eberhard Jurk machen sich für eine Geschwindigkeitsbegrenzung stark. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Lübbinchen. Lübbinchen leidet unter dem Verkehrslärm und kämpft für eine Tempo-30-Regelung für LKW. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Morgens früh um 4 Uhr geht es los. Ein Lkw nach dem anderen fährt über die B 320 durch Lübbinchen. „Viele haben Holz geladen und das scheppert ordentlich. Da ist es mit der Nachtruhe vorbei“, sagt Jürgen Soremba, der stellvertretende Ortvorsteher. Seit Jahren beklagen die Bewohner den erhöhten Lkw-Verkehr und die Lärmbelästigung. Erst am vergangenen Wochenenden sei es durch eine Sperrung auf der Autobahn wieder besonders schlimm gewesen – 47 Lkws will ein Lübbinchener beim Hecke schneiden alleine aus Pinnow kommendend in 30 Minuten gezählt haben.

„Jahr für Jahr fahren mehr Schwertransporter durch unseren Ort“, sagt Ortsvorsteherin Gisela Kieschke. Früher konnten die Brummi-Fahrer die Strecke nicht nehmen, doch mit dem Brückenabriss in Jamlitz fiel die Höhenbegrenzung weg. „Wir hatten eigentlich gehofft, dass mit einer Einführung der Maut auf Bundesstraßen das Verkehrsaufkommen sinkt“, erzählt Gisela Kieschke. Schließlich nutzen viele Fahrer die Strecke in der Vergangenheit, um Maut zu sparen: „Doch das hat sich leider nicht bestätigt.“ Die Anwohner der „Piste“ wünschen sich eine Verkehrsberuhigung. „Tempo 30 für Lkw und regelmäßige Kontrollen würden für mehr Ruhe sorgen“, hofft auch Jürgen Soremba.

Aus aktuellem Anlass hat der  Landkreis Spree-Neiße im Mai eine Verkehrszählung durchgeführt. Diese zeigt, dass 2649 Fahrzeuge täglich durch Lübbinchen fahren. Im Jahr 2015 waren es laut der Hochrechnung der Zählung des Bundes 1881 Fahrzeuge – das ist eine Zunahme von 768 Fahrzeugen. Dennoch teilt Matthias Händler, Pressesprecher beim Landkreis Spree-Neiße, mit: Beim Vergleich der Zahlen ergebe sich „keine signifikante Steigerung im Verkehrsaufkommen im Sinne der Funktion einer Bundesstraße“.

Auch der Schwerverkehrsanteil ist in Lübbinchen mehr geworden: Im Jahr 2015 waren rund sechs Prozent der Fahrzeuge über 3,5 Tonnen schwer, das entspricht 118 Schwertransportern pro Tag und 4,4 pro Stunde. In der jüngsten Zahlung machen die Schwertransporter einen Anteil von sieben Prozent aus (185 Fahrzeuge über 3,5 Tonnen in 24 Stunden und sieben pro Stunde). „Die Erhöhung des Schwerverkehrsanteils ist zwar unstrittig, jedoch liegen die Voraussetzungen zur Anordnung einer Verkehrsbeschränkung auf 30 Kilometer pro Stunde aus Lärmschutzgründen auf Grund der Höhe der Verkehrsbelegung keinesfalls vor“, so Händler.

Ein Entgegenkommen gibt es vom Landkreis dann aber doch: Bei den Messungen fiel auf, dass 58 Prozent aller Fahrzeuge die Höchstgeschwindigkeit überschreiten. „Höhere Geschwindigkeiten verursachen auch höhere Lärmwerte“, sagt Matthias Händler. „Kaum ein Fahrer hält sich hier ans Tempo-Limit“, bestätigt auch Jürgen Soremba. Trotz dieser Erkenntnis, macht der Landkreis dem Dorf keine Hoffnung auf eine Verkehrsinsel oder eine fest installierte Geschwindigkeitsüberwachungsanlage. „Jedoch haben die Polizeidirektion Cottbus als auch die zentrale Bußgeldstelle des Landkreises Spree-Neiße zugesichert, besagte Ortsdurchfahrt temporärer zu überwachen“, so der Pressesprecher. Ende Mai wurden seitens des Landkreises zwei Kontrollen durchgeführt. „Der Landkreis sollte an den Kontrollen dran bleiben“, findet Kreistagsabgeordneter Steffen Krautz (SPD). Er hatte das Problem der Lübbinchener im Kreistag vorgebracht. „Geschwindigkeitskontrollen in den Orten finden generell viel zu wenig statt.“

Aktuell zeigt ein Schild in der Ortsmitte von Lübbinchen die Geschwindigkeit der Fahrzeuge an und zählt den Verkehr. „Das Ding hilft“, findet Anwohner Eberhard Jurk. Und auch Jürgen Soremba hat schon einige Lkw bremsen sehen, als das Schild anfing rot zu leuchten. „Allerdings ist der Mensch ein Gewohnheitstier und das Schild hängt auch nur noch für diese Woche hier“, sagt er. Daher will Lübbinchen weiter für eine Geschwindigkeitsreduzierung für Lkw kämpfen.