Für Berit Kreisig, Schulleiterin an der weiterführenden Oberschule, ist die Nachricht ein Grund zum Jubeln: "Endlich ist Bewegung in die Sache gekommen", sagt sie. Selbst die Einschränkung, dass kurzfristig nur drei der insgesamt 25 Unterrichtsräume mit Akustikdecken ausgestattet werden können, nimmt sie gelassen auf. "Das etwas getan wird, sind wir der Gesundheit der Lehrer und Schüler schuldig", betont Kreisig.

Dem stimmt Fachbereichsleiter Müller uneingeschränkt zu. Im vergangenen Dezember hatte eine von der Stadt beauftrage Fachfirma in der Europaschule Lärmmessungen durchgeführt. "Vor dem Hintergrund der Vorgaben aus den Din-Normen sind die ermittelten Werte erschreckend", sagt er. Das gelte insbesondere für die Nachhallzeit. "Dieser Wert gibt an, wie lange ein Ton braucht, um abzuklingen", erklärt Müller. Laut Din-Vorschrift muss die Zeit in einem durchschnittlich großen Unterrichtsraum bei 0,5 und 0,6 Sekunden liegen. In der Europaschule dauerte es mitunter sogar bis zu zwei Sekunden. Die Messungen erfolgten in leeren Klassenräumen.

Doch warum wurde nicht schon bei der Sanierung der Europaschule vor einigen Jahren der Lärmschutz berücksichtigt? Fred Mahro, amtierender Bürgermeister von Guben, verweist darauf, dass beim Innenausbau zumindest im Musik- und Computerfachkabinett entsprechende Maßnahmen durchgeführt wurden. "In den eigentlichen Klassenräumen und Fluren war das nicht erforderlich, da dieses Gebäude als Schulgebäude erbaut wurde und bis heute dieser Nutzungsart unterliegt", sagt er.

Auslöser für die Lärmdiskussion waren zwei hörbehinderte Kinder, die Anfang des Schuljahres von der Corona-Schröter-Grundschule an die weiterführende Einrichtung wechselten. Doch mittlerweile ist klar, dass auch alle anderen Schüler und Lehrer vom hohen Lärmpegel betroffen sind. Studien zeigen immer wieder, dass in Kindereinrichtungen mitunter Werte erreicht werden, bei denen in der Industrie Gehörschutz vorgeschrieben ist.

Für die Ausstattung mit Akustikdecken hat sich die Stadt nach dem Besuch in anderen Schulen der Region entschieden. "Wir waren in Jänschwalde-Ost, Spremberg und Peitz", sagt Müller, "um von den Erfahrungen anderer Kommunen zu profitieren." So setzen die Peitzer beispielsweise auf schallabsorbierende Decken- und Wandverkleidungen. In Spremberg sind sogar die Flure lärmgedämmt. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass schon Akustikdecken in den Räumen eine wesentliche Verbesserung bringen", sagt Müller.

Bevor es mit den Bauarbeiten losgehen kann, müssen jedoch noch die Gubener Stadtverordneten zustimmen, auch weil die Lärmschutz-Maßnahme den Gubener Haushalt mit 20 000 Euro zusätzlich belastet. Mit dem Beschluss rechnet Müller nicht vor Februar. "Ziel ist es, dass spätestens zum nächsten Schuljahr die ersten drei Räume mit Akustikdecken ausgestattet sind", sagt der Fachbereichsleiter.