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| 02:36 Uhr

Auch Guben wird zur Lutherstadt

Von Januar bis November stellen elf Veranstaltungen in und um Guben die Reformation in den Fokus.
Von Januar bis November stellen elf Veranstaltungen in und um Guben die Reformation in den Fokus. FOTO: dsf
Guben. Was hat Jazz mit Martin Luther zu tun? Welche Spuren der Reformation sind in Guben zu finden? Und was hat Kerkwitz mit London, Zürich und Rom gemeinsam? Eine Gubener Veranstaltungsreihe liefert 2017 Antworten. Daniel Schauff

"Wir sollen Menschen, nicht Gott sein", sagte Reformator Martin Luther einst. "Ein umwerfendes Wort", findet Pfarrer Stefan Süß, Rektor des Naemi-Wilke-Stifts. Luthers Satz entzaubere die Welt, zeige aber auch, dass jeder Mensch sei - auch über Ländergrenzen hinweg. Luther ist im 500. Jahr der Reformation immer noch aktuell - das machte Süß in seiner Einleitung zur Deutsch-Polnischen Neujahrsbegegnung im Stift deutlich.

Im Lutherjahr 2017 wird die Aktualität der Reformation und der Fragen, mit denen sich Luther im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert beschäftigt hat, auch in der Neißestadt verdeutlicht. Morgen beginnt eine Veranstaltungsreihe des Ökumenischen Stadtkonvents Guben, an der sich die Evangelische Kirchengemeinde, die Gemeinde des Guten Hirten, die Heilsarmee, die Evangelische Freikirchliche Gemeinde und die Römisch-Katholische Sankt-Mariengemeinde beteiligen.

Unter dem Titel "Am Anfang war das Wort", Bibelzitat und Motto des Lutherjahres zugleich, werfen insgesamt elf Veranstaltungen bis Ende November einen Blick auf das, was vor einem halben Jahrhundert in Luthers 95 Thesen nachzulesen war. Der Blick allerdings geht nicht nur in Richtung Vergangenheit, richtet sich vielmehr auch in die Gegenwart und die Zukunft.

Mit einem Luther- und Reformationsvortrag in der Bergkapelle auf dem Jüdischen Friedhof in Guben legt morgen Abend ab 19 Uhr die Kirchenhistorikerin Dorothea Wendebourg den Grundstein fürs Gubener Lutherjahr. Am 15. Februar geht es in einem weiteren Vortrag von Ulrich Seelemann, Ex-Präsident der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, um das Spannungsfeld zwischen Reformation und Politik (19 Uhr, Pfarrhaus Klosterkirche). Mit dem Bezug der Reformation zur Bibel beschäftigt sich am 15. März Matthias Albani, Professor an der Evangelischen Hochschule in Moritzburg (19 Uhr, Friedenskirche).

Ein Fest ist für den 10. und 11. Mai in Kerkwitz angekündigt. Dann wird der Europäische Stationenweg halt im Schenkendöberner Ortsteil machen und mit Inszenierungen und Erzählungen regionale Beziehungen zur Reformation beleuchten. Auf der europaweiten Strecke des Stationenwegs ist Kerkwitz der einzige Stopp in der Lausitz. Weitere Halte gibt es unter anderem in London, Rom und Zürich.

Hans-Jörg Voigt, Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, spricht am 14. Juni über das Gedenken an die Reformation in den vergangenen fünf Jahrhunderten (19 Uhr, Naemi-Wilke-Stift), um die Beziehungen zwischen Reformation und Musik geht es am 17. Juli mit dem Leipziger Sprengelkantor Georg Moritz (19 Uhr, Kirche des Guten Hirten). In Groß Breesen wird am 30. Juli ab 17 Uhr gejazzt - selbst in der modernen Musik gibt es Verbindungen zu Luther, wird Kirchen- und Jazzmusiker Christian Grosch in der Dorfkirche beweisen. Ulrich Lille, Präsident der Diakonie Deutschland, ist am 27. September im Wilkestift und spricht über die soziale Seite der Reformation (19 Uhr).

Am 8. Oktober kündigt der Regionalchor des Kirchenkreises Cottbus ein Konzert zum Lutherjahr in der Gubener Klosterkirche unter Leitung von Peter Wingrich an (16 Uhr). Zehn Tage später spricht Mathias Berndt, Gubener Ex-Pfarrer, in der Fabrik über die Schnittstellen der Reformation und der Neißestadt (19 Uhr). Den Abschluss der Reihe gestaltet Ex-Bischof Wolfgang Huber am 22. November mit dem Vortrag "Reformation und Freiheit" (19 Uhr, Alte Färberei).

Auch wenn Guben keine Stätte der Reformation sei, wie Süß betont, mit der Veranstaltungsreihe wird die Region 2017 dafür eine Stätte des Lutherjahres.