Von Ute Richter

Klima-Pilger machen auf den extremen Wasserrückgang im Deulowitzer See nahe des Tagebaus Jänschwalde aufmerksam. Um mehr als 50 Meter hat sich das Wasser am Hauptstrand des Gewässers bereits zurückgezogen. Matthias Bärmann von der evangelischen Kirchengemeinde Guben hat am Sonnabend mit einer Reihe von Fotos und Weg-Marken am Strand von 1958 bis heute den massiven Wasserrückgang erneut aufgezeigt.

Erst Ende des vergangenen Jahres hat die Brandenburger Landesregierung die Situation anerkannt und dem tschechischen Bergbaubetreiber Leag Auflagen gemacht, die Wasserstände wieder aufzufüllen. Zielmarke sei allerdings nur der Wasserstand des Jahres 2010. Für die Zeit davor gebe es keine zuverlässigen Daten. „Damit kann man sich nicht zufrieden geben“, sagt die Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky (Grüne) aus Jänschwalde.

Der Pinnower, der Groß- und der Kleinsee sollen ab dem nächsten Jahr mit Grundwasser aufgefüllt werden. Dem Wasserverlust im Deulowitzer See soll indes nur mit Oberflächenwasser entgegengewirkt werden. „Dafür soll ein Grabensystem ertüchtigt werden“, erläutert Schinowsky. „Ob hiermit eine deutliche Verbesserung der Lage am Deulowitzer See erreicht werden kann, ist noch unklar. Falls nicht, müssen die Landesbehörden nachsteuern und dem Bergbaubetreiber weitere Auflagen machen“, fordert sie.

Die evangelische Kirchengemeinde Guben will indes die Sammlung privater Bilder fortsetzen und im nächsten Jahr auch Foto-Serien zu anderen Seen der Region veröffentlichen.

Vor dem Wochenende waren die Pilger quer durch die Lausitz, von Hoyerswerda bis Jänschwalde, vorbei an Tagebauseen und Kippenflächen des DDR-Braunkohlenbergbaus, entlang der braunen Spree, vorbei an Grubenkanten, Kraftwerken unterwegs. Sie besuchten „Kraftorte“ wie das Hofprojekt „Eine Spinnerei – vom nachhaltigen Leben“ und „Schmerzpunkte“. Und einer dieser Schmerzpunkte ist der Deulowitzer See.

Heide Schinowsky, die wirtschaftspolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion Brandenburg, erklärt hier: „Die Auswirkungen des Klimawandels und des Kohleabbaus müssen auch in der Region weiter ins Bewusstsein gerückt werden. Wir müssen alle Chancen nutzen, die das Ende der Braunkohle bringt. Mittlerweile herrscht in der Kohlekommission Einigkeit darüber, dass die Lausitz stärker bedacht werden muss. Deshalb müssen wir so viel wie möglich auf den Weg bringen“, sagte sie.

René Schuster von der Umweltgruppe Cottbus erzählt: „Der Weg durch das Kohlerevier war echt traurig. Ganz hautnah sahen dort die Pilger, was die Kohle mit der Landschaft und den Menschen macht.“ Im Anschluss an die Aktion am Deulowitzer See machten sich die Pilger auf den Weg nach Guben. Dort fand an der Klosterkirche eine Andacht statt.