Wie soll sie denn dann heißen, die neue Gubener Symbolfigur: Apfel-Adam, Warraschke-Duo statt Apfelkönigin? Diese Frage überrascht MuT-Geschäftsführerin Kerstin Geileich sichtlich. "Das wissen wir noch nicht", gibt sie zu und zuckt wie zur Bekräftigung mit den Schultern. "Noch nicht", sagt sie lächelnd.

Kein Wunder: Ganz frisch ist auch noch die Entscheidung der Mitglieder des hiesigen Marketing- und Tourismusvereins, zu dem auch die Stadt Guben und die Gemeinde Schenkendöbern gehören. Der Verein organisiert das traditionelle Appelfest Anfang September, in dessen Rahmen auch die Queen gekürt wird. Auf ihrer jüngsten Versammlung haben sich die anwesenden Mitglieder einstimmig dafür ausgesprochen, künftig auch Männer und Paare als Kandidaten zuzulassen.

"Wir wollen uns öffnen", umschreibt es Geilich diplomatisch. Das ist auch dringend nötig: Die Suche nach Bewerberinnen für das repräsentative Amt ist in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden. Viele der infrage kommenden Mädchen und Frauen haben kein Interesse. Die amtierende Majestät Jessica Sroka wurde im Vorjahr lediglich gekürt, weil Konkurrentinnen für eine ordentliche Wahl fehlten.

"Die Wahl ist immer der Höhepunkt des Appelfestes", sagt Geilich. Diese bei Gubenern und Gästen beliebte Tradition soll unbedingt erhalten bleiben. Weiter ausschließlich nur auf Frauen setzen, dass will der MuT nicht mehr. "Auch in Burg gibt es ein Wendenkönigspaar", erzählt Geilich. Auf gleich zehn Originale kommt die Stadt Spremberg. Neben der Spreenixe gibt es hier unter anderem den Nachtwächter Kulke, die Mutter Birnbaum oder die Kupferwichtel. Warum soll das nicht auch in Guben funktionieren?

"Das Paar muss nicht zwangsläufig auch im echten Leben zusammensein", sagt Diana Priel. Die MuT-Mitarbeiterin gehört zum Team, das die Kandidaten im Vorfeld auf die Wahl vorbereitet und während der einjährigen Amtszeit betreut. "Hier wird niemand alleingelassen", betont Geilich. Selbst auf die Vereinbarkeit von Beruf und Ehrenamt werde Rücksicht genommen.

Gubens neuer Repräsentant soll künftig weiter ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Der Marketing- und Tourismusverein will die offizielle Ausschreibung bereits in den nächsten Wochen starten. "Unser Ziel ist es, dass sich die Kandidaten bis Ende Juli bewerben", sagt Geilich. Danach "geht's unters Volk", wie sie betont. Auf Dorffesten in Schenkendöbern, aber auch in Gubener Lokalen sollen sich die Kandidaten vor der Wahl präsentieren.

"Ob die Gubener sich für die klassische Apfelkönigin oder einen Mann oder ein Paar entscheiden, wird die Wahl zeigen", betont Geilich. Sie selbst ist gespannt darauf, wie die Neuerung ankommt. "Wir feiern das Appelfest seit 21 Jahren, ein paar Veränderungen können nicht schaden", sagt sie.

Offen ist derzeit noch die künftige Kleiderordnung. Bisher ließen sich die gewählten Majestätinnen ihre Traumkleider maßschneidern. Die Resultate waren oft schillernd und sehr pompös. "Wir wollen wieder zurück zur Tracht", sagt Geilich. Die typische Gubener Winzertracht besteht aus einem weißen Rock, einem roten Überrock und einer schwarzen Weste.