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| 17:52 Uhr

Bärenklau rutscht ab

Maik Neumann zeigt, wie schief die Tore auf seinem Grundstück sind. Gleich hinter ihm stand einst eine Scheune, die die Neumanns abreißen mussten.
Maik Neumann zeigt, wie schief die Tore auf seinem Grundstück sind. Gleich hinter ihm stand einst eine Scheune, die die Neumanns abreißen mussten. FOTO: dsf
Bärenklau. Maik Neumann musste die Scheune auf seinem Grundstück am Schwarzen Fließ in Bärenklau abreißen. Sie sei einfach zu schief und unsicher gewesen, sagt er. Daniel Schauff

Schließlich spiele der Kleine auf dem weitläufigen Feld hinter dem gut 100 Jahre alten Haus, in dem er mit seiner Frau Jeanett seit rund 20 Jahren wohnt.

Die Scheune ist nicht der einzige Schaden, den die Neumanns zu beklagen haben. Breite und lange Risse ziehen sich durch die Außenmauern des Hauses, ein Nebengelass ist nicht mehr zu nutzen, weil Teile der Wände langsam bröckeln, sagt Jeanett Neumann. Die Terrasse hinter dem Haus ist allein im letzten Jahr dezimeterweit nach unten gesackt. Tür- und Torschlösser sind so verschoben, dass sich keines mehr vernünftig schließen lässt.

Gleich gegenüber wohnt Karlheinz Balke. Bei ihm bietet sich ein ähnliches Bild. Eine Mauer vor dem Haus ist gebrochen, eine Hand passt durch. Der Anbau des Hauses hat sich um gut und gerne 40 Zentimeter nach unten bewegt.

Rings um das schwarze Fließ klagen die Anwohner über ähnliche Schäden an ihren Häusern und Grundstücken. Heribert Palme kriegt die Schlösser an den Toren rings um sein Haus und Hof ebenfalls nur noch mit Nacharbeiten zu. Jens-Ulrich Schmidt, der ein paar Hundert Meter weiter kurz vor der Straße nach Grabko wohnt, klagt derweil über massives Baumsterben auf seinem Grundstück. 15 Jahre lang seien die Bäume gewachsen, seit diesem Jahr zeigen Nadel- wie Laubbäume, Hecken und Grün unübersehbar viele braune Stellen. Einige Bäume sind verkümmert.

"Ja, Vattenfall war einmal hier", sagt Jeannett Neumann. Das war 2013. Knapp ein halbes Jahr später kam das Ergebnis des Gutachtens, wonach es sich bei den Schäden am Haus der Neumanns nicht um Folgen des Bergbaus handele. Eine andere Erklärung gab es im Gutachten laut Jeannett Neumann nicht. Sie und ihre Nachbarn, die zum Teil noch auf die Ergebnisse des Leag-Gutachtens warten, sehen das anders - der Torf im Boden vertrockne durch die Grundwasserabsenkung für den Tagebau in der Nachbargemeinde. Und da der Torf nicht gleichmäßig sei, seien auch die Absackungen nicht gleichmäßig. Die Folge: Schäden an Häusern und auf den Grundstücken.

Andreas Stahlberg, bei der Gemeinde Schenkendöbern zuständig für bergbaubedingte Sonderaufgaben, hält die Erklärung für plausibel. Seit Juni werde zusätzliches Wasser ins Schwarze Fließ geleitet, das sei aber nach wenigen Hundert Metern versickert. Nachdem Anfang 2017 der jetzige Tagebaubetreiber Leag eine Tonschicht in den Graben gegeben hätte, laufe zwar wieder Wasser hindurch, in der Fläche sei die Wirkung aber nur gering, so Stahlberg. Die Folge: Der Torf trockne weiter aus. Durch die Entwässerung werde das organische Material darüber hinaus auch belüftet, was zur Zersetzung führe. Das könne der Grund sein, warum die Schäden entlang des Fließes in Bärenklau besonders in diesem Jahr so massiv seien. Karlheinz Balke zeigt, wie hoch die Weide hinter seinem Haus einst war. Unter seiner Handfläche sind jetzt rund 60 Zentimeter Platz.

Leag-Sprecher Thoralf Schirmer verweist darauf, dass alle angezeigten Bergbauschäden "sachverständig und erforderlichenfalls durch externe Gutachter auf Kosten des Unternehmens eingehend" geprüft würden. Lägen Bergschäden vor, würden diese einvernehmlich geregelt. Geschieht das nicht, bleibt den Betroffenen der Weg vors Gericht. Den allerdings scheuen die meisten aufgrund der anfallenden Kosten etwa für ein Gutachten.

Für einige der betroffenen Bärenklauer ist noch offen, ob die Leag Bergbauschäden auf ihren Grundstücken erkennt und ob es in dem Fall zu einer "einvernehmlichen Lösung" kommen wird. Eine Schlichtungsstelle , wie sie die Neumanns nach dem Gutachtenergebnis in Anspruch nehmen könnten, gibt es weiterhin nicht, weil der Bund als Eigentümer der für stillgelegte Tagebaue zuständigen Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) die Teilnahme ablehnt.

Es müsse allerdings jeder für sich entscheiden, ob er sich nach einem Gutachten und einer Ablehnung der Leag noch einmal an den Tagebaubetreiber wende, sagt Schirmer.