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| 14:22 Uhr

Fische in Gefahr
Angler fürchten Fischsterben am Kleinsee und erwägen Sperrung

Seit September ist der Wasserstand im Kleinsee um 40 Zentimeter gesunken. Durch die Hitze ist die Wassertemperatur nun in den vergangenen Tagen deutlich angestiegen. Die Angler befürchten ein Fischsterben.
Seit September ist der Wasserstand im Kleinsee um 40 Zentimeter gesunken. Durch die Hitze ist die Wassertemperatur nun in den vergangenen Tagen deutlich angestiegen. Die Angler befürchten ein Fischsterben. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Kleinsee. Untere Naturschutzbehörde hat aufgrund aktueller Messungen keine Bitte erteilt. Die Leag kann deshalb nicht mit einem Notfallplan aktiv werden. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Silvio Krüger ist wütend: „Drei Jahre nach dem Fischsterben im Pastlingsee ist jetzt auch der Kleinsee kurz vorm Kollaps.“ In den vergangenen Wochen und Monaten habe der See massiv an Wasser verloren. „Seit September verzeichnen wir einen Rückgang von 40 Zentimetern beim Wasserspiegel“, erzählt Silvio Krüger. Mittlerweile sei der Kleinsee nur noch zwischen 1,1 und 1,2 Meter tief. „Dadurch steigt die Temperatur im See an.“ Dienstagabend hat der Angelverein Bärenklau Werte zwischen 27 und 28 Grad gemessen. „Ideal wäre es, wenn die Temperatur in einem Meter Tiefe nicht über 24 Grad steigt“, klärt Silvio Krüger auf.

Generell gilt: Je höher die Temperatur, desto größer der Wasserdampfdruck und desto geringer der Anteil von Sauerstoffanteil in Wasser. „Der Sauerstoffgehalt im Kleinsee ist aktuell sehr niedrig“, so Krüger weiter. „Es wird gefährlich und ein massives Fischsterben droht“. Ein solches Horror-Szenario hatte der Verein erst vor drei Jahren am Pastlingsee erlebt: „Damals haben wir Fische im Wert von 50 000 Euro verloren. Von dem Schaden an der Natur ganz zu schweigen.“

Laut Messungen des Anglervereins liegt der Sauerstoffgehalt aktuell in einer Tiefe von 40 Zentimetern bei vier Milligramm pro Liter. „Ab zwei Milligramm pro Liter wird es kritisch für die Fische. Acht Milligramm pro Liter sind normal“, sagt Silvio Krüger. Die Mitglieder des Vereins kontrollieren aktuell zweimal täglich den See nach Anzeichen für ein Fischsterben und messen die Temperatur. „Wir beobachten die Wasseroberfläche“, verrät Silvio Krüger das Vorgehen. „Springen die Fische hoch um nach Luft zu schnappen, schwimmen sie bereits kurz danach mit dem Bauch nach oben an der Oberfläche.“

Am Dienstag hatte die Leag angekündigt, auf Bitten der Behörden mit einem Notfallplan den Kollaps am Kleinsee verhindern zu wollen. Es sollten Pumpen installiert werden und durch die Zirkulation sollte mehr Sauerstoff in das Wasser gelange. Seit Mittwoch stellt sich die Lage für Pressesprecherin Kathi Gerstner allerdings anders da. „Aktuelle Messungen der unteren Naturschutzbehörde zeigen keine Auffälligkeiten“, sagt sie. In 1,2 Metern Wassertiefe habe das Landesumweltamt 7,8 Milligramm pro Liter Sauerstoff gemessen und in 40 Zentimetern Tiefe noch immer 3,9 Milligramm pro Liter. „Den Fischen im See geht es gut. Zum Vergleich: An der Havel liegt der Wert aktuell bei 2 Milligramm pro Liter“. so ihre Einschätzung. „Wir können hier keine Entscheidung treffen, sondern nur auf Bitten der unteren Naturschutzbehörde handeln“, betont die Pressesprecherin. „Für den Fall steht unsere Werksfeuerwehr bereit.“

 Silvio Krüger kann diese Einschätzung nicht fassen: „Wie kann man bei solchen Zahlen sagen, dass alles in Ordnung ist?“ Für die kommenden Tage prophezeit er eine Zuspitzung der Situation. „Das Wasser wird weiter zurückgehen, dadurch steigt die Temperatur weiter und der Sauerstoffgehalt wird weiter sinken“, fürchtet Silvio Krüger. „Nur Wasser ohne Ende kann den See noch retten.“ Er geht davon aus, dass der Kleinsee noch dieses Jahr stirbt. „Und dann heißt es wieder: Warum habt ihr denn nicht eher etwas gesagt?!“

Die Angler am Kleinsee bei Guben schlagen bereits seit längerem Alarm. Vor einem Monat hatten sie aufgrund des drastisch fallenden Wasserstandes und der hohen Wassertemperaturen alle Angler am Kleinsee gebeten, auf den Einsatz von Lock- und Partikelfutter zu verzichten. „Bei den Wassertemperaturen beißen die Fische sowieso nicht“, so Krüger. Das zerfallende Futter würde die Sauerstoffbilanz nur noch weiter nach unten drücken. See und Fische brächten dringend eine Pause. „Aktuell gibt es deswegen die Idee, den See beim Landesangelverband sperren zu lassen“, verrät Silvio Krüger.