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Schenkendöbern
Australische Forscher in Kerkwitz

Australische Forscher waren am Sonntag zu Gast in der Gemeinde Schenkendöbern. Ihr Projekt wurde vom australischen Forschungsrat vor Kurzem um drei weitere Jahre verlängert.
Australische Forscher waren am Sonntag zu Gast in der Gemeinde Schenkendöbern. Ihr Projekt wurde vom australischen Forschungsrat vor Kurzem um drei weitere Jahre verlängert. FOTO: Ute Richter
Schenkendöbern. Wissenschaftler interessieren sich für die Formen des Widerstands gegen Kohleabbau.

Besuch aus Australien hatte am Sonntag Ortsvorsteher Roland Lehmann aus Kerkwitz. Forscher der Technischen Universität Sydney und der Universität Sydney befassen sich im Rahmen eines Workshops am Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam mit den Formen von Widerstand gegen Kohletagebaue in Indien, Australien und Deutschland. Dabei gehen sie auch den Fragen nach den Aussichten für eine globale Energiewende und nach einer Energiedemokratie nach. Deshalb interessierten sie sich  auch für Kerkwitz. Sie besuchten gemeinsam mit Roland Lehmann und Andreas Stahlberg, in der Gemeinde Schenkendöbern zuständig für bergbaubedingte Aufgaben, den Aussichtspunkt am Tagebaurand in Grießen sowie  Taubendorf. Dort spüren die Menschen seit Jahren die Auswirkungen durch den Tagebau, sei es an Rissen an den Häusern oder der Absenkung der Straße Taubendorf-Kerkwitz.

Beim Erfahrungsaustausch betonten die Wissenschaftler, wie wichtig es ihnen ist, dass sie den Abbau der Braunkohle sowie dessen Auswirkungen vor Ort in Deutschland erleben. Es sei wichtig mal zu sehen, was man bislang meist nur aus der wissenschaftlichen Betrachtung und dem Diskurs kenne, waren sich die Forscher einig. Monika Schulz-Höpfner bedankte sich bei den Besuchern über das Interesse der Australier. „Wenn es nicht Menschen wie euch gegeben hätte und gibt, dann wären wir nie gehört worden“, sagte sie. Sie hält den Besuch der Delegation auch vor dem Hintergrund der derzeitig laufenden Verhandlungen zur Regierungsbildung für äußerst wichtig. „Unsere Region ist mittlerweile ein Vorbild und Motivation für viele andere Orte, die immer noch gegen die Kohle kämpfen“, erklärt sie. Das bestätigten auch die Australier, die allergrößten Respekt vor diesem über Jahre dauernden Kampf der Schenkendöbern haben. Erinnert wurde am Sonntag noch einmal an das Jahr 2014 – an die Menschenkette bei Groß Gastrose, an der 27 Nationen aus Europa, Mexiko und Australien teilnahmen.

Doch es ging auch darum, zu vergleichen, wie hier und wie in anderen Regionen der Welt mit dem Klimawandel umgegangen wird. „Gefragt sind jetzt wirtschaftliche Anstrengungen in Hinsicht auf Wirtschaftszweige, die eine Folgebeschäftigung für die Menschen und die Regionen schaffen“, so Schulz-Höpfner.

Die Forscher erzählten, dass man in Australien Deutschland als Modell bei Erneuerbaren Energien sehe. Doch trotz der Unrentabilität der über 40 Jahre alten Kohlekraftwerke werde vermutlich weiter darin investiert. Denn anders als Deutschland exportiere Australien 85 Prozent der Kohle. In Australien gehe es nicht um Erhalt von Dörfern, denn aufgrund der Weite des Landes sind die zumeist nicht in Gefahr. Da gehe es tatsächlich vorrangig um den Klimawandel.

Auf die Frage, was jetzt hier vor Ort nach der Bekanntgabe der Einstellung der Abbaggerungspläne der drei Orte Kerkwitz, Atterwasch und Grabko zu tun sei, antwortete Monika Schulz-Höpfner: „Wir müssen uns weiter einmischen, um unsere Zukunft mitzugestalten. Und wir müssen die unterstützen, die noch gefährdet sind. Wir sind optimistisch, aber wir bleiben vorsichtig.“ Roland Lehmann bedankte sich bei den Forschern für ihr Interesse, für ihre Unterstützung in den letzten Jahren und für die Zusage, auch in Zukunft weiter Kontakt halten. Denn ein Folgeprojekt in Australien sei vor kurzem genehmigt worden.