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Bloß nicht untergehen

Bald sollen Guben und Schenkendöbern zum Lausitzer Seenland gehören, zumindest, was die Zugehörigkeit im Tourismusverband angeht.
Bald sollen Guben und Schenkendöbern zum Lausitzer Seenland gehören, zumindest, was die Zugehörigkeit im Tourismusverband angeht. FOTO: chk
Guben/Schenkendöbern. "Sollten wir feststellen, dass wir untergehen, können wir es uns im nächsten Jahr immer noch anders überlegen", sagt Fred Mahro. Kurz danach entscheiden sich die Gubener Stadtverordneten, dem Zusammenschluss der beiden Tourismusverbände Lausitzer Seenland und Niederlausitz grünes Licht zu geben. Daniel Schauff

Und das, obwohl sich der Mitgliedsbeitrag für Guben verdoppeln wird. 30 Cent pro Einwohner gingen bislang an den Tourismusverband Niederlausitz, der von der Reicherskreuzer Heide im Norden bis nach Tschernitz im Süden reicht. Bald soll der Tourismusverband bis nach Wittichenau (Kreis Bautzen) und Boxberg (Kreis Görlitz) reichen und Europas größte künstliche Seenlandschaft einschließen.

Auch die Gemeindevertreter in Schenkendöbern haben die Dominanz des neuen Partners mit teils bereits erschlossener Touristikbranche als Gefahr für den kleinen Nordost-Nachbarn bezeichnet. Es müsse schon garantiert sein, dass die Gemeinde auch etwas von der Verschmelzung habe, sagte etwa Gemeindevertreter Wilfried Buder ("Heimat und Zukunft Hier"). Auch deshalb war es ihm und anderen Gemeindevertretern ein Anliegen, dass beide Verbände Vertreter schicken, um über den Zusammenschluss zu informieren. Immerhin, das gilt für Schenkendöbern ebenso wie für Guben, werden die Mitgliedsbeiträge künftig doppelt so hoch sein.

Im Mai waren Olaf Lalk, Vorsitzender des Tourismusverbands Niederlausitz, und Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Lausitzer Seenland, in Schenkendöbern und konnten offenbar die meisten Bedenken ausräumen. In der Gemeinde fiel ein klares Votum für die Verschmelzung - ähnlich wie beim Nachbarn Guben. Eine Rückfrage des amtierenden Bürgermeisters beim Tourismusverband Lausitzer Seenland habe ergeben, dass der Mitgliedsbeitrag nicht verhandelbar sei, sagt Mahro. Gut 10 600 Euro werden pro Jahr künftig fällig. Bisher waren es rund 5400 Euro.

Bleibt die Frage, was Guben und Schenkendöbern von einem künftigen Zusammenschluss beider Verbände überhaupt hätte. Die Antwort ist denkbar einfach. Das Seenland zieht bereits jetzt Besucher aus Brandenburg, Sachsen und anderen Regionen Deutschlands in die Lausitz. Darüber hinaus liegt ein Teil des Seenland-Verbandes bereits in der Niederlausitz, so wie es etwa in Spremberg der Fall ist. Dort kenne man Guben und Schenkendöbern auch, betont Mahro und erachtet das als klaren Vorteil. Gerade für Guben und Schenkendöbern bietet sich neben der künftigen Mitgliedschaft im großen Tourismusverband Niederlausitz eine Alternative: der Tourismusverband Oder-Spree, der von Neuzelle bis nach Freienwalde reicht und Anziehungspunkte wie das Neuzeller Kloster, das Schlaubetal, die Stadt Frankfurt (Oder) und die Märkische Schweiz umfasst. Allerdings, sagt Mahro, seien die vergleichsweise kleinen Städte im Spree-Neiße-Kreis in großen Teilen des nördlichen Verbandsgebiets so gut wie unbekannt.

Anfang 2018 sollen die beiden Tourismusverbände Niederlausitz und Lausitzer Seenland Aufgaben gemeinsam wahrnehmen. Von der doppelten Gebührenbelastung erhoffen sich die jetzigen Mitglieder des Tourismusverbandes Niederlausitz eine verbesserte Marketing-Strategie, die nicht nur die Tagebauseen an der sächsisch-brandenburgischen Grenze abzielt, sondern auch die Reize der Region Forst-Guben in den Fokus stellt. Ansonten, das stellt Mahro klar, könne die Stadt nach einem Jahr auch einen anderen Weg wählen.

Zum Thema:
Nicht nur Guben und Schenkendöbern haben der Verschmelzung der beiden Tourismusverbände Niederlausitz und Lausitzer Seenland bereits grünes Licht gegeben. Auch die weiteren Mitglieder im Niederlausitzer Verband sind für den Zusammenschluss, so wie die Stadt Forst, der Landkreis Spree-Neiße und das Amt Döbern-Land. Auch die jetzigen Mitglieder des Verbands Lausitzer Seenland müssen ihr Okay geben. Die Mitgliedsliste ist weit länger als die des Niederlausitzer Verbands und umfasst allein 23 kommunale Mitglieder sowie Dutzende Unternehmer aus der Region.