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| 01:37 Uhr

Beteiligte Unternehmen loben das Praxislernen

Guben. Nach den Sommerferien beginnt für die Neuntklässer der Hauptschulklassen an der Gubener Europaschule das Praxislernen (die RUNDSCHAU berichtete). Immer mittwochs werden die Schüler einen Tag in einem Unternehmen der Region verbringen. Die Schule will mit dem Projekt eine Verbindung zwischen Allgemeinbildung und Berufsorientierung schaffen. Ihre Kooperationspartner sehen in der Idee eine große Chance – für alle Beteiligten. Von Harriet Stürmer

Etwa 25 Unternehmen haben schon eine Kooperationsvereinbarung mit der Europaschule unterschrieben. Um die 45 Praxisplätze stellen sie insgesamt bisher zur Verfügung. Schulleiterin Ulrike Dunkel ist zufrieden: „Durch die Kombination von schulischem und praxisorientiertem Lernen sollen die Begabungen der Jugendlichen genutzt werden. Durch Erfolgs- und Misserfolgserlebnisse sollen sie Erfahrungen sammeln können und für eine Ausbildung motiviert und fit gemacht werden.“

Dirk Fischer, Inhaber des gleichnamigen Gubener Autohauses, bewertet das neue Projekt als „gute Idee“. „Durch das Praxislernen können die Jugendlichen den Berufsalltag kennenlernen, sie erleben Teamarbeit, sie werden für die richtigen Umgangsformen sensibilisiert und haben die Möglichkeit geschaffene Werte schätzen zu lernen“, sagt er. Seiner Meinung nach könnten sich Jugendliche teilweise nur schlecht selbst einschätzen. Das Praxislernen könnte hierbei Abhilfe schaffen. Einen Schüler will er im Werkstattbereich seiner Firma unterbringen. Gibt es mehrere Interessenten, wird ein Auswahlverfahren entscheiden, welcher Schüler das Rennen macht. Dirk Fischer: „In erster Linie gehe ich dabei nach sozialer Kompetenz. Der Bewerber sollte wissen, was er will.“ Anwärter müssten keine speziellen Voraussetzungen mitbringen, „aber Interesse“.

Das Motiv der Schüler für ihre Bewerbung auf eine bestimmte Praxisstelle ist auch für Stefan Süß, Rektor des Wilkestifts, eine wichtige Hilfe bei der Entscheidung für oder gegen den Bewerber. „Natürlich spielen auch die Zeugnisse und persönliche Reife eine Rolle“, sagt er. Sechs Stellen hat das Stift für das Praxislernen eingerichtet – in den Fachbereichen Technik, Kindergarten, Physiotherapie, Pflege, Verwaltung und Materialwirtschaft. Süß lobt das Projekt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Schüler hierbei mehr Erfahrungen sammeln als bei den bisher praktizierten 14-tägigen Schnupperpraktika. Über den langen Zeitraum bekommen sie ein besseres Gefühl für den Beruf. Ich verspreche mir sehr viel davon.“

Für das Wilkestift ist die Kooperation mit der Europaschule auch von eigenem Interesse, sagt Süß mit Blick auf den in den nächsten Jahren zu erwartenden Fachkräftemangel. Im Stift sei das Durchschnittsalter des Personals recht hoch. Dem Fachkräftemangel müsse langfristig entgegen gewirkt werden, sagt der Rektor. Durch das Praxislernen kann das Krankenhaus mögliche zukünftige Auszubildende kennenlernen, um heimatverbundenen Schülern eine Perspektive zu geben, in der Region bleiben zu können.

Ab dem Schuljahr 2010/11 profitieren dann nicht nur die neunten, sondern auch die zehnten Klassen vom Praxislernen.