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Reformation
Besucheransturm dank Luther

Von Januar bis November stellen elf Veranstaltungen in und um Guben die Reformation in den Fokus.
Von Januar bis November stellen elf Veranstaltungen in und um Guben die Reformation in den Fokus. FOTO: Daniel Schauff
Guben. Das Ökumenische Stadtkonvent ist zufrieden mit der Veranstaltungsreihe zur Reformation. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Was hat Jazz mit Martin Luther zu tun? Welche Spuren der Reformation sind in Guben zu finden? Und was hat Kerkwitz mit London, Zürich und Rom gemeinsam? Mit all diesen Fragen hat sich die Veranstaltungsreihe „Am Anfang war das Wort“ des ökumenischen Stadtkonventes Guben befasst. Seit Januar wird hier die Reformation in den Fokus gerückt. „Ich war wirklich positiv überrascht, wie viele Besucher zu den Veranstaltungen gekommen sind“, erzählt Pfarrer Stefan Süß, Rektor des Naemi-Wilke-Stifts. Je nach Veranstalungsort habe es zwischen  40 und 60 Zuhörer gegeben. „Das ist für Guben und dieses Thema viel. Beim Anblick der vollen Plätze war auch die Super­intendentin aus Cottbus ganz neidisch“, verrät der Pfarrer.

Der Erfolg der Reihe hänge maßgeblich mit den Rednern zusammen. „Wir haben immer versucht, Persönlichkeiten nach Guben zu bekommen, die auch von überregionaler Bedeutung sind“, so Stefan Süß stolz. Gleich zum Auftakt habe die Kirchenhistorikerin Dorothea Wendebourg mit ihren profunden Fachkenntnissen das Publikum verzaubert. Ihr Thema lauteter „Reformation und die Juden“. „Dabei hat sie Luther sehr differenziert ein wenig den Heiligenschein genommen“, erinnert sich der Geistliche. „Er war eben auch nur ein Mensch seiner Zeit und hatte seine Fehler.“

Die bisher durchgeführten Veranstaltungen haben aber nicht nur einen Blick auf das geworfen, was vor einem halben Jahrhundert in Luthers 95 Thesen nachzulesen war. Der Blick richtet sich vielmehr auch in die Gegenwart und die Zukunft.

Matthias Berndt, Pfarrer in Ruhestand, erzählte in der Veranstaltungsreihe über die Reformation und Guben.
Matthias Berndt, Pfarrer in Ruhestand, erzählte in der Veranstaltungsreihe über die Reformation und Guben. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

So befasste sich Matthias Albani, Professor an der Evangelischen Hochschule in Moritzburg, mit dem Bezug der Reformation zur Bibel. „Luther hat mit seiner Übersetzung der Bibel die deutsche Sprache nachhaltig geprägt“, weiß Stefan Süß. „Bis heute verwenden wir Redewendungen und Wortschöpfungen, die er erfunden hat.“

Finanzielle Unterstützung für die Veranstaltungsreihe bekommt das ökumenische Stadtkonvent Guben vom Rotary Club Guben. „Das hat uns sehr geholfen, die Kosten zu decken, und so müssen wir keinen Eintritt verlangen“, ist Stefan Süß dankbar. Er freut sich besonders auf die Feier zum Gedenktag der Reformation am kommenden Dienstag und auf den Abschlussvortrag am 22. November in der Alten Färberei. Dort wird der Ex-Bischof Wolfgang Huber ab 19 Uhr über „Reformation und Freiheit“ referieren. „Wolfgang Huber ist eine herausragende Persönlichkeit und ein hochrangiger Intellektueller“, so der Pfarrer fast ehrfürchtig. „Ich bin froh, dass er zu uns nach Guben kommt.“

Das Mittelalter sei eine Zeit der Angst und der Knute gewesen. „Mit der Reformation hat sich die Sicht auf Gott und die Welt völlig verändert“, gibt der Stefan Süß einen Einblick ins Thema.