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Baubeginn für Shoppingtempel

Gubins Bürgermeister Bartlomiej Bartczak ist im Gespräch mit Katarzyna Meger-Dziechciarz vom polnischen Investor Hosso.
Gubins Bürgermeister Bartlomiej Bartczak ist im Gespräch mit Katarzyna Meger-Dziechciarz vom polnischen Investor Hosso. FOTO: S. Halpick
Gubin. "In einem Jahr werden wir die Galerie eröffnen", sagt Bartlomiej Bartczak gut gelaunt. Der Gubiner Bürgermeister hat geschafft, was viele nicht für möglich hielten: einen Großinvestor für einen Shoppingtempel mitten in der deutsch-polnischen Doppelstadt zu finden. Silke Halpick

Am Dienstag wurde der erste Spatenstich auf dem Gelände direkt hinter der Grenzbrücke gesetzt.

"50 Millionen Euro werden investiert", sagt Katarzyna Meger-Dziechciarz von der Marketingabteilung der polnischen Hosso-Gruppe. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Szczecin (Stettin) und betreibt bereits sechs Einkaufzentren in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die Investition in Gubin sei eine der größten, betont sie.

Auf einer Fläche von rund 11 000 Quadratmetern soll es neben Geschäften und Boutiquen auch Fitness- und Freizeitangebote speziell für Familien sowie zahlreiche Cafés geben. Mit rund 200 Arbeitsplätzen wird gerechnet.

"Die archäologischen Untersuchungen finden parallel zum Bau der Galerie statt", sagt Bartczak. Das Gelände, auf dem die Hosso-Galerie entsteht, war vor dem Zweiten Weltkrieg der Gubener Marktplatz. Auf der Baustelle wurde am Montag Bombenalarm ausgelöst, weil Arbeiter auf einen verdächtigen Gegenstand stießen. Die Gubiner Feuerwehr musste ausrücken, konnte aber schnell wieder Entwarnung geben. Es war nur eine Kiste, wie Bartczak erzählt.

Der Gubiner Bürgermeister hat lange für seine Vision eines Einkaufstempels gekämpft. Vor fünf Jahren gab es bereits ein ähnliches Projekt, doch die Investorengruppe aus Österreich sprang letztlich wieder ab. Auch auf der deutschen Seite ist es bislang nicht gelungen, einen sogenannten Magneten in der Innenstadt zu etablieren, was von vielen Einwohnern nach wie vor kritisiert wird.

Die fehlende Kaufkraft sowie die hohe Zahl bereits vorhandener Einzelhandelsflächen in Guben führt der amtierende Bürgermeister Fred Mahro als Hauptgrund an. "Aber auch der vor der Region liegende Strukturwandel und die viel zu vielen noch offenen Fragen dazu verunsichern potenzielle Investoren und das nicht nur im Einzelhandel", betont er.

Die polnische Hosso-Gruppe ist davon überzeugt, dass die Investition in Gubin eine "sehr gute Entscheidung" ist. Begründet wird das auch mit dem Kundenpotenzial auf polnischer und deutscher Seite. Mahro hingegen hofft, dass es den Gubener Händlern durch fachkundige Beratung und wettbewerbsfähige Preise gelingen wird, auch gegen neue polnische Akteure zu bestehen.