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Guben
Blinde fühlen sich diskriminiert

Monika Utech (r.) und Michaela Gagzow (l.) sind blind und auf die Hilfe ihrer Blindenführhunde angewiesen.
Monika Utech (r.) und Michaela Gagzow (l.) sind blind und auf die Hilfe ihrer Blindenführhunde angewiesen. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Guben. Geschäfte in Guben verwehren Betroffenen mitunter noch immer den Einlass mit Hund. Silke Halpick

Wenn die Gubenerin Monika Utech einkaufen geht, ist Josi immer mit dabei. Die Elo-Hündin führt die 59-Jährige, die von Geburt an blind ist. Allerdings stoßen die beiden während der Shoppingtour oft auf unerwartete Hindernisse. „Beim Bäcker werde ich beispielsweise aufgefordert, den Hund draußen zu lassen“, erzählt Utech. Auch im Baumarkt habe es schon sehr unerfreuliche Diskussionen gegeben. Ein Busfahrer soll sich sogar geweigert haben, die Gubenerin samt Hund mitzunehmen. „Das ist rechtlich überhaupt nicht zulässig“, moniert Utech. Blindenführhunde gelten als medizinische Hilfsmittel, sind vergleichbar mit einem weißen Langstock oder einem Rollstuhl, und dürfen überall mit hinein.

„In Großstädten ist das gar kein Problem mehr, aber im ländlichen Raum herrscht oft noch Unwissenheit“, bestätigt auch Maik Schubert, der eine Blindenführhundeschule in Müncheberg (Märkisch Oderland) betreibt. Sein Labrador-Schützling Afra ist seit drei Wochen „zur Einarbeitung“ bei Michaela Gagzow. Die Gubenerin sieht fast gar nichts mehr und ist froh über die tierische Hilfe. „Mit dem Hund habe ich auch keine Angst mehr vor Stufen und Treppen“, erzählt die 32-Jährige. Der ausgebildete Führhund ist ihr „Pilot“ und sucht Türen, Treppen, Zebrastreifen oder freie Sitzplätze. Im Fall einer Gefahr wie einer Baustelle ist er auch in der Lage, einen Befehl zu verweigern. „Intelligente Gehorsamsverweigerung nennt man das“, erklärt Schubert.

Rund neun Monate dauert die Ausbildung der Hunde. Häufig werden die Tiere schon als Welpen ausgesucht und wachsen bei speziell geschulten Patenfamilien auf. Besonders beliebt sind Rassen wie Labrador, Golden Retriever, Königspudel, Riesenschnauzer und Schäferhunde. „Die Tiere müssen eine hohe Fehlertoleranz haben“, erklärt Schubert. Das bedeutet: Fehler der Halter dürfen sie nicht übel nehmen oder gar ausnutzen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft stellt  im Internet klar, dass das Betreten von Lebensmittelgeschäften mit Blindenführ- oder Assistenzhunden erlaubt ist. Das Verbot der Diskriminierung behinderter Menschen sei ausschlaggebend, das Hausrecht, auf das sich viele Geschäftsleute berufen, gilt in diesem Fall als untergeordnetes Recht“, betont Schubert.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband verweist darauf, dass viele große Handelsketten sogar Zielvereinbarungen zum barrierefreien Handel geschlossen haben. Dazu gehören unter anderem Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Penny oder Rossmann. Doch in der Praxis zeige sich immer wieder, dass Markt- oder Filialleiter davon nichts wissen. „Mehr Toleranz und Akzeptanz“ wünscht sich auch Monika Utech. Sie selbst bescheinigt der Stadt inpunkto Blindenfreundlichkeit „Nachholbedarf“. So gibt es beispielsweise nur zwei Blindenampeln, die akustische Signale liefern. „Aber keine von diesen funktioniert“, sagt Utech.