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Betriebskostenschock für Vereine

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Guben. Die Betriebskostenabrechnung für das Jahr 2016 sorgt bei den in der Fabrik ansässigen Vereinen für Empörung: Erstmals werden Hausmeisterkosten in Höhe von insgesamt 8000 Euro umgelegt. Die Leistungen hatte der Fabrikverein erbracht und der Stadt in Rechnung gestellt. Silke Halpick

"Wie stellt sich die Stadtverordnetenversammlung die weitere Förderung von Kunst und Kultur vor?", fragt Horst Wetzel auf der Sitzung des Sozialausschusses am Mittwoch bewusst provokant. Der Kaltenborner ist sauer. "Völlig überrascht" habe ihn die Nachforderung, die das Budget der Vereine "sprengt". Die Gubener Kunstgilde soll beispielsweise 600 Euro nachzahlen - zusätzlich zu den ohnehin jährlich anfallenden Betriebskosten in Höhe von 1600 Euro. Den Modelleisenbahnclub trifft es noch härter. Hier werden 928 Euro im Nachhinein gefordert. Insgesamt vier Vereine nutzen - zusätzlich zum Fabrik e. V. - die Räume in der Mittelstraße. Auch die Probenräume werden zeitweise an Bands vermietet.

Hintergrund für die aktuelle Situation ist die "Neuordnung der Strukturen" beim Fabrikverein, wie der amtierende Bürgermeister Fred Mahro erklärt. Vor vier Jahren habe die Stadt Guben damit begonnen, die Teilbereiche Jugend, Kultur und Gastronomie gesondert zu betrachten und zu finanzieren. Für die Gaststätte muss der Verein beispielsweise eine Pacht zahlen.

Seit 2015 hat der Fabrikverein ganz offiziell die Hausmeisterdienstleistungen für das Objekt in der Mittelstraße übernommen, wie Karsten Geilich sagt. "Davor hatten wir das für lau gemacht", fügt er hinzu. Dazu gehören unter anderem das Reinigen des Treppenhauses, Kleinstreparaturen wie das Wechseln einer Glühbirne, der Winterdienst, der Heckenschnitt oder die Kontrollgänge durch das Objekt. "Das sind gewerbsmäßige Leistungen und keine gemeinnützige Vereinsarbeit", sagt Geilich.

Der Fabrikverein schlüsselt die erbrachten Leistungen in wöchentlichen Abrechnungen gegenüber der Verwaltung taggenau auf, betont Mahro. Die Stadt als Eigentümer der Immobilie hat die Leistungen nun erstmals in der Betriebskostenabrechnung für 2016 umgelegt, was zu einer "Härte" für die Vereine führt, wie Mahro einräumt.

Für Horst Wetzel handelt es sich ganz klar um eine Vertragsänderung, die im Vorfeld hätte angezeigt werden müssen. "Die Probleme bei der Finanzierung des Fabrik e. V. dürfen nicht auf andere Vereine umgelegt werden", betont er. Die Gubener Kunstgilde hat aktuell 55 Mitglieder, die einen Mitgliedsbeitrag von vier Euro pro Monat zahlen. Dass davon der größte Teil für die Betriebskosten draufgeht, ärgert ihn. Er verweist auf den Artikel 34 der Landesverfassung, in dem steht: Das kulturelle Leben in seiner Vielfalt und die Vermittlung des kulturellen Erbes werden öffentlich gefördert.

An einem "Leerzug der Fabrik" hat auch die Stadt kein Interesse, wie Mahro betont. Als amtierender Bürgermeister sehe er allerdings keine Möglichkeit, "auch nur einen Cent der Betriebskosten zu erlassen". In der kommenden Woche will er Gespräche mit den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung führen. Möglicherweise werde eine Sonderregelung ähnlich wie der im Kulturzentrum Obersprucke gefunden. Hier hatten sich die Abgeordneten per Beschluss dafür ausgesprochen, dass die Vereine die Räume auch 2017 weiter kostenlos nutzen dürfen.

Zum Thema:
Den Fabrikverein, der im Auftrag der Stadt Guben Kulturarbeit macht, plagen Finanzsorgen. Die Fördermittel, die von Jahr zu Jahr weniger werden, reichen nicht aus. 2016 lag das Defizit im Kulturbereich bei 14 000 Euro. Nun will die Stadt über ein Interessenbekundungsverfahren nach einem neuen Betreiber Ausschau halten. Allerdings müsse dieser alle drei Bereiche (Jugend- und Kulturarbeit sowie Gastronomie) bedienen können und ein anerkannter Träger der Jugendhilfe sein. Ein Angebot abgeben will auch der Fabrikverein, wie Chef Karsten Geilich bestätigt.