ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:33 Uhr

Verloren und gefunden!
Guben und die verlorenen Dinge

 Besonders häufig werden Schlüssel verloren. Aber auch Spielzeug, Schmuck und Brillen landen im Schrank für Fundsachen.
Besonders häufig werden Schlüssel verloren. Aber auch Spielzeug, Schmuck und Brillen landen im Schrank für Fundsachen. FOTO: LR / Jenny Theiler
Guben. Vom Schlüsselbund bis zur Sporttasche – man kann alles verlieren. Welche Sachen sich beim Eigentümer wieder einfinden und was gar nicht erst vermisst wird, erzählt Adelheid Wunsch vom Gubener Service-Center. Von Jenny Theiler

Man muss auf seine Sachen immer gut aufpassen – so wird es bereits Kindergartenkindern beigebracht. Trotzdem sind auch Erwachsene nicht vor Unachtsamkeit im Alltag gefeit, wie ein Blick in den Schrank für Fundsachen in der Gubener Stadtverwaltung beweist. Verloren gegangene Gegenstände können in der Neißestadt im Service-Center abgegeben und dort auch wieder abgeholt werden. Ein Umstand, der offenbar jüngeren Gubenern nicht bekannt ist.

„Die Menge der Fundsachen hält sich bei uns in Grenzen“, sagt Adelheid Wunsch vom Service-Center der Stadtverwaltung. Besonders häufig werden Dinge verloren, die jeder bei sich hat und die in plötzlicher Hektik schon mal aus der Tasche fallen können, wie Schlüsselbunde, Brieftaschen und Autoschlüssel. Auch Handys, Brillen und Schmuck werden hin und wieder im Service-Center abgegeben. Zu den ungewöhnlicheren Sachen gehören beispielsweise Hörgeräte, und sogar ein Blindenstock ist schon einmal im Service-Center abgegeben worden. „Viele Leute lassen auch Sportbeutel oder Handtaschen im Bus liegen“, sagt Adelheid Wunsch. Jedoch holen nur wenige Bürger ihre verloren gegangenen Sachen auch wieder ab.

Aus den Listen der Fundsachen, die das Service-Center Guben führt, ist kein allgemeingültiger Trend zu erkennen. Zu den häufigsten Verlustgegenständen gehören Brieftaschen, Schlüsselbunde und Fahrräder. „Der Fahrrad-Diebstahl war eine Zeit lang ein richtiges Problem in Guben“, erinnert sich Adelheid Wunsch. „Viele Fahrräder werden dann entweder im Gebüsch oder in der Neiße gefunden und durch die Polizei an uns übergeben“, sagt sie. Das Service-Center ist verpflichtet, die Fahrräder und auch alle anderen Fundsachen sechs Monate lang aufzubewahren, sofern sich der Eigentümer nicht meldet. Erst danach werden die Sachen versteigert.

„Ich habe das Gefühl, dass Bestätigungen über zurückgegebene Fundsachen bei uns immer seltener werden“, sagt Adelheid Wunsch. Vor allem viele neuwertige und teure Fahrräder werden manchmal nicht abgeholt, während andere Bürger wegen eines verlorenen Schlüsselbundes teilweise wöchentlich anrufen. Allein in diesem Jahr sind 17 Fahrräder abgegeben worden. In den vergangenen Jahren waren es etwas weniger. Dennoch ist seit drei Jahren kein einziges Fahrrad an seinen Besitzer zurückgegangen. Nur ein Damenfahrrad ist in diesem Jahr erfolgreich versteigert worden.

Bei Brieftaschen und Schlüsseln ist die Erfolgsquote deutlich höher. „Wenn jemand Dokumente verliert und diese bei uns abgegeben werden, können wir viel einfacher Nachforschungen anstellen“, sagt die Service-Mitarbeiterin. Auf diese Art sind in diesem Jahr acht von elf verlorenen Brieftaschen wieder an ihre Eigentümer übergeben worden. Sehr nützlich ist oftmals die Zusammenarbeit mit Behörden aus anderen Städten. „Wir hatten auch mal eine Sporttasche, gefüllt mit den Trikots einer polnischen Fußballmannschaft. Da haben wir mit der Stadtverwaltung Gubin Kontakt aufgenommen und konnten die Sachen wieder zurückgeben“, erinnert sich Adelheid Wunsch.

Sofern sich Bargeld in den Brieftaschen befindet, wird dieses sicherheitshalber auf ein Konto der Stadt eingezahlt. So verlangt es das deutsche Fundrecht. Wenn der Eigentümer der Brieftasche glaubhaft beweisen kann, wie viel Geld in seiner Brieftasche zum Zeitpunkt des Verlustes war, bekommt er das Geld zurückgezahlt. Wer Bargeld findet, das den Wert von zehn Euro übersteigt, ist verpflichtet, die Summe im Fundbüro oder im Service-Center abzugeben. „So ehrliche Menschen haben wir in Guben auch schon erlebt“, sagt Adelheid Wunsch. Wobei in diesem Jahr kein Bargeld gefunden worden sei.

Ein Blick in den recht bescheidenen Fundus der Gubener Fundsachen lässt vermuten, dass die meisten Gubener sorgsam mit ihrem Eigentum umgehen. Dennoch sei das Bewusstsein für den eigenen Besitz im Jahr 2018 nicht mehr so stark, wie noch vor knapp 30 Jahren. „Wahrscheinlich kaufen viele Leute Verlorengegangenes gleich wieder neu, ohne danach zu suchen“, vermutet Adelheid Wunsch. Das breite Angebot verschiedener Produkte ermögliche einen Ersatz sehr schnell. Wer aber lieb gewonnene Schmuckstücke, Plüschtiere oder Handys dennoch gern zurückhaben möchte, sollte den Gang zum Service-Center Guben auf jeden Fall unternehmen.