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| 07:03 Uhr

Bergbau und seine Folgen
Bald in Algen versunken? - Gefahr für Seen am Tagebau Jänschwalde

 Der Pinnower See soll künftig wieder mehr Wasser enthalten. Steigt damit aber auch die Gefahr verstärkten Algenwachstums? Die Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky warnt davor.
Der Pinnower See soll künftig wieder mehr Wasser enthalten. Steigt damit aber auch die Gefahr verstärkten Algenwachstums? Die Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky warnt davor. FOTO: ideengrün.de / Dipl.-Ing. Markus Pichlmaier
Jänschwalde. Abgeordnete warnt vor verstärktem Algenwachstum in Seen nahe des Tagebaus Jänschwalde. Nimmt das Wassergewächs überhand, hat das unschöne Folgen für Gewässer. Von Thomas Engelhardt

Droht den Seen im Umfeld des Tagebaus Jänschwalde neues Ungemach? Die Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky (Bündnis 90/Grüne) hält dies zumindest für denkbar und wird nicht müde, die Öffentlichkeit für dieses Problem zu sensibilisieren. Sie befürchtet, dass Gewässern wie dem Pinnower See, dem Deulowitzer See, dem Kleinsee oder dem Großsee schon bald ein verstärktes Algenwachstum drohen könnte, wie sie in einer Presseerklärung schreibt.

Um den Wasserverlust in den Seen im Umfeld des Tagebaus Jänschwalde einzudämmen, wurde die Leag als Betreiber des Tagebaus per bergrechtlicher Anordnung dazu verpflichtet, die Wasserstände in den genannten Seen zu stabilisieren. Die Gewässer sollen mittels der Einleitung aus neuen Grundwasserquellen wieder aufgefüllt werden. Geplant sei, bis Ende April dieses Jahres an den Seen die Versorgungsanlagen zu errichten und ab Mai das Grundwasser dann in die Seen einzuleiten.

Phosphat lässt Algen sprießen

Sorge bereite den Bündnisgrünen, dass es durch das Phosphat aus dem Grundwasser möglicherweise zu einer Anreicherung von Nährstoffen und dadurch zu einer extremen Entwicklung von Algen in den Seen kommen könnte. Ob das Brandenburger Bergamt Maßnahmen zur Reduzierung von Phosphat erlässt, sei derzeit laut Schinowsky noch offen.

Die Landesregierung habe ihr in einer Antwort auf eine Anfrage mitgeteilt: „Neben der Wassereinleitung wurde vorsorglich ein Monitoring gegenüber dem Bergbauunternehmen angeordnet, mit dem die Entwicklung der Seen künftig überwacht werden kann. Auf Basis der Monitoringergebnisse muss entschieden werden, ob weitere Maßnahmen zum Schutz der Seen notwendig sind.“ Zudem werde im noch laufenden Genehmigungsverfahren geprüft, ob Maßnahmen zur Phosphatminimierung notwendig seien.

„Es wäre niemandem geholfen, wenn die Seen zwar mit Wasser aufgefüllt werden, dann aber mit einem überbordenden Algenwachstum belastet sind. Bei ersten Indizien, dass eine Phosphat-Belastung droht, müssen dem Bergbaubetreiber entsprechende Maßnahmen zur Reduzierung auferlegt werden“, fordert die bergbaupolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion.

Da auch die wasserrechtliche Erlaubnis für den Tagebau Jänschwalde bis Ende 2022 befristet sei, soll im kommenden Jahr ein sogenanntes Scoping-Verfahren für die Erlaubnis ab dem Jahr 2023 eingeleitet werden. Mit der Erlaubnis solle das Abpumpen des Wassers durch den Bergbaubetreiber in der Region für die Aufrechterhaltung des Tagebaus geregelt werden. „Ich erwarte von der Landesregierung, dass dem Bergbaubetreiber hohe Auflagen zum Schutz der Seen im Umfeld des Tagebaus Jänschwalde gemacht werden“, sagt Schinowsky.

Wasserverlust und Fischsterben

In den vergangenen Jahren waren bei Seen nördlich des heranrückenden Tagebaus Jänschwalde massiv die Wasserstände gesunken. Eine Folge war unter anderem ein Fischsterben im Pastlingsee gewesen. Erst nach jahrelanger Diskussion hatte das Brandenburger Landesbergamt im vorigen Jahr den Bergbau als zentralen Verursacher bestätigt und den Bergbaubetreiber verpflichtet, den Wasserverlust wieder aufzufüllen.

Kommunalpolitiker wie Steffen Krautz (SPD) als Vorsitzender des Umweltausschusses der Gemeinde Schenkendöbern hatten die Maßnahme begrüßt, aber langfristiges Handeln angemahnt: „Die Entwässerung der Region durch Tagebauaktivitäten wird bis zum Abschluss der Rekultivierungen weitergehen. Wir reden hier mit Sicherheit über die nächsten 15 bis 20 Jahre“, sagt Krautz. Er hatte sich für eine Bergschadensanzeige ausgesprochen.