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| 02:35 Uhr

Barmherzigkeit ist eine Tugend

"Christus spricht: Was ihr getan habt, einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." (Matthäus 25, 40) Einmal im Kirchenjahr wird die Diakonie thematisiert, am 13.

Sonntag nach Trinitatis. In diesem Jahr ist das der 21. August.

Die Diakonie der evangelischen Kirchen ist ein Schwergewicht kirchlicher Arbeit. Circa 450 000 Menschen arbeiten in über 30 000 Einrichtungen der Diakonie in Deutschland. Sie werden dabei unterstützt von etwa 700 000 ehrenamtlich Mitarbeitenden. Rund 10 Millionen Menschen in unserem Land nehmen die Leistungen der Diakonie in Anspruch.

Mit dem Regionalen Diakonischen Werk im Landkreis Spree-Neiße und in der kreisfreien Stadt Cottbus engagieren sich bei unterschiedlichen kirchlichen Rechtsträgern mehr als 1200 Menschen in der Diakonie im Bereich der medizinischen Versorgung, in der Jugendhilfe, in der Behindertenhilfe und der Altenhilfe.

Warum ist Kirche so stark sozial engagiert?

Liest man den Schöpfungsbericht, dann erfährt man, dass Gott dem Menschen sein Ebenbild eingestiftet hat. Adam (der von der Erde Genommene), ist als Beziehungswesen geschaffen. Gott schenkt ihm das passende Gegenüber. "Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch." (Genesis 2, 23), ertönt der Jubelruf des Adam bei der Entdeckung seiner Eva.

Menschliche Existenz ist auf Beziehungen hin angelegt. Jeder ist für den anderen der Nächste. Dem menschlichen Leben ist damit grundsätzlich ein "pro-soziales Verhalten" implementiert. Die neutestamentliche Geschichte vom barmherzigen Samariter ist das Glanzbeispiel für solches Verhalten. Diese Geschichte bestimmt als Sonntagsevangelium die Thematik des 13. Sonntages nach Trinitatis. Unabhängig von Glaubensüberzeugungen handelt der Samariter als Mitmensch. Christus zeichnet mit dieser Alltagsgeschichte jene humane Normalität, wie sie Gott den Menschen mitgegeben hat.

Diakonie beginnt also nicht erst mit dem Neuen Testament. Sie findet sich in der Schöpfungsgeschichte ebenso wie in den gesetzlichen Normierungen des Alten Testamentes. Wenn der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs seinem Volk verordnet, dass Waisen, Witwen und Fremdlinge (Ausländer) besonderer Zuwendung bedürfen, dann ist bereits damit Diakoniegeschichte geschrieben worden. Und wenn es am Ende des Matthäus-Evangeliums in der Weltgerichtsrede (Mt. 25) um die wesentlichen Werte des Himmelreiches geht, zählt Jesus Christus als Tugenden der Barmherzigkeit wieder genau jene Dinge auf, die die Mitmenschlichkeit als Gottes Wesen beschreiben.

Kirche, die in der Nachfolge Christi lebt, kann nur dann Kirche sein, wenn sie sich auch sozial engagiert. Das ist für sie wesentlich. Diakonie ist deshalb zu Recht eine Wesens- und Lebensäußerung der Kirche. Wir feiern das am Diakoniesonntag des Kirchenjahres in allen Kirchen. Feiern Sie mit?

*Pastor Stefan Süß ist Rektor des Naemi-Wilke-Stiftes Guben, Selbständige

Evangelisch-Lutherische Kirche