Der Gubener Bauunternehmer Frank Unger hat jetzt die Schlüsselgewalt für das historische Torhaus der ehemaligen Wilke-Fabrikantenvilla. Wie der Sachverständige für Hochbau, Baumängel und -schäden bestätigt: „seit wenigen Tagen“.

Zukunftsplan noch nicht fertig

Der Zukunftsplan für das geschichtsträchtige und deshalb auch denkmalgeschützte Gebäude „ist noch nicht fertig geschmiedet“, sagt er. „Aber eine Gastronomie wird es definitiv nicht sein“, erklärt Frank Unger, die Erwartungen dämpfend, weiter. Zuerst sei eine gründliche bauliche Bestandsaufnahme erforderlich. Fest stehe bislang nur: Im Dachgeschoss soll eine hochwertige Wohnung entstehen.

Die Stadt Guben bestätigt: „Das Torhaus wurde veräußert, Angaben zum Käufer oder ähnliches sind jedoch nicht öffentlich“, sagt Rathaus-Sprecherin Lauta Böhme. Aber die Kunde vom taufrischen Verkauf des stadtbildprägenden Gebäudes macht trotzdem die Runde.

Anspruchsvolle Gastronomie unrealistisch

„Ich habe die Gelegenheit beim Schopf gepackt“, sagt der Diplom-Ingenieur, der beruflich seit 30 Jahren im Bauwesen unterwegs ist und vor zehn Jahren den eigenen Baubetrieb begründet hat. Die Firma hatte im Auftrag der Stadt, die das Torhaus seit dem Jahr 2007 von Erwerbern immer wieder unsaniert zurückbekam, hier unter anderem das Dach gesichert.

Um den Verfall zu stoppen, haben die Gubener Stadtväter vor zwei Jahren alternativlos in die Stadtkasse gegriffen. Denn entweder waren sich Stadt und jeweiliger Erwerber zuvor zur Nutzung, die öffentlich bleiben sollte, uneins geworden oder geschlossene Verträge wurden nicht eingehalten. Das Gebäude sollte „vorzugsweise“, wie die Stadtplaner im Rathaus forderten, „für anspruchsvolle Gastronomie oder im Bereich Tourismus genutzt werden“. Das hat sich bisher als unrealistisch gezeigt. Das Pförtnerhaus, das von der malerischen Fabrikantenvilla der Gubener Hutmacherfamilie Wilke geblieben ist, ist mehrfach aus kommunaler Hand verkauft und immer wieder zum Ladenhüter geworden.

Verkauf als Schlussstrich

Zuletzt vor nunmehr fast genau fünf Jahren. „Mit dem jetzigen Verkauf des geschichtsträchtigen Torhauses möchten wir endgültig einen Schlussstrich unter das Kapitel ziehen“, betonte der damals amtierende Bürgermeister Fred Mahro am 20. November 2015. Vom neuen Besitzer war ein „öffentliches Nutzungskonzept mit Hand und Fuß für das einzige Überbleibsel der früheren Fabrikantenvilla Wilke“ erwartet worden. Auch, um Fördermittel für die denkmalgerechte Sanierung beantragen zu können.

Wohl deshalb üben sich die Beteiligten jetzt in Zurückhaltung, was die Zukunftspläne für das Torhaus betrifft. Der Buschfunk spricht davon, dass es Firmensitz werde. Das wird derzeit weder bestätigt noch dementiert. Über der angestrebten Nutzung liegt derzeit der Mantel des Schweigens. Und FrankUnger lässt sich noch nicht aus der Reserve locken.

Bauunternehmen mit zehn Beschäftigten

Hauptsächlich mit Kleinaufträgen im Bauhauptgewerbe für Privatleute und Vermieter befasst, ist der Bauunternehmer mit etwa zehn Beschäftigen in den klassischen Baugewerken inzwischen aber auch sichtlich historischer Bausubstanz verfallen. Referenzobjekte sind eine Feldsteinscheune im nahe gelegenen Chossewitz (einer eigenständigen Gemeinde im Amt Friedland) und der Branitzer Park. Hier hat das Gubener Baununternehmen die Landpyramide restauriert. Erdarchitekur, die durch Bodenerosion unterspült worden ist, ist auch für den Experten eine besondere Aufgabe. Der Pyramide ist die Krone mit bester Aussicht auf den berühmten Pückler-Park wieder akkurat aufgesetzt worden.

Dass das um 1900 erbaute Torhaus bei Frank Unger jetzt endlich in guten Händen ist, ist eine Hoffnung vieler Gubener.


Das Gubener Torhaus ist das ehemalige Pförtnerhaus der Hutfabrikantenvilla Wilke. Das Gebäude ist um 1900 erbaut worden und trägt bis heute die Initialien des Auftraggebers Max Wilke (1863 bis 1931), MW. Durch das Tor sind, historisch belegt, herrschaftliche Kutschen und in der Kaiserzeit erste Automobile gerollt.

Die Fabrikanten-Villa ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Nur das Torhaus war 1945 fast unversehrt, mehrere Famillien wurden hier untergebracht.

Später für das Torhaus öffentlich genutzt, vom Polizeisportverein und als Depot der Jugendfeuerwehr.