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| 17:42 Uhr

Ehrung
Möbelfabrikant als Ehrenbürger

Hier werden die Bezüge für die Polstermöbel genäht. Rund 90 Prozent der Gesamtproduktion geht nach Deutschland.
Hier werden die Bezüge für die Polstermöbel genäht. Rund 90 Prozent der Gesamtproduktion geht nach Deutschland. FOTO: Silke Halpick / LR
Gubin. Andrzej Iwanicki ist größter Arbeitgeber in Gubin und engagiert sich für Vereine. Von Silke Halpick

Der Gubiner Unternehmer Andrzej Iwanicki ist der größte Arbeitgeber in der polnischen Nachbarstadt. In seiner Polstermöbelfabrik direkt neben der ehemaligen Kaserne arbeiten rund 800 Männer und Frauen. Der Großteil  der Garnituren wird nach Deutschland exportiert. Für sein gesellschaftliches Engagement wurde der 59-Jährige nun zum Ehrenbürger der Stadt Gubin ernannt.

Die Nähmaschinen rattern in der großen Produktionshalle. Frauen schneiden anthrazitfarbene Stoffstreifen zu, die anschließend zu Bezügen vernäht werden. In der nächsten Halle tackern Männer Polsterung und Bezüge auf die vorbereiteten Holzgestelle. Nach der Qualitätskontrolle werden die Polstermöbel verpackt und verladen. 15 Lastwagen mit 600 Garnituren an Bord rollen täglich vom Hof. 90 Prozent der Gesamtproduktion werden auf dem deutschen Markt verkauft, wie Iwanicki sagt. Das Unternehmen beliefert beispielsweise den Möbel-Discounter Poco. Gubiner Polstermöbel hat aber auch der Einrichtungspartnerring VME im Programm, dem 200 Mitgliedsunternehmen mit 400 Möbelhäusern in Deutschland angehören.

 1989 hat der gelernte Tischler gemeinsam mit seinem Bruder das Unternehmen gegründet, in dem zunächst Fenster hergestellt wurden. Einige Jahre später stellten sie die Produktion auf Gestelle für Polstermöbel um. Der Betrieb arbeitete damals als Zulieferer für ein niederländisches Unternehmen. Seit Ende der 1990er-Jahre stellt Iwanicki selbst Komplettgarnituren her. Zu seinen Zulieferern gehört unter anderem das Gubener Unternehmen Megaflex Löhr, das den Schaumstoff für die Polster produziert.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg von vier im Gründungsjahr auf heute 800 Menschen. 300 davon sind Frauen.  Das Unternehmen ist der größte Arbeitgeber in Gubin. Im Jahr 2012 schaffte es Andrzej Iwanicki mit seinem Betrieb sogar in die Liste des Wirtschaftsmagazin Forbes als viert-wichtigstes Unternehmen im polnischen Landkreis Lubuskie. Der Umsatz des Familienunternehmens liegt bei 48 Millionen Euro jährlich, wie Iwanicki sagt. Beim diesjährigen Neujahrsempfang wurde der 59-Jährige nun auch zum Ehrenbürger der Stadt Gubin ernannt.

Anlass für diese Auszeichnung sei vor allem das soziale und gesellschaftliche Engagement Iwanickis, wie Gubins Bürgermeister Bartlomiej Bartczack beim Festakt hervorhob. Der Gubiner unterstützt zahlreiche Sportvereine in der Stadt, beispielsweise den Fußballverein MKP Carina sowie die Volleyballer von „Volley Gubin“.

Andrzej Iwanicki ist auch Abgeordneter im Landkreis Lebuskie, gehört aber keiner Partei an und kämpft schon seit Jahren für die Wiedereröffnung des Krankenhauses in Gubin. Für ihn sei es ein „Problem“, dass es in der Stadt kein Hospital gebe. Allerdings seien alle bisherigen Versuche, eine Privatgesellschaft zu gründen, die ein solches Krankenhaus betreibt, gescheitert, räumt er ein. Doch  aufgeben will er nicht.

Als positiv wertet er die Initiative  des Naemi-Wilke-Stiftes in Guben. Das Krankenhaus will künftig auch polnische Patienten behandeln. Allerdings fehlen für eine grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung die dafür nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Dabei geht es auch um die Übernahme von Behandlungskosten. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie sollen jetzt die Möglichkeiten ausgelotet werden. Das Projekt wird mit EU-Fördermitteln finanziert.

Für Andrzej Iwanicki ist Guben-Gubin ohnhin „eine Stadt“ – mit einer gemeinsamen Geschichte und einer gemeinsamen Zukunft. Sein persönlicher Traum: Dass die Doppelstadt eines Tages eine „gemeinsame Regierung“ hat.

Erfolgreicher Geschäftsmann und engagierter Mensch: Andzej Iwanicki.
Erfolgreicher Geschäftsmann und engagierter Mensch: Andzej Iwanicki. FOTO: Silke Halpick