ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:35 Uhr

Als polnische Frauen zur Arbeit nach Guben pendelten

Brigitte Heinzmann (l.) arbeitete einst im Chemiefaserwerk und berichtete über die gute Zusammenarbeit mit den polnischen Frauen und entstandene Freundschaften. Monika Michta war im Dolmetscherbüro im CFG tätig.
Brigitte Heinzmann (l.) arbeitete einst im Chemiefaserwerk und berichtete über die gute Zusammenarbeit mit den polnischen Frauen und entstandene Freundschaften. Monika Michta war im Dolmetscherbüro im CFG tätig. FOTO: U. Richter/utr1
Guben. Zur Vernissage der Wanderausstellung "50 Jahre Pendlerabkommen" des Vereins Gubener Tuche und Chemiefasern in der Alten Färberei sind am Montag ehemalige Mitarbeiter, Gäste der Euroregion Spree-Neiße-Bober sowie aus Politik und Wirtschaft gekommen. Mit dieser Schau sollen die Leistungen der Frauen, die ab 1966 im Gubener Chemiefaserwerk gearbeitet haben, gewürdigt werden. Ute Richter / utr1

"Am 22. Februar 1966 wurde im ehemaligen VEB Chemiefaserwerk (CFG) in Wilhelm-Pieck-Stadt Guben durch den Vorsitzenden des Rates des Bezirkes Cottbus und den Vorsitzenden des Präsidiums des Wojewodschaftsrates Zielona Gora eine Vereinbarung über die Beschäftigung von polnischen Werktätigen unterzeichnet und abgeschlossen", so Diethelm Pagel in seiner Eröffnungsrede. Später wurde diese Vereinbarung mundartlich nur noch als Pendlerabkommen bezeichnet - die Frauen aus Polen pendelten täglich zwischen Wohnsitz und Arbeitsort.

Gleiche Arbeitsbedingungen

100 polnische Frauen nahmen Mitte März 1966 ihre Tätigkeit im CFG auf. Der Einsatz erfolgte zunächst in den Abteilungen Nachzwirnerei und Konerei des Dederon-Feinseidenbetriebes zu den Bedingungen, wie sie für die deutschen Arbeitskräfte galten. Das betraf Qualifizierung, Arbeitszeit, Entlohnung sowie die soziale und kulturelle Betreuung.

Das tägliche Pendeln passierte im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs. Dass dieser etwas Besonderes war, kam auch in Zeitzeugenberichten bei der Ausstellungseröffnung immer wieder zur Sprache. Viele sind sich sicher, dass das der Beginn der guten nachbarschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen war und nicht erst eine Erfindung der Nachwendezeit ist. Deshalb war es dem Verein Gubener Tuche und Chemiefasern auch so wichtig, diese damals schon gelungene Fusion in Bildern und Dokumenten festzuhalten. Auf zehn Tafeln und in drei Vitrinen sind Plakate, die Vereinbarung sowie Bilder, Urkunden und Dokumente der Entwicklung des CFG in deutscher und polnischer Schrift zu sehen.

Über die Euroregion Spree-Neiße-Bober wurde die Exposition gefördert. Sie entstand als Projekt in Zusammenarbeit des Vereins Gubener Tuche und Chemiefasern mit den "Freunden des Gubiner Landes" sowie dem Frauenverein "Nysa". Sie wird auch in Orten gezeigt, aus denen die polnischen Frauen einst zur Arbeit nach Guben kamen. "Viele sind heute nicht mehr so mobil, deshalb gehen wir zu ihnen", so Diethelm Pagel.

Er lobte ausdrücklich die hervorragende Arbeit von Monika Michta, die einst im Dolmetscherbüro im CFG tätig und maßgeblich an dieser Wanderausstellung beteiligt war. Große Unterstützung gab es auch von den Bürgermeistern der Städte Guben, Gubin, Jasien, Lubsko, Krosno und Brody sowie den Direktoren der Häuser für Kultur, wo die Schau zu sehen sein wird.

Unbegründete Angst

Brigitte Heinzmann berichtete bei der Vernissage beispielsweise vom Lernen und Anlernen der polnischen Kolleginnen mit Händen und Füßen, aber auch von gemeinsamen Feiern. Teresa Bielerzewska erinnert sich gern an diese Zeit. Sie erzählte, dass sie sehr herzlich empfangen wurden an ihrem ersten Arbeitstag und dass die Angst, in einem damals fremden Land zu arbeiten, völlig unbegründet war.

Uwe Schulz, der den verhinderten amtierenden Bürgermeister Fred Mahro vertrat, sagte, dass sich die Stadt Guben verpflichtet fühlt, die chemische Industrie in Guben zu erhalten. Und das gerade, weil es schon eine lange Tradition auch durch die deutsch-polnische Zusammenarbeit der Frauen damals im CFG in der Neißestadt gibt.