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| 18:01 Uhr

Im Mitgliedertreff der GWG
Am liebsten liest sie auch Texte vom eigenen Vater

Die Gubenerin Petra Lehmann ist ehrenamtliche Vorleserin und hat oft Geschichten und Gedichte ihres Vaters mit dabei.
Die Gubenerin Petra Lehmann ist ehrenamtliche Vorleserin und hat oft Geschichten und Gedichte ihres Vaters mit dabei. FOTO: Ute Richter
Guben. Petra Lehmann hat ihr eigenes Lesecafé in Guben.

„Petras Lesecafé“ heißt  ein Angebot, das es seit diesem Jahr  im Mitgliedertreff der Gubener Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) gibt. Die Gubenerin Petra Lehmann liest in der Einrichtung in der Erich-Weinert-Straße regelmäßig für Menschen, die selbst nicht mehr gut lesen können, wollen oder einfach nur in Geselligkeit zuhören möchten. Geschichten und Gedichte aus der Region sind dabei, andere drehen sich rund um die jeweilige Jahreszeit, um Ostern oder Weihnachten. Etwas ganz Besonderes ist es stets für sie, wenn sie Niedergeschriebenes von ihrem verstorbenen Vater liest. Seine Aufzeichnungen waren und sind für sie etwas Wertvolles und viel zu schade, in der Schublade zu verkümmern.

Gregor Momber kam aus dem Ruhrgebiet und studierte 1947 in Berlin auf Lehramt. Er wohnte nach dem Mauerbau nach einigen Umzügen in Treppeln und war unter anderem Deutschlehrer im Landkreis Oder-Spree.  Steinsdorf und Fünfeichen gehörten beispielsweise  zu seinen pädagogischen Einsatzorten. Schon immer hat er aber auch Geschichten und Gedichte aufgeschrieben. Um seine Heimat, die Kindheit und die Natur drehen sich seine Aufzeichnungen. „Vielleicht war es die Sehnsucht nach seiner Familie im Ruhrgebiet, die für ihn nach dem Mauerbau fast unerreichbar blieb“, erzählt Petra Lehmann. Er brachte seine oftmals sehr persönlichen Eindrücke zu Papier und bei all der Tragik, die dahinter steckt, findet man meist etwas sehr Humorvolles. „Selbst aus tragischen Geschichten machte er noch was positives“, so die Tochter.

„Du mein Treppeln“, „Frühling im Garten“ oder „Das goldene Fass“ zeigen das literarische Talent von Gregor Momber. „Es sind Gedichte und Geschichten mit Seele, Tiefgrund und Witz“, sagt Petra Lehmann stolz. Genau deshalb liest sie diese so gern und genau deshalb finden die Zuhörer gerade diese Geschichten so interessant. „Die Leute kennen die Orte und manchmal auch die Menschen,  von denen diese handeln.“

Doch Gregor Momber war auch ein begnadeter Rhetoriker. „Mit nur wenigen Notizen konnte mein Vater tolle Reden halten“, erinnert sich die Tochter. Deshalb war er auch in Treppeln ein gern gesehener Büttenredner zur Fastnacht. Später war er als weltlicher Trauerredner beschäftigt. Außerdem hat er aktiv an der Erstellung der Chronik von Treppeln mitgearbeitet.

„Ich erinnere mich, dass wir immer gern unserem Vater zugehört haben. Er hat auch für uns, besonders für seine Enkel, einige Geschichten geschrieben“, erzählt Petra Lehmann. Und weil sie ein bisschen was von dem, was ihr Vater Gregor Momber zu Papier gebracht hat, erhalten will, sind seine Geschichten und Gedichte fester Bestandteil ihres Vorleserepertoires in ihrem Lesecafe.

Mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass die Gubenerin immer spannende Geschichten im Gepäck hat. Deshalb ist sie fest im Veranstaltungsplan des Mitgliedertreffs der GWG enthalten. Auch in der Sozialstation der Volkssolidarität ist sie regelmäßig anzutreffen. Sie kann sich auch Lesenachmittage an Schulen oder in Kitas und anderen Begegnungsstätten vorstellen. Der Kontakt ist über Karin Waßmann (Mitgliedertreff der GWG) möglich.

„Ich sehe jedes Mal, was die Besucher für Freude am Vorgetragenen haben. Das macht auch mich froh“, sagt Petra Lehmann, die nach ihrem Rentenantritt nach vielen Berufsjahren als Geschäftsführerin der Volkssolidarität Spree-Neiße mit dem Lesecafé eine erfüllende ehrenamtliche Tätigkeit gefunden hat.