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| 01:10 Uhr

Bei Hausärzten droht Unterversorgung

Guben.. 87,40 Prozent beträgt derzeit der Versorgungsgrad mit Hausärzten in Guben. Das besagt eine Statistik, von der die Gubener Stadtverordneten in ihrer jüngsten Beratung erfuhren (die RUNDSCHAU berichtete). Es ist zugleich der schlechteste Stand von allen ärztlichen Versorgungsbereichen. Und er wird sich bis März 2004 weiter verschlechtern – durch Schließungen von drei Gubener Hausarztpraxen. Unterversorgung droht. Von Barbara Remus

Mindestens zweierlei haben die Ärztinnen Dr. Helga Buchecker, Ursula Schulze und SR Isolde Moros gemeinsam: Sie sind um die 62 Jahre alt und werden keinen Nachfolger für ihre Praxisräume haben, wenn sie diese in absehbarer Zeit schließen. Letztere hat das zum Ende dieses Jahres vor, die anderen beiden bis spätestens Ende März 2004.
Nach der Wende hatte sich jede der drei Ärztinnen – wie viele andere Kolleginnen und Kollegen – auf eigene Füße gestellt, weitergebildet, investiert, die Praxisausstattung modernisiert. 900 bis 1000 Patienten hat jede von ihnen pro Quartal zu behandeln – weit über dem Durchschnitt der alten Bundesländer. Doch dieses Mehr an Arbeit wird mit etwa 23 Prozent schlechterer Bezahlung honoriert. Und nächtliche Bereitschaftsdienste, an die sich in der Regel am nächsten Tag wieder ein stressiger Praxistag anschließt, werden mit zunehmendem Alter immer belastender.
Den letzten Ausschlag für die fast 40 Jahre im Beruf stehende Fachärztin für Allgemeinmedizin Ursula Schulze, in den Ruhestand zu gehen, gaben jedoch die zunehmenden Reglementierungen. „Immer dieser Spagat zwischen der Verpflichtung, die Patienten zu behandeln, und der Androhung von Regressen, wenn dadurch die vorgegebenen Budgets überschritten werden“ , macht sie ein Problem deutlich, dem sich mehr oder weniger jeder Arzt gegenüber sieht.
SR Isolde Moros sehnt deshalb ebenfalls den Ruhestand herbei. „Bis jetzt geht es mir noch gut“ , sagt sie. „Aber ich habe genug gearbeitet und drei Kinder groß gezogen. Mit 62 Jahren bin ich schon länger tätig, als ich es müsste. Andere gehen schon mit 55 Jahren in den Vorruhestand.“
Dr. Helga Buchecker schätzt ein, dass sie schon längst hätte gehen müssen, „vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Aber auch wegen der ministeriellen Bürokratisierung. Es macht keinen Spaß mehr. Wäre es nur die rein ärztliche Arbeit, würde ich noch weitermachen.“
Bisher fand sich weder bei ihr noch bei den anderen beiden Ärztinnen jemand, der die Praxis weiterführt – trotz vielfacher Bemühungen. So bahnt sich immer mehr eine Unterversorgung bei Hausärzten an, die die beiden neu niedergelassenen Ärztinnen auf dem Komet-Platz und an der Erich-Weinert-Straße nicht wettmachen können. Denn von den in Guben und seinem Umfeld niedergelassenen Ärzten ist derzeit die Hälfte über 60 Jahre alt.
Die Stadt will mit unterschiedlichen Maßnahmen dem Versorgungsnotstand bei Hausärzten entgegenwirken. Attraktive Wohnungsangebote und Gewerberäume, Verbesserung der kommunalen Infrastruktur, eventuelles Einrichten von Gesundheitszentren sowie das zielorientierte und persönliche Ansprechen von Interessenten beziehungsweise arbeitslosen Ärzten stehen dabei in ihrer Macht. Die Lockerung des Zulassungsrechtes sowie Umsatzgarantien in unterversorgten Gebieten durch die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg – wie ebenfalls im Statistikpapier der Stadt vorgeschlagen – haben allerdings andere Zuständigkeiten.