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| 18:19 Uhr

„Gubener Gespräche – Kirche findet Stadt“
Von den verschiedenen Facetten der Freiheit

Wolfgang Huber (r.) referierte über die Bedeutung von Freiheit. Matthias Bärmann und Stefan Süß (l.) bedankten sich mit Granoer Wein.
Wolfgang Huber (r.) referierte über die Bedeutung von Freiheit. Matthias Bärmann und Stefan Süß (l.) bedankten sich mit Granoer Wein. FOTO: Ute Richter
Guben. Altbischof Wolfgang Huber hat am Mittwochabend eine neue Gesprächsreihe in Guben eröffnet. Von Ute Richter

Unter dem Titel „Gubener Gespräche – Kirche findet Stadt“ setzte der ökumenische Stadt-Konvent Guben seine Vortragsreihe aus dem Reformationsjubiläumsjahr am Mittwochabend im Volkshaus unter anderem Namen fort. Den eigentlichen Ausklang zum Jubiläumsjahr der Reformation sollte eine Veranstaltung mit Altbischof Wolfgang Huber bilden. Wegen Krankheit des Theologen musste das im vergangenen Jahr ausfallen und wurde nun nachgeholt. Wenn auch der Veranstaltungszeitpunkt ein anderer war, das Thema blieb wie geplant: „Reformation und Freiheit“ und bildete den Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe.

Mit Bischof Huber kam ein angesehener kirchlicher Würdenträger in die Neißestadt, der einst Berliner Bischof und später Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war. Seit 2009 ist er nicht mehr im Amt und trotzdem präsent geblieben. Im Ruhestand vertrat er bis 2014 die EKD im Deutschen Ethikrat. Bis heute engagiert er sich für seine Kirche, etwa im Domstift zu Brandenburg an der Havel und für das umstrittene Wiederaufbauprojekt der Potsdamer Garnisonkirche. Huber ist Honorarprofessor der Humboldt-Universität Berlin sowie der Universitäten Heidelberg und Stellenbosch (Südafrika). Darüber hinaus hält er Vorträge für Unternehmen und Verbände, wie die Berliner Stiftungsrede oder auch zum 125-jährigen Jubiläum von Hertha BSC.

Am Mittwochabend ging es nicht um Fußball, sondern um Freiheit und wie die Menschen damit umgehen. Werteerhaltung war ein wichtiges Stichwort im Vortrag des Theologen. „Woran denken Sie als Erstes, wenn Sie an Freiheit denken?“, fragte er die Zuhörer. „An den Westen“, rief spontan ein Herr. Das scheint Bischof Huber im Zusammenhang mit Freiheit schon oft gehört zu haben. „Freiheit hat etwas mit Sehnsucht zu tun, mit Sachen, die man nicht hat“, sagte er. Freiheit sei etwas Elementares im Leben. Es gebe die Assoziation zur Bewegungsfreiheit, aber auch Meinungs- und Gewissensfreiheit spielen im Leben eine Rolle. „Freiheit ist nichts Abstraktes. Es ist etwas ganz Alltägliches“, so der Theologe. Sie sei nicht selbstverständlich, sondern gerade gegenwärtig äußerst fraglich geworden. Bischof Huber sieht den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet, deshalb rufen seiner Meinung nach Menschen immer öfter nach Sicherheit. Als Beispiele nannte er Autoraser in Berlin oder auch Mobbingopfer in vielen Bereichen.

Doch wie zentral war das Freiheitsthema in der Reformation? Mit dem Wortspiel „von Luder zum Luther“ wurde der Bogen zur Reformation gespannt. Huber erzählte die Geschichte Luthers und wie aus Martinus Luder Martin Luther wurde. Diese Namensänderung – durch Hinzunahme des griechischen „th“ aus dem Wort „eleutheros“, der Befreite – sei für den großen Reformator eine bewusste Entscheidung zur Namensänderung gewesen.

Doch Freiheit ist auch endlich. Es gibt grundlegende Faktoren, die wir nicht beeinflussen können. Das Auf-die-Welt-kommen und das Von-derWelt-gehen beispielsweise. „Es gibt aber auch Menschen, die sich die Freiheit nehmen, Dinge zu tun, für die sie dann keine Haftung übernehmen“, so Professor Huber. Und weiter sagte er abschließend: „Die Zukunft der Demokratie ist ein unmittelbarer Teil unserer Freiheit.“

Im Anschluss an den Vortrag gab es die Möglichkeit zum Gedankenaustausch. Die nächsten Gubener Gespräche im Rahmen von „Kirche findet Stadt“ finden am 30. Mai zum Thema „Reformation und Frauen“, am 12. September „Religionsfreiheit – ein Grundrecht?!“ und am 21. November „750 Jahre Kloster Neuzelle – das neue Priorat der Zisterzienser im Kloster Neuzelle“ statt.