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Apfelkönigs-Posse in Guben: Entschieden ist noch nichts

Marko Steidel (r.) will die Apfelkönig-Krone, auch wenn sein Antrag auf eine einstweilige Verfügung gescheitert ist.
Marko Steidel (r.) will die Apfelkönig-Krone, auch wenn sein Antrag auf eine einstweilige Verfügung gescheitert ist. FOTO: utr1
Guben. Trotz der Ablehnung einer einstweiligen Verfügung will sich Marko Steidel weiter auf den Apfelthron in der Neißestadt klagen. Daniel Schauff

Die Meldung aus den Nachrichten verbreitete sich in den Gubener Gruppen im Internet ziemlich schnell: Die Klage von Marko Steidel, der beim letzten Appelfest bei der Wahl zur Gubener Apfelmajestät unterlag, sei vor dem Amtsgericht Cottbus gescheitert. 20 000 Euro Schadensgeld will Steidel, ebenso die Zulassung zur anstehenden Majestätenwahl im Spätsommer. Der ausrichtende Marketing- und Tourismusverein Guben (MUT) hatte in seinem Aufruf zur Wahl Personen ausgeschlossen, die juristisch gegen den Veranstalter vorgehen. Steidel stellte einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung beim Amtsgericht.

Der Antrag ist allerdings verworfen. Das bestätigt ein Sprecher des Gerichts auf Nachfrage. Das aber heißt keineswegs, dass der Majestätenstreit nun endlich beigelegt ist. Steidels Klage liegt dem Gericht nach wie vor vor. Sie ruht allerdings, wie Gerichtsdirektor Michael Höhr erklärt. Der Grund: Die notwendigen Gerichtskosten, die der Kläger zu entrichten hat, seien noch nicht gezahlt. Die liegen bei einem Streitwert von 20 000 Euro verschiedenen Berechnungsportalen zufolge bei rund 1000 Euro. Die könnte ein Kläger per Prozesskostenhilfe begleichen lassen, allerdings nur dann, wenn es eine Aussicht auf Erfolg der Klage gibt und der Prozess nicht mutwillig erscheint. So sieht es das Bundesjustizministerium vor.

Marko Steidel kündigt allerdings an, die Gebühren kurzfristig einzahlen zu können, sodass die Klage wohl zum Verfahren führen wird. Das wiederum wird ans Landgericht weitergegeben, erläutert Michael Höhr. Grund ist die Höhe des Streitwertes. Bei fünfstelligen Summen geht der Fall an eine dem Amtsgericht übergeordnete Instanz.

Selbst wenn Marko Steidel nach dem Verfahren zur Wahl zugelassen werden müsste, bleibt eine Teilnahme an der diesjährigen Majestätenwahl in Guben unwahrscheinlich. Bis zur zweiten Septemberwoche müsste das Gerichtsverfahren abgeschlossen sein. Möglich sei das, heißt es vonseiten des Gerichts. Wahrscheinlich aber sei ein derart schnelles Ende des Prozesses nicht.

Marko Steidel sieht es gelassen - kommt er beim diesjährigen Appelfest nicht zum Zuge, werde er sich im nächsten Jahr bewerben, kündigt er gegenüber der RUNDSCHAU an.

Es sei denn, der MUT bekommt vor Gericht recht und darf Steidel auch künftig von der Wahl zum Apfelkönig oder zur Apfelkönigin ausschließen. Rechtsanwalt Klaus-Dieter Fuhrmann, der den Gubener Verein in diesem Rechtsstreit vertritt, hatte bereits im Mai gegenüber der RUNDSCHAU erklärt, dass der MUT als Veranstalter des Appelfestes auch bestimmen könne, wer nicht daran teilnehmen dürfe, und beruft sich aufs Hausrecht. Andere Juristen sind vorsichtiger und stellen infrage, dass es sich beim Appelfest und bei der Wahl der Repräsentationsfigur Gubens tatsächlich um eine rein private Veranstaltung handelt.

Der Ausgang im Gubener Majestätenstreit bleibt also ungewiss - gewiss allerdings ist, dass viele Gubener auf ein schnelles Ende hoffen, damit auch die "Provinzposse" bald ein Ende hat, wie es der amtierende Bürgermeister Fred Mahro nach Bekanntwerden der jüngsten Klage Steidels formulierte.

Zum Thema:
Der Streit rund um die Wahl zum Apfelkönig/zur Apfelkönigin hat auch beim MUT für Sorge ums Image der Symbolfigur Gubens gesorgt. Trotz der langwierigen Diskussion um Steidel und seine Forderungen an den MUT haben sich in diesem Jahr aktuell zwei Kandidaten gemeldet, die künftig Guben und Schenkendöbern repräsentieren wollen. Beworben haben sich Lydia Günther, 33-jährige Sozialarbeiterin, und Steffen Heese, 57-jähriger Hausmeister und Maurer. Das mittlerweile 27. Gubener Appelfest findet am 9. und 10. September statt.