Seit vielen Jahren gibt Wirtin Doreen Noack Hobby- und Nachwuchskünstlern die Möglichkeit, ihre Werke in der „Karpfenschänke“ am Pinnower See auszustellen. Meist wechseln die Ausstellungen im Gastraum im halbjährlichen Takt. Zuletzt hatte Rosemarie Karge aus Jänschwalde dort ihre Bilder gezeigt. Sie ist Mitglied bei den Peitzer Landmalern und im Peitzer Fotoclub, die als Gruppe ebenfalls schon am See ausgestellt haben.
Nun, nachdem die Corona-Lockerungen auch im Gastgewerbe angekommen sind, gibt es eine neue Ausstellung am See. Hans Müller aus Peitz, der ebenfalls Mitglied der Peitzer Landmaler ist, zeigt einen bunten Mix seiner Arbeiten. Der 1952 geborene Autodidakt hat schon frühzeitig das Malen für sich entdeckt. Bereits als Kind fand er Interesse an der grafischen Gestaltung. Grundkenntnisse erwarb Müller unter der Leitung des Leipziger Künstlers Rolf Blume fast zehn Jahre lang in einem Mal- und Zeichenzirkel. Während seiner Ausbildung und seiner beruflichen Karriere reduzierten sich seine künstlerischen Aktivitäten. Erst mit dem Ende des aktiven Berufslebens im Jahr 2011 erinnerte er sich an seine Leidenschaft aus Kindertagen und beschloss, diese wieder neu zu beleben.

Cottbus

Erste zaghafte Versuche

Nach dem Ausprobieren verschiedenster Techniken widmete er sich der Aquarellmalerei. Nach den ersten zaghaften und vergeblichen Versuchen, mit Pinsel, Wasser und Farbe ein akzeptables Ergebnis zu erzielen, wurde ihm klar: „Ich brauche professionelle Hilfe. Mit dieser Erkenntnis begann ich 2011 meine intensiven und langjährigen Studien, Seminare und Kurse, um die Kunst der Aquarellmalerei zu erlernen“, so Müller.
Der erste Volkshochschulkurs unter der Leitung von Manfred Ewersbach aus Guben war für den Hobbykünstler noch frustrierend. Nur fleißiges Üben, das stetige Dranbleiben und Weiterentwickeln brachten Erfolg. Von Grund auf erlernte Hans Müller das „Handwerk“, wie er es selber nennt. Es folgten viele Semester an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus mit Intensivkursen bei namhaften Künstlern wie Kristina Jurik aus Nürnberg. „Sie ist echt eine andere Liga. Sie gab mir Tipps und Tricks, die ich bis heute berücksichtige“, schwärmt Müller von dieser Zeit.
Doch Müller ist nicht nur ein autodidaktischer Künstler, sondern auch leidenschaftlicher Fotograf und Gartenfreund. Vielleicht malt er deshalb gern Blumen. Aber auch tolle Landschaftsbilder sind am Pinnower See zu sehen. Die Oder-Neiße-Mündung in Ratzdorf stand dafür Modell, genau wie Landschaften im Spreewald.

Den Urlaub noch einmal neu erleben

Nach dem schönsten Ort gefragt, an dem er je gemalt hat, antwortet Hans Müller: „Es ist überall schön. Man muss nur genau hinschauen.“ Deshalb kommt es auch vor, dass er von schönen Fotos aus dem Urlaub später ein Aquarell anfertigt. „So erlebt man den Urlaub noch einmal ganz neu.“
Aber auch an Porträts wagte sich der Hobbymaler. Zwei Exponate hat er mit nach Pinnow gebracht. Frauen in sorbischen Trachten gab er auf seinen Bildern etwas Bleibendes. Aktuell probiert Hans Müller einen neuen Trend aus den USA: das Malen mit Alkoholtinte. „Das ist eine schöne Sache, aber es wird wieder Aquarell werden. Damit kann man einfach viel mehr ausdrücken. Die Möglichkeiten sind fast unerschöpflich.“
Hans Müller weiß heute, dass neben dem Handwerklichen auch hochwertige Materialien wie Pinsel und Papier entscheidend sind für ein gutes Ergebnis. Er ist froh über die Möglichkeit, den Raum am Pinnower See für seine Bilder bekommen zu haben. Und ein paar Werke haben mittlerweile schon ein neues Zuhause gefunden.
Kultur in Corona-Zeiten Online sein oder nicht sein

Cottbus/Senftenberg/Hoyerswerda

Künstler der Region laden zum Besuch ein


Weil in diesem Jahr kein Tag des Offenen Ateliers geplant ist, hat Hans Müller gemeinsam mit zwölf weiteren Künstlern unterschiedlicher Genres die Initiative ergriffen. Sie laden am 5. und 6. September in Cottbus und Umgebung sowie im Landkreis Spree-Neiße Besucher in ihre Gärten ein – alles natürlich unter den gegebenen Bedingungen. Sie lassen sich dann bei der Arbeit über die Schulter schauen und wollen mit ihren Gästen über die geschaffenen Kunstwerke ins Gespräch kommen. Weitere Informationen: www.mueller-aquarelle-und-mehr.de.