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Arbeitsplatz mit Aussicht

Viel schöner kann ein arbeitsreicher Tag kaum starten: Pilot Marcel Snel steuert den Helikopter über die Neiße.
Viel schöner kann ein arbeitsreicher Tag kaum starten: Pilot Marcel Snel steuert den Helikopter über die Neiße. FOTO: Daniel Schauff
Guben/Schenkendöbern. Ja, es ist Arbeit. Viel sogar. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen, wenn der Arbeitstag mit der schönstmöglichen Aussicht auf Guben beginnt. Daniel Schauff

Deulowitz Gewerbegebiet: Es hat nicht lange gedauert, bis Pilot Marcel Snel einen geeigneten Landeplatz gefunden hat. "Wir stehen hinter Hoffmann Möbel", sagt der Projektverantwortliche Frank Müller am Telefon. Im Hintergrund lärmen noch die Hubschrauber-Rotoren. Ein paar Minuten später geht's wieder in die Luft - diesmal mit LR-Reporter an Bord. "Wenn dir schlecht wird, sag' schnell bescheid", sagt Pilot Snel in tiefen niederländischem Akzent. Er wird für Leitungsflüge in der gesamten Nordhälfte von Deutschland eingesetzt, sagt er. Auch in Guben, wo der Stromnetzbetreiber Mitnetz regelmäßig die Hochspannungsleitungen und Masten aus der Luft kontrolliert. 5921 Kilometer dieser Leitungen gibt es im Netzgebiet, dazu kommen 23 824 Kilometer Mittelspannungs- und 43 934 Niederspannungsleitungen, die zusammen rund 2,3 Millionen Einwohner in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt mit Strom versorgen.

Einmal im Jahr müssen die Hochspannungsleitungen und -masten kontrolliert werden. Sechs Stunden pro Tag sind Pilot und zwei Mitnetz-Mitarbeiter täglich dafür in der Luft. Gerade einmal 20 Meter über dem Boden bewegt sich der Hubschrauber bei den Kontrollflügen entlang der Leitungen. Manchmal, erklärt Marcel Snel, muss er auch abdrehen, um Vögel auf den Strommasten oder Pferde auf der Wiese nicht aufzuscheuchen.

Während Frank Müller vom Vordersitz ansagt, ob Schäden an Leitungen oder Masten zu erkennen sind, notiert ein Kollege alles akribisch auf dem Rücksitz des Helikopters. Ausgewertet wird später.

Routine-Arbeit für die Mitnetz-Mitarbeiter und den Piloten - trotzdem: Den einen oder anderen Blick auf die Neißestadt können auch sie nicht lassen. Schließlich haben Müller und Snel an diesem Tag den schönsten Arbeitsplatz der Neißestadt. Der LR-Reporter steigt nach 30 Minuten wieder aus. Schlecht ist ihm übrigens nicht geworden.