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| 15:20 Uhr

Nach dem brutalen Totschlag in Guben
„Randy war ein guter Junge“

 Randy Gasse aus Guben starb Neujahr an seinen heftigen Verletzungen.
Randy Gasse aus Guben starb Neujahr an seinen heftigen Verletzungen. FOTO: Renz, Nancy / Nancy Renz
Guben. Ein 38-Jähriger Gubener wird in der Silvesternacht brutal getötet. Das Cottbuser Landgericht verurteilt den Täter nur wegen Totschlag. Mutter und Schwester des Opfers können Tat und Urteil nur schwer begreifen. Von Daniel Schauff

In der Nacht zu Neujahr wird in Guben ein Mann von seinem Freund so brutal zusammengeschlagen und -getreten, dass er stirbt. Der 50-jährige Täter muss hinter Gitter, zunächst für zweieinhalb Jahre, dann geht er in Therapie. Die Tat hatte er unter Alkoholeinfluss begangen. Täter und Opfer hatten Silvester gemeinsam verbracht, ordentlich getrunken. Es kam zum Streit. Der eskalierte.

„Randy war ein guter Junge“, sagt Marita Gasse. Dass sie ihren 38-jährigen Sohn auf solch brutale Weise verlieren musste, sei nur schwer zu begreifen.

Das Urteil auch. Der Gedanke, dass sie irgendwann – falls die Therapie erfolgreich verläuft – den Mann im Supermarkt treffen könnte, der ihren Sohn getötet hat, treibt sie um.

„Randy war aber ein ruhiger Trinker“

„Ja, er hat getrunken“, sagt Marita Gasse. Ihr Sohn Randy war etwa 20 Jahre alt, als er Guben verließ und mit seiner damaligen Freundin nach Münster in Nordrhein-Westfalen zog. Nach einer Trennung sei er abgerutscht, sagt Marita Gasse. Vom Alkohol sei er trotz mehrerer Therapieversuche nicht losgekommen. „Randy war aber ein ruhiger Trinker“, betont sie. Laut geworden, gar aggressiv, sei er nie.

 Der Polizeieinsatz an der Schillerstraße sorgte für viel Gesprächsstoff in Guben.
Der Polizeieinsatz an der Schillerstraße sorgte für viel Gesprächsstoff in Guben. FOTO: LR / Engelhardt

„Randy wollte immer eine Familie“, erzählt sie. Nach Jahren in Münster ist er zurück nach Guben gekommen. Regelmäßig habe man sich besucht, sagt Randys Schwester Nancy Renz.

In ihrer Wohnung hängen Dutzende Bilder von ihrem Bruder, Fotos, die ihn gemeinsam mit ihr, mit ihren Kindern und Marita Gasse zeigen. Auch sie betont: Randy war ein guter Mensch. „Wie ein Vogel“, sagt sie.

Verhängnis Wohnheim Deulowitzer Straße in Guben

Der Versuch, in Guben vom Alkohol loszukommen, scheiterte ebenfalls. Eine Ausgangssperre, wie er sie im Gubener Haus Agape auferlegt bekommen hatte, sei für ihren Bruder unvorstellbar gewesen. Regelmäßig sei er sie besuchen gekommen, bis er die Therapie beenden musste. Eine Wohnung fand Randy Gasse danach nicht. Wegen seiner Alkoholsucht sei ein Mietvertrag nicht zustande gekommen, sagt Nancy Renz.

Ihr Bruder landete im Wohnheim in der Deulowitzer Straße. Dort lernte er den späteren Täter kennen, man rauchte und kiffte gemeinsam, das ging auch weiter, als der Verurteilte eine Wohnung in der Schiller-Straße gefunden hatte.

„Randy wollte da auch raus“, sagt seine Schwester. Mutter Marita Gasse setzte sich ein dafür, dass ihr Sohn eine Wohnung findet. Mit Erfolg, doch die neue Wohnung konnte Randy Gasse nicht mehr beziehen.

Gubener Opfer soll abhängig vom Täter gewesen sein

„Randy war ein Sohn, ein Bruder, ein Onkel“, sagt Nancy Renz. Das Bild eines Mannes, der Saufgelage feiert und an die falschen Mittrinker gelangt, passe nicht. „Randy hätte auch allein getrunken“, sagt sie. Dass er nur zum Trinken regelmäßig zum Täter gegangen sei, sei falsch.

Marita Gasse ist sich sicher: Ihr Sohn war abhängig vom Täter. Inwiefern weiß sie nicht. „Vielleicht hat er ihn erpresst“, sagt sie. Auch Nancy Renz hatte das Gefühl, ihr Bruder sei dem Täter hörig gewesen. Allein der Altersunterschied sei für eine Freundschaft ungewöhnlich, sagt sie.

Damals, im Wohnheim, sei Randy schon einmal von dem Täter zusammengeschlagen worden, sagt seine Schwester. Immer wieder habe es in der Deulowitzer Straße Ärger mit dem Mann gegeben, schließlich habe er die Einrichtung verlassen müssen.

Gubener rastet wegen Bierflasche völlig aus

Marita Gasse hatte trotzdem regelmäßigen Kontakt zu dem Mann, der später ihren Sohn tötete. Randy habe nur ein einfaches Telefon gehabt, über Whatsapp habe sich sich nur mit dessen vermeintlichen Freund austauschen können, so Randy auch Fotos senden können. Als ihr Sohn bereits tot war, schrieb der Täter ihr noch, dass es Randy gut gehe.

Ausgerastet sei er, weil Randy Gasse eine Bierflasche durch die Wohnung geworfen hatte, ließ der Täter vor Gericht von seinem Anwalt verlesen. Marita Gasse und Nancy Renz ist es wichtig, dass die Flasche nur zu Boden gefallen war. Das habe auch der Richter mehrfach betont. Randy hätte keine Flaschen geschmissen, sagt sie. „Randy war ein guter Junge.“