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| 12:45 Uhr

Gilde hofft auf Mitstreiter
Ritter an der Neiße

Einen Schaukampf präsentieren die Mitglieder der Rittergilde.
Einen Schaukampf präsentieren die Mitglieder der Rittergilde. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Kampfsportverein will neuen Standort in Guben aufbauen und sucht dafür Mitstreiter.

„Ritter waren die Dorfpolizisten des Mittelalters“, sagt Frank Berliner. Wenn es sich ein Dorf leisten konnte, kaufte es sich einen solchen Kämpfer zum eigenen Schutz. „Doch so ein Ritter war teuer“, betont Berliner. Im heutigen Großraum Berlin gab es vor 700 Jahren lediglich 16 von ihnen. „Einem Ritter zu begegnen war ungefähr so, wie heute Robert de Niro beim Bäcker zu treffen“, scherzt er und hat sofort die Lacher und Sympathien auf seiner Seite.

Vor zwölf Jahren haben die Zwillingsbrüder Frank und Volker Berliner die Berliner Rittergilde gegründet. „Ich hatte ein Schwert auf einem Mittelaltermarkt gekauft“, erzählt Volker Berliner. Als er damit „herumgefuchtelte“, habe sein Bruder auch gleich Feuer gefangen. Mittlerweile ist die Gilde die größte Organisation für  mittelalterlichen Schaukampf im Norden Deutschlands mit insgesamt 120 Mitgliedern an sechs Standorten rund um Berlin.

„Für uns steht der Kampfsport im Vordergrund“, erklärt Oscar Seibt, Kommandant der Burgwache in Storkow (Oder Spree). Die Mitglieder trainieren einmal wöchentlich mit Schwert, Hellebarde, Armbrust, Langbogen und Belagerungsmaschinen. Bei öffentlichen Shows wird dann ein mittelalterliches Schlachtszenario mit bis zu 100 Darstellern nachgestellt. Vor allem der Mann-gegen-Mann-Aspekt und die authentischen Kämpfe faszinieren Seibt, wie er erzählt.

Die Rittergilde will sich nun auch in Guben ansiedeln. „Wenn es Interessenten dafür gibt“, räumt Seibt ein. Die vom ihm angeführte Storkower Burgwache soll zunächst den Vorposten stellen und beim Aufbau einer eigenen Gruppe helfen. Mitglied kann jeder werden. Selbst Kinder ab zehn Jahre können mitmachen. Allerdings dürfen diese nur mit Bogen und Armbrust schießen. Schwertkämpfer müssen mindestens 16 Jahre alt sein. Zur Rittergilde gehören auch Frauen und Senioren. Letztere bringen sich oft mit „viel Basteleinsatz“ beim Betrieb der Katapulte ein, wie Frank Berliner erzählt.

Anlaufpunkt für die Rittergilde in Guben ist die Heilsarmee. Hier können sich Interessenten melden. Leiterin Wencke Wanke hatte auch die Idee für den neuen Standort an der Neiße. Kennengelernt hat sie die Ritter auf dem Hallowas-Fest in Berlin-Steglitz, wie sie erzählt. Damit feiert die Heilsarmee den Reformationstag am 31. Oktober – statt Halloween.  Das will sie in diesem Jahr auch in Guben machen. Für das entsprechende Flair sorgen die Ritter mit Schaukämpfen und Erklärstücken.

Mit vielen Details zum Leben im Mittelalter punktet auch Frank Berliner bei der ersten Vorstellungsrunde am Samstag. Im Mittelalter seien die Menschen nur 30 bis 40 Jahre alt geworden, was an der sehr hohen Kindersterblichkeit  lag, erzählt er. Durchschnittlich elf Kinder bekamen die Frauen, von denen aber nur drei bis vier das Erwachsenenalter erreichen. „Viele von ihnen verhungerten im Winter“, sagt Berliner.

Aus Rasenerz wurde damals das Eisen für die Waffen und Rüstung der Ritter gewonnen, erzählt er weiter. Dafür wurden verfestigte Erdklumpen, die einen besonders hohen Eisengehalt aufwiesen, eingesammelt. Um genügend Material zu bekommen, mussten „ganze Felder umgewälzt werden. „Deshalb war ein Schwert mitunter so viel wert wie ein ganzes Dorf“, berichtet Berliner.

Mehr Informationen gibt es unter www.berliner-rittergilde.de