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| 17:44 Uhr

Weihnachten
Apfelkönigin trifft Santa Claus

Die Apfelkönigin Lydia Günther packt in der Touristinformation Geschenke ein. Weihnachten feiert sie deutsch-kanadisch.
Die Apfelkönigin Lydia Günther packt in der Touristinformation Geschenke ein. Weihnachten feiert sie deutsch-kanadisch. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Lydia Günther feiert Weihnachten ganz in deutsch-kanadischer Tradition. Von Silke Halpick

Von Silke Halpick

Mit besinnlichen Weihnachten rechnet die Gubener Apfelkönigin Lydia Günther Heiligabend nicht. Kein Wunder: Der Terminplan der gekrönten Majestät ist knackevoll. Vermutlich erst am späten Abend wird Zeit fürs Private bleiben. Dann freut sich die gebürtige Kanadierin auf die traditionelle Portion Kartoffelsalat mit Würstchen. „Das ist der deutsche Teil meiner Weihnacht“, erzählt sie. Ihre Augen leuchten verschmitzt.

Es muss wohl auch ihr strahlendes Lächeln sein, das die Gubener verzaubert hat. Anders ist ihre steile Karriere nicht zu erklären: Lydia Günther lebt erst seit rund 15 Monaten an der Neiße und ist schon Königin, zumindest eine Gubener Apfelkönigin. Der Sieg bei der Wahl im September kam für die 34-Jährige selbst überraschend, der ehrenamtliche Job macht ihr Spaß, sagt sie.

„Jeder hat ja sein Leben. Doch in der Rolle der Apfelkönigin kommt man aus dem Alltag heraus und lernt völlig Neues kennen“, erzählt sie. Mit Charme und Bravour hat sie bereits erste Auftritte wie bei Ausstellungseröffnungen, in Seniorenheimen oder beim Stollenanschnitt auf dem Gubener Weihnachtsmarkt gemeistert. Auch das Einpacken von Geschenken in der Touristinformation gehört zu den alljährlichen Pflichttermine einer Apfelkönigin. „Hilfe, wie pack’ ich das denn ein?“, fragt sie. Zwei Minuten später steht die Flasche mit Wein aus Grano schön dekoriert auf dem Tisch.

Im echten Leben arbeitet die studierte Sozialpädagogin bei der Heilsarmee. Dieser Job war auch ihr Türöffner nach Deutschland. „Ich spreche zwar viel besser deutsch als meine Schwester, aber nur sie hat den deutschen Pass“, erzählt Günther schmunzelnd. Die Mutter der beiden ist Kanadierin, der Vater Deutscher. Geboren wurde Lydia Günther in Kanada. Einen Großteil der Kindheit und Jugend verbrachte sie in Deutschland. Studiert hat sie allerdings wieder in Nordamerika.

Im Gegensatz zur hiesigen Weihnachtstradition kommt in Kanada der Weihnachtsmann erst am 25. Dezember. „Wir haben am Abend davor immer unsere Christmas-Stockings, also die langen Strümpfe, aufgehängt“, erzählt sie. Santa Claus kam nachts durch den Kamin, brachte die Geschenke und durfte keinesfalls gesehen werden. „Wer ihn erblickt, bekommt nichts“, erinnert sich die Apfelkönigin an die Warnung der Eltern. Morgens ab 5 Uhr war Bescherung.

Als klassischer Festtagsbraten steht in Kanada eine gefüllte Pute auf dem Tisch. Statt Klößen wird Kartoffelbrei, statt Rotkohl Gemüseauflauf aus Bohnen, Brokkoli oder Blumenkohl serviert. „Das werden wir auch am ersten Feiertag so machen“, erzählt sie. Ihre Familie wird Lydia Günther allerdings nicht besuchen. Sie bleibt in Guben.

In ihren Händen liegt die Verantwortung für das Krippenspiel der Heilsarmee. „Ich bin Regisseurin und Souffleuse gleichermaßen“, erklärt sie. Drei Räuber wollen den Stern von Bethlehem stehlen und viel Geld von den Heiligen drei Königen erpressen. „Das klappt natürlich nicht“, sagt Günther. Das 15-minütige Stück wird Heiligabend beim Weihnachtsbrunch der Heilsarmee in der Zeit von 10 bis 12 Uhr aufgeführt.

Am Abend ist die Apfelkönigin bei der Jugendchristvesper in der Gubener Klosterkirche. Die Junge Gemeinde zeigt ganz traditionell ab 19 Uhr ihr untraditionelles Krippenspiel. In welcher Zeit es diesmal spielt, ist ebenfalls ein alljährlich gut gehütetes Geheimnis. Nur so viel wird verraten: die Hauptfigur ist ein alter Handwerker.