| 18:43 Uhr

Händler
Aus für Gubens Citymanagerin

Auch die Türklingel-Aktion war eine Idee der Citymanagerin Diana Priel (r.). So konnten sich Rollstuhlfahrer bemerkbar machen, weil viele der Geschäfte nur über einen Treppenabsatz erreichbar sind.
Auch die Türklingel-Aktion war eine Idee der Citymanagerin Diana Priel (r.). So konnten sich Rollstuhlfahrer bemerkbar machen, weil viele der Geschäfte nur über einen Treppenabsatz erreichbar sind. FOTO: Halpick
Guben. Bundesförderprogramm läuft 2017 aus. 3,1 Millionen Euro sind in die Innenstadt geflossen. Von Silke Halpick

Das vom Bund aufgelegte Förderprogramm „Aktives Stadtzentrum“ (ASZ) in Guben läuft Ende des Jahres aus. Insgesamt 3,1 Millionen Euro an Fördermitteln sind in den vergangenen acht Jahren in die Innenstadt geflossen. Den Wegfall des Programms werden vor allem die Altstadthändler zu spüren bekommen: Ab 2018 müssen sie ohne Citymanagerin und Verfügungsfonds auskommen.

„Schade, dass das Programm ausläuft“, sagt Diana Priel. Die 34-jährige Citymanagerin hat noch „viele Ideen“, wie sie sagt. „Das Programm war aber von Anfang an als Anschubfinanzierung gedacht und sollte Hilfe zur Selbsthilfe sein“, stellt ihre Chefin Kerstin Geilich klar. Die Geschäftsführerin des Marketing- und Tourismusvereins (MuT) Guben war als Elternzeitvertretung ebenfalls Citymanagerin.

Ziel des Städtebauförderporgramms ist es, die Innenstädte zu beleben. Vom Citymanager wurden beispielsweise die regelmäßigen Händlerberatungen oder der Lange Altstadtsamstag organisiert. Hinzu kamen gezielte Aktionen wie „Ich kaufe hier, weil ...“ oder mehrsprachige Willkommensaufkleber an den Geschäften, um zusätzliche Kundschaft anzulocken. Auch die Türklingel-Aktion war eine Idee von Diana Priel. An den Eingangstüren der Geschäfte wurden Klingeln angebracht, damit sich Menschen mit Rollstuhl oder Kinderwagen bemerkbar machen können. Viele der denkmalgeschützten Häuser sind nur über einen Treppenabsatz erreichbar.

Ab 2018 gibt es keine Gubener Citymanagerin mehr. Diana Priel wird sich dann wieder ausschließlich dem Tourismus widmen. Personalkürzungen schließt Kerstin Geilich aus. Das dreiköpfige MuT-Team, zu dem noch Linda Geilich gehört, soll bestehen bleiben. Der Verein hatte im Jahr 2014 das Citymanagement im Auftrag der Stadt als zusätzliche Aufgabe übernommen. Ursprünglich gehörte der Bereich zur Wirtschaftsförderungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft, die aber den Geschäftsbetrieb einstellte.

Auch der Wegfall des Verfügungsfonds wird die Altstadthändler treffen. Damit konnten bislang zahlreiche Projekte finanziert werden. 50 Prozent zahlten die Akteure selbst in den Topf, 50 Prozent legte der Fördermittelgeber drauf. Genutzt wurde der Fonds unter anderem, um Veranstaltungen zu organisieren und den Zuzug von Mietern beziehungsweise Neuansiedlungen zu fördern.

Für die Händler kommt der Wegfall des Programms zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Anfang 2018 wird die Eröffnung eines großen Einkaufszentrums auf Gubiner Seite erwartet. Viele der Gewerbetreibenden diesseits der Neiße befürchten Umsatzeinbußen. Schon jetzt stehen Ladenlokale entlang der Frankfurter Straße leer.

Der amtierende Bürgermeister Fred Mahro verwies in der Vergangenheit immer wieder darauf, dass „die Händler in der Altstadt deutlich mehr unterstützt werden“ als die übrigen Gewerbetreibenden. Die Stadt Guben hat sich eigenen Angaben zufolge auch um die Aufnahme in ein neues Förderprogramm bemüht. Doch der Antrag wurde vom Landesamt für Bauen und Verkehr abgelehnt. Grund dafür seien die in dem Programm nur begrenzt zur Verfügung stehenden Mittel, heißt es.

Wie es für die Händler in der Gubener Innenstadt ab 2018 weitergeht, ist offen. Mahro hat den Gewerbetreibenden auch weiterhin die Unterstützung der Stadt zugesagt, wie der städtische Pressesprecher Bernhard Schulz erklärt. So sollen kommunale Unternehmen im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Veranstaltungen unterstützen. Die Stadt will bei Bedarf Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Auch die Händlerberatungen könnten wie bisher im Rathaus stattfinden, wenn dies gewünscht wird. „Ein aktives Mitwirken der Händlerschaft ist jedoch unabdingbar“, betont der amtierende Bürgermeister.