| 16:23 Uhr

Vier Einsätze in einer Woche
Wieder Brandserie in Guben

Jede Menge Löschschaum ist auch noch am Donnerstagmittag auf dem Lidl-Parkplatz in der Karl-Marx-Straße zu sehen. In der Nacht zum Donnerstag haben in Guben zwei Autos gebrannt.
Jede Menge Löschschaum ist auch noch am Donnerstagmittag auf dem Lidl-Parkplatz in der Karl-Marx-Straße zu sehen. In der Nacht zum Donnerstag haben in Guben zwei Autos gebrannt. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Guben. Polizei bildet Ermittlungsgruppe, um mutmaßlichen Serientäter möglichst schnell zu fassen. Silke Halpick

Lichterloh brennen in den Nacht zu Donnerstag zwei Autos in Guben. Zwei weitere werden stark beschädigt. Für die Gubener Feuerwehr ist es nun schon die dritte Nacht in Folge, in der sie ausrücken muss. Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe gebildet, um den mutmaßlichen Serienbrandstifter möglichst schnell zu stoppen.

Jede Menge Löschschaum ist auch noch am Donnerstagmittag auf dem Lidl-Parkplatz in der Karl-Marx-Straße zu sehen. Immer wieder bleiben Passanten stehen und machen Fotos. Die Brandserie ist Stadtgespräch. Viele Gubener sind erschüttert und verärgert, dass noch kein Tatverdächtiger ermittelt ist.

Fassungslos ist auch Andreas Müller, dessen Audi jetzt nur noch ein Haufen Schrott ist. Vom Feuerwehreinsatz selbst hat er gar nichts mitbekommen, wie er erzählt. Erst durch das Klingeln seines Nachbars wurde er geweckt. Tobias Laurisch ist Feuerwehrmann und wollte zum Einsatz fahren. Vor der Haustür musste er allerdings feststellen, dass sein eigener Mittelklassenwagen in Flammen steht.

Wieder Brandserie in Guben FOTO:

Noch immer den Tränen nahe ist eine weitere Hausbewohnerin, deren Kleinwagen durch die große Hitze stark beschädigt wurde. Das Kunststoffmaterial am rechten Kotflügel und am Außenspiegel ist regelrecht weggeschmort. Eigentlich hatte sie einen Ausflug geplant. Nun muss sie sich stattdessen um den Abschleppdienst und die Versicherung kümmern. „Und das alles jetzt kurz vor Weihnachten“, sagt Andreas Müller.

Der Brand um 4.40 Uhr war in weniger als einer Stunde gelöscht, wie Wehrführer Rico Nowka informiert. Allerdings setzen die vielen nächtlichen Einsätze den Feuerwehrkameraden zu. Bis zu zwölf Mann sind nötig, um Tanklösch-, Lösch- und Einsatzfahrzeug zu besetzen. 85 aktive Kameraden hat die Freiwillige Feuerwehr in Guben. Da die Alarmierung einsatzortbezogen erfolgt, sind es aber häufig immer dieselben, die ausrücken.

So hat selbst der Wehrführer den Alarm für den Einsatz in der Nacht zu Mittwoch übergehört, wie er erzählt. Da stand eine Gartenlaube in Flammen. Rico Nowka schlief allerdings tief und fest, weil er noch vom Einsatz am Dienstag geschafft war. Da hatte er geholfen, die brennende Turnhalle der ehemaligen Pieckschule zu löschen.

„Der fehlende Schlaf geht an die Substanz“, sagt der Wehrleiter. Vor allem auch, weil Guben keine Berufsfeuerwehr hat und die Mitglieder tagsüber in ihren regulären Jobs arbeiten müssen. „Nur die wenigsten werden vom Arbeitgeber freigestellt“, betont Nowka.

Die Stadtverwaltung Guben bittet nach drei Bränden in dieser Woche - die Polizei geht von Brandstiftung aus - darum wachsam zu sein, und alles, was zur Aufklärung beitragen kann, der Polizei zu melden. Zudem appelliert der amtierende Bürgermeister an den Täter, Verantwortung zu übernehmen und sich zu stellen.
Die Stadtverwaltung Guben bittet nach drei Bränden in dieser Woche - die Polizei geht von Brandstiftung aus - darum wachsam zu sein, und alles, was zur Aufklärung beitragen kann, der Polizei zu melden. Zudem appelliert der amtierende Bürgermeister an den Täter, Verantwortung zu übernehmen und sich zu stellen. FOTO: Screenshot / Stadt Guben

Rund 30 ungeklärte Brände hat es seit Juli 2017 in der Neißestadt gegeben. Zunächst waren es Mülltonnen, die angezündet wurden. Später standen aber auch immer wieder Autos in Flammen und leer stehende Immobilien. Mittlerweile schließt selbst die Polizei nicht mehr aus, dass es sich um eine Brandserie handeln könnte. Eine Ermittlungsgruppe wurde gebildet.

Die Funktionsweise ist ähnlich einer Sonderkommission (Soko), die allerdings noch höher angebunden und auf Schwerstkriminalitätsdelikte beschränkt ist, wie Polizeipressesprecher Stephan Meyer erklärt. Ein Team von Kriminalisten beschäftigt sich intensiv mit den Brandfällen in Guben. Für die Polizei habe das „Priorität“. „Wir wollen schnellstmöglich einen Erfolg, denn mit jedem weiteren Brand wächst die Unruhe in der Bevölkerung“, sagt Meyer.

Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro ruft alle Bürger auf, „wachsam zu sein“. Jeder noch so kleine Hinweis, der zur Ergreifung des Brandstifters führen könne, soll der Polizei oder dem Ordnungsamt gemeldet werden. An den oder die Täter appelliert er, „keine Straftaten mehr zu begehen und sich zu stellen“. Das Rathaus steht eigenen Angaben zufolge im ständigen Austausch mit den Ermittlungsbehörden und vertraut auf die zügige Untersuchung der nun gegründeten Ermittlungsgruppe.