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Apfelkönigin soll vor Gericht

Gubner Apfelkönigin bei der ITB
Gubner Apfelkönigin bei der ITB FOTO: MUT Guben
Guben. So einen Fall hat es in Guben bisher nicht gegeben: Die 22. Apfelkönigin Antonia Lieske soll sich vor Gericht verantworten. Der 20-Jährigen wird vom Gegenkandidaten Marko Steidel Betrug vorgeworfen. Silke Halpick

Steidel fordert ihre Absetzung, den Titel für sich und 5000 Euro Schadenersatz vom Marketing- und Tourismusverein (MuT). Das Amtsgericht Guben bestätigt drei anhängige Zivilverfahren. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht.

Bereits kurz nach der Krönung von Antonia Lieske zur Apfelkönigin im September 2016 hatte der Vorwurf von Marko Steidel hohe Wellen geschlagen. Antonia Lieske habe ihren Wählern verheimlicht, dass sie keinen Führerschein besitzt. Dieser sei jedoch Grundvoraussetzung für die Kandidatur, sagt der Groß Drewitzer. Er kündigt an, "ein Verfahren wegen Untreue, Bestechlichkeit und Betrug im besonders schweren Fall" einleiten zu wollen.

Dem Vorwurf widersprach der Marketing- und Tourismusverein, der das alljährliche Appelfest in der Neißestadt sowie die Wahl organisiert. Die beiden einzigen Voraussetzungen, um Apfelkönigin-, Apfelkönig- oder Apfelkönigspaar-Anwärter zu werden, seien ein Mindestalter von 18 Jahren sowie ein Wohnsitz in Guben oder Schenkendöbern, erklärt MuT-Geschäftsführerin Kerstin Geilich.

Antonia Lieske sei "ausschließlich durch die Stimmen der Festbesucher" in ihr Amt gewählt worden und mit "ihrer freundlichen und offenen Art" eine "würdige Repräsentantin der Region", betont auch der Vereinsvorstand in einer Stellungnahme. Das Verhalten des Wahlverlierers sei "völlig unakzeptabel", heißt es weiter. Seit ihrer Wahl sei die Apfelkönigin "Anfeindungen und Angriffen des unterlegenen Kandidaten" ausgesetzt. So hatte Steidel beispielsweise in einem Brief, der auch der RUNDSCHAU vorliegt, gedroht, dass die Apfelkönigin am 18. November 2016 "ihr Festkleid zum letzten Mal und nur für kurze Zeit präsentieren" werde. An diesem Abend stellte Antonia Lieske ihr Gewand erstmals der Öffentlichkeit vor. Mittlerweile gibt es drei anhängigen Zivilverfahren gegen die Apfelkönigin: zwei Eil- sowie ein Hauptsacheverfahren, wie das Amtsgericht Guben auf Nachfrage bestätigt. "Es geht im Großen und Ganzen darum, dass Frau Lieske nicht zur Apfelkönigin hätte gewählt werden dürfen", erklärt Amtsgerichtsdirektor Michael Höhr. Auch der Auftritt bei der Grünen Woche sollte ihr verboten werden. Dieses Eilverfahren ist inzwischen eingestellt. Beantragt wurden alle drei Verfahren beim Verwaltungsgericht Cottbus. Von dort wurden sie ans Amtsgericht Guben verwiesen. Der erste Verhandlungstermin am 28. Februar fiel aufgrund der Erkrankung des Richters aus. Einen neuen Termin gibt es noch nicht. Die Apfelkönigin sieht der Verhandlung "entspannt" entgegen. "Die ganze Geschichte hat keinen Sinn, ich habe nichts getan", begründet Antonia Lieske. Die Lust am Majestätinnenamt hat sie trotz der "Schikanen" nicht verloren. "Es macht Spaß, Apfelkönigin zu sein", sagt sie. Marko Steidel will sich derzeit nicht äußern.

Keine öffentliche Wahl in anderen Städten

Die Gubener Apfelkönigin wird traditionell von den Besuchern des Appelfestes im September gewählt. Sie ist ein Jahr lang im Amt. 2016 konnten sich erstmals auch Männer und Paare für das Ehrenamt bewerben. Damit wollte der Marketing- und Tourismusverein (MuT) auf die gesunkene Zahl von Bewerberinnen reagieren. Antonia Lieske bekam 1000 von 1250 abgegebenen Stimmen. Ihr einziger Gegenkandidat war Marko Steidel.

In anderen Städten werden die hoheitlichen Repräsentantinnen gar nicht mehr öffentlich gewählt. Wer Forster Rosenkönigin wird, bestimmt seit einigen Jahren eine Jury. Ähnlich ist es bei der Spreenixe in Spremberg. Auch die Peitzer Teichnixe wird vom Fischerfestverein gekürt.