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Bedrohung und Bereicherung

Ein paar Meter hinter der Neiße ensteht die Galeria Hosso in Laufweite zum Gubener Zentrum
Ein paar Meter hinter der Neiße ensteht die Galeria Hosso in Laufweite zum Gubener Zentrum FOTO: Hosso-Holding
Guben/Gubin. 11 000 Quadratmeter Fläche, Geschäfte, Boutiquen, Cafés – in Laufweite vom Gubener Zentrum entfernt. Was auf Gubiner Seite mit dem Baustart der Galeria Hosso an der Neißebrücke geglückt ist, funktioniert in Guben seit Jahren nicht. Der Versuch, einen Discounter in die Innenstadt zu locken, ist immer wieder gescheitert. Zwischen 30 und 40 Prozent der Ladenlokale in Guben stehen leer, sagte Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro im jüngsten Wirtschaftsausschuss. Der landesweite Schnitt liegt in Brandenburg bei 23 Prozent. Von Daniel Schauff

Ein Grund, das sagte Mahro ebenfalls, sei der 180-Grad-Winkel, in dem Gubener Händler Kunden ansprechen könnten - die restlichen 180 Grad liegen in Polen. Und dort sitzt die Konkurrenz, die mit vielen preiswerteren Produkten lockt. In mittelbarer Zukunft kommt ein großes Einkaufszentrum auf der polnischen Neißeseite hinzu. Grund genug für viele Gubener, sich Sorgen um den Einzelhandel in der Innenstadt zu machen.

Von "fatalen Folgen für die Stadt Guben" spricht der suspendierte Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP). Eine "Komplementärwirkung" der Galeria Hosso auf Gubiner Seite für die Innenstadtentwicklung in Guben sei nicht zu erwarten, sagt er. Das liege auch an einem fehlenden gemeinsamen Einzelhandelskonzept beider Städte. Die Ansiedlung der Galeria Hosso werde zu einem "Bedeutungsverlust der Nebenanlagen" führen, befürchtet Hübner. Dringend notwendige Investitionen in der Stadt würden verhindert statt angeschoben.

Die Händler, sagt Mahro, seien angesichts des neuen Shoppingtempels nicht so besorgt wie viele Bürger. Zumindest habe er diese Rückmeldung in Gesprächen mit Einzelhändlern erhalten.

Einen Bedarf an zusätzlichen Einzelhandelsflächen gebe es weder dies- noch jenseits der Neiße, hatte Mahro weit vor Baubeginn der Galeria gesagt. In Guben kommen auf einen Einwohner bis zu drei Quadratmeter Verkaufsfläche - der Landesschnitt liegt bei gerade einmal 1,75 Quadratmetern.

Eine künftige gemeinsame Stadtplanung streben sowohl Guben als auch Gubin an. Ein gemeinsames Entwicklungskonzept ist derzeit in Arbeit - gefördert durch EU-Mittel. An der mit der Eröffnung der Galeria Hosso entstehenden polnischen Konkurrenz für die Gubener Innenstadt-Händler ändert das allerdings vorerst nichts.

Die allerdings kann auch einen Vorteil für die Gubener Innenstadt mit sich bringen. "Fakt ist, dass viele Gubiner nach Guben einkaufen fahren", teils wegen der besseren Qualität, teils auch wegen eines günstigeren Preises, sagt Krzysztof Zdobylak, Gubiner Stadtverordneter und Mitarbeiter der Gubener Stadtverwaltung. Allein an der Werbung mangele es teilweise. "Bestimmte Marken-Sonnenbrillen sind in einem Optikerladen in der Gubener Innenstadt viel preisgünstiger als in Polen. Davon weiß aber niemand", sagt Zdobylak.

Kommen künftig mehr Kunden aus dem Gubiner Umland in die Stadt, um in der Galeria Hosso einzukaufen, gibt es folglich mehr Kunden, die die deutschen preisgünstigeren oder qualitativ besseren Alternativen zu polnischen Produkten auf der Gubener Neißeseite kaufen könnten. Eine fachkundige Beratung der deutschen Einzelhändler hält Mahro daher für wichtig, um gegen die polnische neue Konkurrenz bestehen zu können.