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| 02:35 Uhr

Blaskonzert mit "Ätsch-Effekt"

Probe im Wilkestift – Andreas Eckert übt noch in kleiner Runde. Am Samstag kommen weitere Bläser dazu.
Probe im Wilkestift – Andreas Eckert übt noch in kleiner Runde. Am Samstag kommen weitere Bläser dazu. FOTO: Daniel Schauff
Guben. Klassik ganz unklassisch, mit mehr Spaß als Perfektion und vor allem für alle – vom Opa über die Mama bis zum Sohnemann und Töchterchen. Drei Proben geben sich die Bläser um Andreas Eckert – dann soll das Konzert stehen. Daniel Schauff

Bei Andreas Eckert gibt es "Baustellenkaffee" zum Reporterbesuch. Passt, schließlich ist die Wilkestraße 1 noch eine Baustelle - auch wenn große Teile des Jugendstilhauses schon wieder im alten Glanz erstrahlen. Eckert hat das nach eigenen Worten "schönste Haus in Guben" vor dem Verfall gerettet, zurzeit richtet er im Erdgeschoss eine Galerie mit Werken Gubener Künstler ein. Zu jedem Bild hat Eckert eine Geschichte - nicht alle Gemälde und Fotografien sind wertvolle Kunstwerke, aber sie sind "schön" und ein Teil der Historie der Neißestadt. Für Eckert ist das wichtiger als materieller Wert.

Das Thema, über das Reporter und Eckert aber reden wollen, hat wenig mit Gemälden und Fotografien zu tun. Es geht um das Werkstattkonzert, das Eckert nun zum vierten Mal organisiert hat und am Sonntag in der Kirche des Guten Hirten einem möglichst großen und gemischten Publikum präsentieren will. "Wir laden Familien ein", sagt Eckert. Das Konzert sei eine Veranstaltung für Groß und Klein. Es gehe ihm nicht darum, perfekte klassische Musik als Teil eines Bläserensembles zu spielen, sondern vielmehr um den Spaß bei der Sache. Und Spaß macht es, bestätigen die sechs Bläser, die am Donnerstagabend im Andachtssaal des Wilkestifts zum ersten Mal gemeinsam die Stücke spielen, die Eckert für das Konzert drei Tage später ausgesucht hat.

Der Charme am Konzert ist nämlich der Werkstattcharakter - Eckert nennt das einen "Ätsch-Effekt". Entweder denken die Musiker "Ätsch", weil sie ein Stück nach nur drei kurzen Proben mehr oder weniger stolperfrei vortragen, oder das Publikum denkt "Ätsch", weil die Musiker dann doch den einen oder anderen schiefen Ton in die Partitur hauen. Es gilt, eine Balance zu finden, sagt Eckert. Deshalb auch die Proben - er wolle die Musiker schließlich nicht vorführen, aber eben auch kein perfektes klassisches Bläserkonzert zum Besten geben. Eckert und die Werkstattmusiker suchen die goldene Mitte - in drei Tagen und gerade einmal gut fünf Stunden Probe.

Einmal, erzählt der Initiator, hatten sich die Werkstattmusiker einen "hochstudierten" Chorleiter zur Seite geholt. Der habe auf ein perfektes Konzert hingearbeitet und den Teilnehmern mitunter den Spaß am Musizieren genommen. Jetzt leitet Eckert selbst die Proben und probiert mit Bläsern vom Chor der Kirche des Guten Hirten und vom Chor der Klosterkirche Stücke aus, die mal Ohrwurmcharakter haben, mal Klassik-Klassikern einen völlig neuen Klang verleihen. Am Samstag stoßen noch mehr Bläser aus Frankfurt (Oder) hinzu. Dann wird die vollständige Besetzung fürs Konzert am Sonntag erstmals gemeinsam die Stücke spielen, die sich in den ersten beiden Proben als geeignet erwiesen haben. Was schlussendlich am Sonntag in der Kirche des Guten Hirten zu hören sein wird und wie es klingen wird, kann Eckert selbst noch nicht abschätzen. "Mal sehen", sagt er. Teil der Idee ist auch, aufs Publikum zu reagieren.

Eckert betont, dass das Ergebnis - so wenig absehbar es auch noch sein mag - auf jeden Fall für Familien geeignet sei, für Kinder ebenso wie für Senioren. Denn wenn schon die Musiker aus der Bläserwerkstatt möglichst viel Spaß am gemeinsamen Musizieren haben sollen, dann gilt das in den Augen des Initiators auch fürs Publikum.

Der Baustellenkaffee ist ausgetrunken. Das Torhaus und die Villa Cohn seien möglicherweise genauso schön wie sein Haus, sagt Eckert, bevor er weiter Bilder hängt und später zur zweiten Bläserprobe aufbrechen wird.

Zum Thema:
Das Werkstattkonzert in der Kirche des Guten Hirten beginnt am Sonntag um 16 Uhr. Den Gubener Bläsern mangelt es an Nachwuchs, sagt Konzert-Organisator Andreas Eckert. Voraussetzung fürs Mitspielen sei, dass die Interessierten zumindest ein wenig Ahnung von Noten und Tonarten hätten. Dann könne er auch Schnellkurse anbieten, sofern es ausreichend Interessenten gebe. Interessierte können sich an die Kirche des Guten Hirten oder an die Klosterkirche wenden, sagt Eckert.