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| 14:48 Uhr

Guben
Für Kaminkehrer Zylinder, Homburger für Diplomaten

Bei der Ausstellungseröffnung in Guben werden auch Hutmoden präsentiert.
Bei der Ausstellungseröffnung in Guben werden auch Hutmoden präsentiert. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Im Gubener Stadt- und Industriemuseum lebt die goldene Zeit der Kopfbedeckungen noch einmal auf. Es gibt Fotos und Mitmachangebote für Besucher.

„Die Auswahl ist immens, die die Menschen auf dem Kopf getragen haben“, sagt Susann Hellemann vom Archiv historische Alltagsfotografie Kleinmachnow. Fast schon bedauernd verweist sie auf das abrupte Ende der Ära der Kopfbedeckungen in den 1960er-Jahren. „Heute werden nur noch aus praktischen Gründen Mütze oder Basecape getragen“, sagt sie. In der neu eröffneten Sonderausstellung im Stadt- und Industriemuseum in Guben sollen „Glockenhut, Schiebermütze, Filzkappe & Co.“  (so der Titel) noch einmal ins Rampenlicht gerückt werden.

Für diese „Neuproduktion“, so Hellemann, habe sie gemeinsam mit Lothar Binger das private Archiv mit rund 100 000 Fotos durchforstet.  Gezeigt werden in der Ausstellung die Kopfbedeckungen von Männern, Kindern und Frauen aus dem Zeitraum von 1860 bis 1970. Ausgestellt werden nicht die Originalbilder, sondern vergrößerte Reproduktionen. Damit man die Hutkreationen besser sehen kann, erklärt sie.

Die Aufnahmen sind in Fotoateliers, aber ab den 1920er-Jahren auch als Werke der ersten Amateurfotografen entstanden. Es seien „nicht gestellte Fotografien von Mannequins“, erklärt Hellemann. Vielmehr werden bei den Schnappschüssen die Menschen gezeigt, wie sie sich zur damaligen Zeit gekleidet haben und was der „gesellschaftlichen Etikette“ entsprach.

„Ohne Hut, Stock, Schirm und Handschuhe“ sei niemand aus dem Haus gegangen, berichtet Hellemann. Der Hut war „Symbol für den gesellschaftlichen Rang“, zeigte den Berufsstand und die Vormachtstellung des Mannes, wie der Spruch „Ein Hut ist mehr als 100 Hauben“ verdeutliche.  Schornsteinfeger trugen Zylinder, Köche weiße Mützen und auch Soldaten und Staatsbedienstete hatten entsprechende Kopfbedeckungen.

„Der Zylinder avancierte 1805 zur beliebtesten Kopfbedeckung“, erzählt Museumsmitarbeiterin Carolin Tilch im Rahmen einer kleinen Hutmodenschau bei der Vernissage. Die Hochzeit der Biedermeierhauben lag zwischen 1830 und 1860. Der Schlapphut war in den 1970er-Jahren groß in Mode. Den Homburger setzten sich vor allem Diplomaten und Politiker auf den Kopf. Napoleon war der wohl bekannteste Zweispitz-Träger. Aus Guben nicht wegzudenken sind der Wollfilz- und der Vigu-Hut. Letzterer wurde 1960 aus haltbarem PVC entwickelt und war ein „Exportschlager“, so Tilch.

Ergänzt wird die Ausstellung durch kreative Mitmachangebote, die beim Publikum immer sehr beliebt sind, betont Museumsleiterin Heike Rochlitz.

Zu sehen ist die Schau noch bis zum 9. Oktober.  Das Museum ist dienstags bis freitags von 12 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.