| 16:55 Uhr

Guben
Besuch auf Augenhöhe

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (Mitte) im Gespräch mit der Gubenerin Dany Beiersdorf (r.).
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (Mitte) im Gespräch mit der Gubenerin Dany Beiersdorf (r.). FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Neue Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) zu Gast im Haus der Familie in Guben. Von Silke Halpick

Noch keinen Monat im Amt – und schon ist die neue Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in Guben. Sie wollte schon immer ein Mehrgenerationenhaus besuchen, sagt sie. Solche Projekte seien die Antwort auf den demografischen Wandel. Das Haus der Familie ist eines von 540 Mehrgenerationenhäusern in Deutschland, die vom Bund finanziell unterstützt werden. Im Landkreis Spree-Neiße gibt es vier.

Ganz volksnah kommt die Ministerin sofort mit Gubener Müttern ins Gespräch. Die 34-jährige Dany Biersdorf ist zweimal pro Woche mit ihrer acht Monate alten Tochter Hannah Sophie in der Eltern-Kind-Gruppe, ein Angebot, das sich vorwiegend an Mütter und Väter in der Elternzeit richtet. Die frühe Förderung der Babys sowie der Elternaustausch gefallen ihr.

Was sie sich wünsche würde, fragt Franziska Giffey kurz darauf die Leiterin des Hortes Kinderinsel. „Mehr Personal“, antwortet Ute Mattis prompt. Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in ihrer Einrichtung sei stark gestiegen, erzählt sie. Um diesen die nötige Aufmerksamkeit schenken zu können, ohne die anderen Hortkinder zu vernachlässigen, seien mehr Erzieher nötig. Giffey hört sich die Sorgen und Nöte an und fragt gezielt nach.

Erst sei Mitte April ist die 39-jährige Sozialdemokratin Bundesfamilienministerin. Zuvor war sie Bürgermeisterin im Berliner Problem-Stadtbezirk Neukölln. Giffey setzt auf das neue Kita-Gesetz, mit dem ab dem 1. August das letzte Kita-Jahr in Brandenburg kostenfrei werden soll. Auch die frühkindliche Förderung sei ihr wichtig. Das Haus der Familie bekommt von ihr Lob für die fast 30-jährige Arbeit sowie dem Angebot, das über das übliche Maß hinausgehe.

In der Einrichtung gibt es auch eine Kiez-Kita. Das Land Brandenburg hat das neue Förderprogramm 2017 aufgelegt. Ausgewählte Kindertagesstätten sollen personell verstärkt werden. „Vorwiegend geht es dabei um Kinder mit Fluchterfahrung und aus schwierigen Familienverhältnissen“, erklärt Kerstin Leutert-Glasche, Geschäftsführerin des Hauses der Familie (HdF).

Das Kiez-Kita-Programm habe sich „bewährt“, findet Hermann Kostrewa. Der Sozialderzernent des Landkreises Spree-Neiße kandidiert auch bei der Landratswahl für die SPD. Durch die personelle Aufstockung gebe es mehr „Freiraum“, um sich intensiver mit den Kindern beschäftigen zu können, begründet er.

Gleichzeitig fordert er aber auch eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels. „Beim Versorgungsgrad ist Brandenburg bereits sehr gut aufgestellt“, sagt Kostrewa. Dieser liegt zwischen 90 und 95 Prozent im Kita-Bereich. Der Betreuungsschüssel sei mit einem Erzieher für 11,5 Kinder allerdings „zu hoch“. Für eine Reduzierung auf zehn Kinder will sich Kostrewa einsetzen.

Von rund 20 000 Besuchern werden die Angebote des Mehrgenerationenhauses in der Goethestraße und des Familienzentrums in Grießen pro Jahr genutzt. Das Haus der Familie ist zudem Träger der Kita Musikspielhaus, des Hortes an der Corona-Schröter-Grundschule, des Treffs am Schillerplatz samt Freiwilligenagentur. Mehr als 60 Menschen arbeiten hier. Hinzu kommen rund 150 Ehrenamtler

Die größte Baustelle ist noch immer die Gestaltung des Außenbereiches. „Wichtig ist vor allem das Multifunktionsfeld“, sagt Leutert-Glasche. Hier sollen Schulverweigerer, die vom Verein betreut werden, Sport machen können. Das Haus der Familie hat jetzt einen Antrag auf Förderung aus Lottomittel des Landes Brandenburg gestellt. Die Gubener Stadtverordneten hatten den Förderantrag 2016 abgelehnt.