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| 17:30 Uhr

Guben
Anlage für Müll-Recycling geplant

Über die Pilotanlage der Global EnerTec AG werden aus Müll umweltschonend neue Produkte gewonnen, sagt Betriebsleiter Jürgen Fechner.
Über die Pilotanlage der Global EnerTec AG werden aus Müll umweltschonend neue Produkte gewonnen, sagt Betriebsleiter Jürgen Fechner. FOTO: bes
Guben. Gubener Firma will in Thüringen 65 Millionen Euro investieren und 65 Arbeitsplätze schaffen.

Das Gubener Unternehmen Global Enertec AG betreibt seit fast drei Jahren im Industriegebiet Süd eine Pilotanlage, mit der Altreifen und Müll recycelt werden. Nun soll die erste industrielle Anlage in Thüringen gebaut werden. Das Investitionsvolumen liegt bei 65 Millionen Euro. 65 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Zu den drei möglichen Standorten gehört Obermehler (Unstrut-Heinich-Kreis).

In dem 800-Einwohner-Ort gab es in der vergangenen Woche eine Bürgerversammlung, bei der Jürgen Fechner als Werkleiter von Global Enertec das Projekt vorstellte. Auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflughafens will er künftig Altreifen und Kfz-Recyclingmaterial wie Plastik verarbeiten. Pro Jahr sollen 105 000 Tonnen durch das Depolymerisations-Verfahren wieder in Gas, Öl und Koks umgewandelt werden.

Die Technologie wurde gemeinsam mit dem Cottbuser Labor für Umweltanalytik entwickelt. Dessen Firmengründer Dr. Radwan Matrmawi hat das Verfahren  erforscht und patentieren lassen. Praktisch umgesetzt wurde die Idee im Industriegebiet Süd in Guben. Die Pilot­anlage, die als Referenzobjekt für Investoren dient, läuft seit fast drei Jahren und verarbeitet rund sechs Tonnen Müll pro Tag.

Ein Bild vor Ort hat sich auch Heiko Willfahrt schon gemacht. Der Bürgermeister von Obermehler steht dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber. „Wir haben nichts gefunden, was gefährlich ist“, sagt er gegenüber der RUNDSCHAU. Von der Ansiedlung erhofft er sich Gewerbeeinnahmen, um die leere Gemeindekasse aufzufüllen. Bereits seit 15 Jahren befinde sich Obermehler in der vorläufigen Haushaltsführung und sei auf Bedarfszuweisungen des Landkreises angewiesen, erklärt Willfahrt.

Allerdings gibt es Widerstand in der Bevölkerung. „Das hat sich über Facebook hochgeschaukelt“, vermutet der Bürgermeister. Unterstellt wurde dem Gubener Unternehmen beispielsweise, die Altreifen zu verbrennen. „In Guben sollen schwarze Rauchschwaden durch die Stadt ziehen und alle Häuser schon ganz grau aussehen“, sagt Willfahrt. „Als ich das dem amtierenden Bürgermeister erzählte, hat der schallend gelacht.“

Auch Jürgen Fechner räumt ein, dass der Widerstand in Obermehler bisher am größten sei, man aber noch zwei weitere Standorte in Thüringen in der Hinterhand habe. Konkrete Namen will er nicht nennen. Mitte des Jahres soll die Standortfrage endgültig entschieden sein, kündigt er an.  Danach folgt das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmessionsschutzgesetz samt öffentlicher Auslegung und Bürgeranhörung. Mit Produktionsstart rechnet Fechner frühestens in zwei Jahren.

Das Verfahren der Depolymerisation ist nicht unumstritten. Versuche anderer Unternehmen sind in der Vergangenheit immer wieder an der praktischen Umsetzung gescheitert. Neben der gewünschten Produktion entstand bisher immer auch Teer, der sich im Röhrensystem absetzte. Die gescheiterten Projekte, in die oft hohe staatliche Fördersummen geflossen sind, haben auch dem Ruf der Technologie geschadet, bedauert Fechner. Für ihn steht fest, dass die GlobaTec-Technologie (GTT) funktioniere.

Die Finanzierung der ersten Industrieanlage will das als Aktiengesellschaft organisierte Unternehmen vorwiegend durch private Investoren stemmen. Auch mit der Aufbaubank des Landes Thüringen gebe es „frühe Gespräche“ zu einer möglichen Förderung, wie Pressesprecherin Maret Montavon auf RUNDSCHAU-Nachfrage bestätigt.

Warum baut Global Enertec nicht in Guben die Industrieanlage? Jürgen Fechner sagt: „Was nicht ist, kann ja noch werden.“ Der Standort in der Neißestadt habe momentan den Charakter eines Forschungs- und Entwicklungszentrums für das Unternehmen. „Flächen würden auch hier zur Verfügung stehen“, sagt der amtierende Bürgermeister Fred Mahro.