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| 02:46 Uhr

Brückenschlag übers Schwarze Fließ

Die Holzkonstruktion übers Schwarze Fließ ist 24 Jahre alt und muss erneuert werden. Aus Holz wird die neue Brücke nicht sein.
Die Holzkonstruktion übers Schwarze Fließ ist 24 Jahre alt und muss erneuert werden. Aus Holz wird die neue Brücke nicht sein. FOTO: dsf
Guben. Die Mühlenstraße bekommt dieses Jahr eine neue Brücke. Die kalkulierten Kosten von 125 000 Euro in 80 Jahren sind nur ein Bruchteil dessen, was Guben in Zukunft für Brücken zahlen muss. Ein Neubau steht auch in Bresinchen an. Daniel Schauff

24 Jahre ist die Holzbrücke über das Schwarze Fließ in der Gubener Mühlenstraße mittlerweile alt. Vermodertes Holz, Mängel an der Tragkonstruktion und den Bruch eines Querträgers hat die Brücke überlebt - und wurde immer wieder so ertüchtigt, dass sie zumindest von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden kann. Jetzt ist Schluss für den Brückenbau - noch in diesem Jahr soll eine Kompletterneuerung den Weg übers Fließ wieder sicherer machen. Bei der letzten Brückenprüfung 2013 gab es für die Konstruktion die Note 3,5 - im Brückenbau vergleichbar mit einer Fünf auf dem Schulzeugnis. Kein Wunder, liegt die normale Lebensdauer einer Holzbrücke doch bei 15 Jahren. Die Konstruktion ist fast zehn Jahre älter.

Nun wurden im Bauausschuss drei Varianten der Brückenerneuerung vorgestellt, einschließlich der Preise, Vorteile und Nachteile. Von Letzteren gibt es beim Neuaufbau einer Holzbrücke gleich einige. Zwar würde die Neuverlegung von Holzträgern und -bohlen die Stadtkasse zunächst nur mit 50 000 Euro Anschaffungskosten belasten, aber die Gesamtkosten über die nächsten 80 Jahre lägen bei 370 000 Euro. Grund dafür ist die nötige Kompletterneuerung einer Holzbrücke alle 15 Jahre. Heißt: Auf die Stadt kämen jedes Mal 50 000 Euro zu. Dazu kommen die jährlichen Unterhaltskosten - rein rechnerisch drei Prozent der Herstellerkosten.

Die Untere Denkmalbehörde hat sich in der Vorabsprache mit der Stadt für die Erneuerung der Brücke aus Holz ausgesprochen. Das Material sei historisch belegt, entspreche somit dem Grundsatz der Denkmalpflege. Allerdings sei auch eine farblich zurückgenommene Stahlkonstruktion möglich. Die wiederum würde die Stadt in der Anschaffung 64 000 Euro kosten. Die Träger der Brücke werden bei dieser Variante aus Stahl gefertigt, der Gehwegbelag würde aus glasfaserverstärktem Kunststoff bestehen, so genannten GFK-Planken. Der Vorteil: Die Brücke über das Schwarze Fließ würde wohl auch in 80 Jahren noch tragfähig sein, die Unterhaltungskosten liegen bei 1,2 Prozent des Herstellerpreises pro Jahr. Das bedeutet: Theoretisch kostet eine Stahlbrücke mit GFK-Planken die Stadt in den nächsten 80 Jahren gut 125 000 Euro.

Um den Vorstellungen des Denkmalschutzes gerecht zu werden, schlägt die Verwaltung Holzgeländer vor sowie eine entsprechende farbliche Gestaltung der Brücke, die gleich ans Heimatmuseum anschließt.

Denkbar, so die Stadtverwaltung, sei auch eine Aluminium-Konstruktion. Die Kosten dafür liegen nur knapp über denen einer Stahlkonstruktion - 137 000 Euro würden in den nächsten 80 Jahren fällig. Der Vorteil: Der Belag aus Kunstharz ist geräuschdämmend. Der Nachteil: Soll die Brücke im Winter gestreut werden, eignet sich Aluminium schlecht. Das Material ist streusalzempfindlich. Außerdem hat sich die Denkmalbehörde gegen Alu ausgesprochen.

Fest steht schon jetzt, egal, welche Variante am Ende ausgeführt wird: Im Gegensatz zum aktuellen Stand wird die Brücke künftig wieder Wartungsfahrzeuge tragen können. Und: das fertige Bauwerk wird per Kran eingesetzt. Das spart Bauzeit.

Die Brücke in der Mühlenstraße ist die erste, die die Stadt einer Kur unterzieht. Auch in Bresinchen wird mittelfristig ein Neubau nötig, sagt Fachbereichsleiter Sven Rogosky. Darüber hinaus haben bei der letzten Prüfung mehrere Brücken Noten zwischen 3,5 und 4,0 erhalten, die aber laut Rogosky wieder instandgesetzt werden können. Die ersten Kostenschätzungen für die Instansetzung aller Brücken lag bei 800 000 Euro. Insgesamt 31 Brücken gibt es in Guben.

Zum Thema:
Die Instandsetzung und Erneuerung von Brücken ist Teil der Ausgaben, die sich Guben von den rund 2,1 Millionen Euro Fördergeldern leistet. Das Geld kommt vom Bund und geht an finanzschwache Kommunen. Im Dezember 2015 hatte Kämmerer Björn Konetzke von dem Zuschlag berichtet. Weiteres Geld soll nach derzeitigem Stand in die Sanierung des Horts Poetensteig und den grundhaften Ausbau der Flemmingstraße fließen.