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| 01:06 Uhr

Betroffenheit folgten engagierte Taten

Guben.. Zwei Gubener Ehepaare machten sich am vorletzten Tag des alten Jahres auf den Weg zu einer armen polnischen Familie in der Nähe von Zielona Góra (Grünberg). B. Remus

Von dem Ehepaar mit drei Kindern, die in unvorstellbar ärmlichen Verhältnissen leben, erfuhren Annerose und Heinz Traut im RUNDSCHAU-Beitrag „Nur Brot und Margarine“ . „Nach dem Lesen konnte ich die halbe Nacht nicht schlafen. Wir haben selbst fünf Enkelkinder. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nicht genug zu essen und anzuziehen hätten oder gar frieren müssten, weil nicht genug geheizt werden kann“ , sagt Annerose Traut.
Sie und ihr Mann mobilisierten jedenfalls kurzerhand ihre Kinder, Nachbarn und das befreundete Ehepaar Helga und Horst Bähr, um für die polnische Familie noch im alten Jahr einen Hilftstransport zusammenzustellen. Die Adresse wurde besorgt sowie Lebensmittel, Süßigkeiten und Kinderkleidung gekauft und gesammelt.
Am Donnerstagmittag startete der voll beladene Jeep in Guben. Aus Polanowice wurde zu Dolmetscherzwecken noch die deutsch sprechende Frau eines polnischen Ehepaares abgeholt, mit dem die Trauts seit 30 Jahren befreundet sind.
Die sich anschließende Fahrt bis hinter Zielona Góra brachte noch einige Irrungen und Wirrungen mit sich. Es dämmerte schon, als die kleine Hilfstruppe ihr mitten im Wald gelegenes Ziel endlich erreicht hatte. Was sie dort antraf, entsprach zwar genau dem, was die Helfer bereits in der Zeitung gelesen hatten, doch es machte sie noch betroffener, als sie es ohnehin schon waren. „Ein uraltes, armseliges Häuschen am Ende der Welt. Eine winzige Küche, in der sich vermutlich das Familienleben abspielt. Dunkel, wie in einer Schmiede ist es darin. Über dem alten Küchenherd hängt Wäsche auf der Leine. In einem Zimmer sind drei Pritschen zusammengeschoben, auf denen die Kinder schlafen. Im dritten Raum schlafen wahrscheinlich die Eltern.
Von Bettwäsche war nichts zu sehen. Und auf dem Küchentisch musste der Vater erst ein bisschen Platz schaffen, damit wir das Mitgebrachte ablegen konnten“ , sprudelte es aus Annerose Traut noch am Tag danach heraus. „Die Kinder standen da wie versteinert. Kein Wort brachten sie heraus. Die Süßigkeiten nahmen sie nur mit großer Vorsicht“ , fügte die Rentnerin an. Und ihr Mann ergänzte: „Der Vater sagte immer wieder danke, danke. Aber so richtig fassen konnte er die ganze Sache offenbar auch nicht.“ „Gelacht hat keines der Kinder. Aber ihre Augen strahlten - so etwas hatten wir noch nicht gesehen“ , fügte Annerose Traut an.
Diesem spontanen Einsatz soll ein besser organisierter im Frühjahr 2005 folgen. Auf jeden Fall wollen die Trauts bis dahin auch die Kleidungsgröße der Frau in Erfahrung bringen, um auch ihr eine Freude bereiten zu können. Und der Energieversorger für das Dorf, der der Familie den Strom schon einmal für acht Monate sperrte, soll ausfindig gemacht werden. „Wir wollen dann von Polen aus die Energierechnung im Voraus bezahlen“ , sagte Heinz Traut.
Der 63-Jährige will sich außerdem bemühen, eine noch funktionstüchtige Waschmaschine WM 66 für die polnische Familie aufzutreiben. „Und wenn wir das nächste Mal hinfahren, nehmen wir auch zwei unserer Enkel mit, damit sie einmal einen Vergleich haben, wie gut es ihnen geht“ , sagen die Großeltern.