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Auf Jobsuche im Nachbarland

Viel los war am Mittwoch in der Alten Färberei in Guben beim deutsch-polnischen Infotag der Arbeitsagentur.
Viel los war am Mittwoch in der Alten Färberei in Guben beim deutsch-polnischen Infotag der Arbeitsagentur. FOTO: Schauff
Spree-Neiße/Cottbus. Rund 6000 Stellen sind im Zuständigkeitsbereich der Arbeitsagentur Cottbus derzeit zu haben. Das sagt Bereichsleiterin Sylvia Sahanic. Daniel Schauff

Regelmäßig seien es rund 3000 Stellen, die "partout" nicht zu besetzen seien - oft wegen der unüblichen Arbeitszeiten zum Beispiel im Pflege- oder Servicebereich.

So sind es auch viele freie Stellen aus diesen beiden Bereichen, die am Mittwochvormittag in der Alten Färberei am Gubener Rathaus an den schwarzen Brettern ausgehängt sind, sortiert nach den Städten Guben, Peitz, Spremberg und Cottbus. Dutzende Interessierte stehen vor den Aushängen, in polnischem Stimmgewirr tauschen sie sich aus, helfen gegenseitig bei der Übersetzung.

Zum zweiten Mal hat die Arbeitsagentur Cottbus vor allem polnische Arbeitssuchende in die deutsche Hälfte der Neißestadt geladen, um den noch offenen Stellen im Zuständigkeitsbereich endlich an den Kragen zu gehen und sie durch polnische Arbeitnehmer zu besetzen. Das Interesse ist groß - allein im vergangenen Jahr hatten rund 120 Polen das Angebot der Arbeitsagentur genutzt - gestern waren bereits zu Beginn des deutsch-polnischen Infotages ähnlich viele Besucher gekommen.

Wie viele Interessierte tatsächlich einen deutschen Job annehmen werden, sei schwer zu sagen, sagt Aleksandra Drückler, Beraterin der Arbeitsagentur für Arbeit und zuständig für die Vermittlung von Arbeitsplätzen über die deutsch-polnische Grenze hinweg. Grund dafür sei vor allem, dass Polen, die in ihrem Heimatland leben und in Deutschland arbeiten, weder bei der deutschen noch der polnischen Arbeitsagentur gemeldet seien. Dennoch: Eine ordentliche Anzahl an polnischen Arbeitskräften sei es, die in Cottbus und Spree-Neiße eine Stelle gefunden hätte.

Hürden seien unter anderem die Versicherungsfragen, ebenso die "Abschlussorientierung" auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Oft seien die polnischen Voraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt anders oder lockerer, sagt Sylvia Sahanic. Entsprechend hatten auch Versicherer ihre Infostände in der Alten Färberei aufgebaut.

Die Hindernisse seien abbaubar, sagt Aleksandra Drückler, meist sogar einigermaßen problemlos. Viel schwerer, sagt die Beraterin, wiege das Sprachproblem. Oft schätzten Polen ihr Deutsch besser ein, als es tatsächlich sei. Zwar brauche man für viele Arbeiten eher die Hände und den Kopf als die Sprache, dennoch verlangten Arbeitgeber in Deutschland in aller Regel ausreichende Deutschkenntnisse. Für Polen mit Wohnort im Nachbarland, sagt die Beraterin, könne die Arbeitsagentur keine Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache anbieten. Dafür aber gebe es entsprechende Kurse zum Beispiel an der Volkshochschule, die die Gäste beim deutsch-polnischen Infotag ebenfalls über die verschiedenen Sprachkurse informierte. Ebenso waren Finanzamt, Handwerkskammer, Gewerkschaftsbund sowie Rentenversicherung mit Ständen vor Ort.

Guben, sagt Sylvia Sahanic, sei ein idealer Ort für einen solchen Infotag allein aufgrund des Charakters der deutsch-polnischen Doppelstadt. Die präsentierte sich ebenfalls den Besuchern, falls der eine oder andere auch an einen Umzug nach Deutschland denkt.

Zum Thema:
Im Europäischen Portal zur Beruflichen Mobilität (Eures) gibt es nicht nur eine grenzunabhängige Jobsuche, sondern auch umfassende Informationen für interessierte Arbeitsuchende rund um die Voraussetzungen fürs Arbeiten in einem anderen Land. Die Arbeitsagentur Cottbus bietet auf ihrer Internetseite ebenfalls Informationen zum Arbeiten in der deutsch-polnischen Grenzregion an. Kontakt zur Eures-Beraterin Aleksandra Drückler gibt es unter Telefon: 03562 956109 ec.europa.eu/eureswww.arbeitsagentur.de