| 02:39 Uhr

"Alle kämpfen für eine Kirche"

Im Inneren der einstigen Stadt- und Hauptkirche in Gubin boten sich den Tagungsteilnehmern interessante Einblicke in die Geschichte des Gotteshauses. Foto: Jana Pozar/zar1
Im Inneren der einstigen Stadt- und Hauptkirche in Gubin boten sich den Tagungsteilnehmern interessante Einblicke in die Geschichte des Gotteshauses. Foto: Jana Pozar/zar1 FOTO: Jana Pozar/zar1
Guben/Gubin. "Wir sind endlich angekommen. Die Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland in der Doppelstadt zeigt sehr gute Ergebnisse", sagte Dr. Dagmara Jajesniak-Quast, Professorin für Interdisziplinäre Polenstudien an der Europa-Universität "Viadrina" in Frankfurt (Oder). Die Städte Guben und Gubin seien ein Musterbeispiel dafür, wie Doppel städte ihre denkmalgeschützten Objekte erhalten können. Jana Pozar / zar1

Dagmara Jajes niak-Quast war mit zahlreichen weiteren Denkmalexperten am Samstag innerhalb einer Tagung des Arbeitskreises deutscher und polnischer Kunsthistoriker und Denkmalpfleger in Gubin zu Gast. Dort konnten sie sich unter anderem einen Überblick über die Arbeiten an der einstigen Stadt- und Hauptkirche Guben machen. Seit dem Jahr 2005 bemüht sich der Förderverein zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche um die Sanierung des einstigen Gotteshauses.

"Wir haben zunächst 200 Tonnen Schutt herausgeholt", erklärte Günter Quiel, Vorsitzender des Vereins. Wegen des Denkmalschutzes musste alles gesiebt werden. "Dann waren die Profis dran", so Quiel. Zu den Profis gehörte Dr. Jaroslaw Lewczuk, Archäologe aus Zielona Gora (Grünberg). Er wusste, dass die Kirche sowohl spätromanische als auchfrüh- und spätgotische Elemente aufweist. "Wir haben Reste einer Holzkirche entdeckt, um die die neue Kirche herumgebaut wurde", erklärte der Archäologe.

Interessant an der Gubiner Kirche ist auch, dass im heutigen Eingangsbereich die Stufen der romanischen Kirche gefunden wurden. "Schon damals war der Zugang also an derselben Stelle", so Lewczuk.

Uralte Scharniere gefunden

Die aktuellen Fundamente befinden sich auf den spätromanischen Fundamenten. "Im Kircheninneren haben wir sehr frühe Backsteinelemente gefunden. Auch Scharniere der Eingangstür aus dem 14. Jahrhundert konnten wir ausgraben", sagte der Archäologe. Grabplatten aus dem Jahr 1464 wurden in der Nähe des Altars ebenfalls gefunden. Allerdings wurden diese beim Einbau einer Zentralheizung im Jahr 1896 fast vollständig zerstört. "Der Bau erfolgte schonungslos durch die Gräber", erklärte Lewczuk. Ein gut erhaltenes Grab konnte aufgrund von Münzen dem 14. Jahrhundert zugeordnet werden.

Im Inneren der Kirche zeigte Jaroslaw Lewczuk auf den Turm. "Dort gibt es erhaltene Reste der romanischen Anlage mit Fresken", erklärte der Fachmann. Doch wegen der Baustelle könnten diese momentan noch nicht angeschaut werden. Im Turm und in den Kapellen wurden zudem Farbfassungen partiell untersucht. "Diese konnten wir dem Mittelalter zuordnen", erklärt Lewczuk.

Wiedereröffnung des Turmes

Im Juni des kommenden Jahres soll der Kirchturm wieder eröffnet werden, sagte Günter Quiel. Inwieweit das Gotteshaus als Ganzes aufgebaut werden soll, ist bisher noch unklar. Momentan läuft ein internationaler Architekturwettbewerb dazu. Auf jeden Fall aber soll die Kirche wieder eine Überdachung bekommen.

"Aber eine Kirche wird es nicht mehr", war sich Dagmara Jajesniak-Quast sicher. Das einstige Gotteshaus könnte als ökumenisches Zentrum, für Konzerte oder Weihnachtsmärkte genutzt werden. Der Wiederaufbau ist ein gutes Beispiel für den Einigungsprozess in der Grenzregion. "Alle kämpfen für eine Kirche", so die Professorin. Es wird auf jeden Fall ein Ort der Erinnerung werden, versicherte sie.