Bäume produzieren Sauerstoff und bieten zahlreichen Vögeln und Insekten einen Lebensraum. Gleichzeitig machen sie eine Stadt grün, spenden Schatten, binden Staub und helfen beim Lärmschutz. „Können Sie sich also eine Stadt wie Guben ohne Bäume vorstellen“, fragt Carsten Preuß, Landesvorsitzender vom BUND Brandenburg, zur Eröffnung der Ausstellung „Wert der Bäume“ im Stadt- und Industriemuseum Guben rhetorisch. Fünf Infotafeln sollen in den kommenden drei Wochen Aufklärungsarbeit leisten.  „Das Land Brandenburg ist geprägt durch faszinierende Alleen“, weiß Eva Ostertag vom BUND Brandenburg. Rund 12 000 Kilometer Alleen gibt es hier noch – das sind mehr als die Hälfte der gesamten Alleenkilometer in der Bundesrepublik. „Doch die Alleen sind zunehmend in Gefahr“, erklärt Eva Ostertag. Die Bäume seien meist alt und würden häufig wegen Straßenbaumaßnahmen oder zur Verkehrssicherung gefällt. „Wir setzen uns daher für Nachpflanzungen ein“, so die Expertin.

Der Gubener BUND-Ortsgruppe liegt der Baumschutz besonders am Herzen. „Wir sind auf ihre Initiative hier“, sagt Axel Heinzel-Berndt, Naturschutzreferent beim BUND Brandenburg. „Sie wollte für dieses Thema sensibilisieren, da sie das Gefühl hat, dass es zu viele Ausnahmegenehmigungen bei den Baumfällungen gibt.“ Generell spricht sich Axel Heinzel-Berndt allerdings positiv für den Baumschutz in Guben aus. „In Spree-Neiße ist der Baumschutz über die Baumschutzsatzungverordnung geregelt“, erklärt er. Demnach sind Bäume ab einem Umfang von 60 Zentimetern geschützt.„Eine solche Verordnung hat nicht jeder Landkreis. In Märkisch-Oderland, Oberhavel und der Uckermark gibt es keine Baumschutzverordnung“, so der Experte. „Das ist also positiv zu bewerten.“ Aber Guben geht noch weiter. „Die Stadt hat sich eine eigene Baumschutzsatzung aufgelegt“, sagt Axel Heinzel-Berndt. „Die ist strenger und schützt Bäume bereits ab einem Umfang von 30 Zentimetern.“ Probleme räumt er allerdings generell bei der Kontrolle der Nachpflanzungen ein. Hier würden häufig die Kapazitäten fehlen und auch Verstöße sollten konsequent bestraft werden. Außerdem führe die bestehende Rechtslage dazu, dass ein Baum im Zweifelsfall eher gefällt wird, um spätere Haftungen bei Schäden auszuschließen.

„Theoretisch dürften in der Zeit vom 1. März bis Ende September keine Bäume gefällt werden“, erklärt Axel Heinzel-Berndt weiter. „Das dient dem Schutz der Vogelnester.“ Trotzdem beobachtet der BUND auch nach diesem Stichtag jedes Jahr zahlreiche Fällungen. „Wir wollen die Menschen einfach ein wenig sensibilisieren, und so manche Fällung lässt sich mit dem Wissen aus der Ausstellung vielleicht verhindern“, hofft der Naturschutzreferent.

Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung fand eine Infoveranstaltung statt. Diese nutzte  Naturschützer Uwe Tzscheppan als Podium und verwies auf zahlreichen Fällungen von geschützten Bäumen innerhalb der Vegetationszeit. Er hofft, dass bei der Planung der Erweiterung des Stadtparks Experten berücksichtigt werden. „Die Bürger sollten einbezogen würden“, wünscht sich auch Jürgen Zenner von der Gubener BUND-Ortsgruppe. „Wir sollten die städtischen Flächen für den Erhalt der biologischen Vielfalt nutzen und eine Streuobstwiese anlegen.“