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| 13:50 Uhr

Unterschiedliche Anforderungen
Ärger über Dreck im Hausflur

Angesichts solcher Schmutzecken fühlt sich der Gubener Gottfried Gephardt* in seinem Hausflur nicht mehr wohl. Mit der Reinigung, für die der Guwo monatlich zölft Euro zahlt, ist er nicht zufrieden. Seine Beschwerden liefen bisher ins Leere.
Angesichts solcher Schmutzecken fühlt sich der Gubener Gottfried Gephardt* in seinem Hausflur nicht mehr wohl. Mit der Reinigung, für die der Guwo monatlich zölft Euro zahlt, ist er nicht zufrieden. Seine Beschwerden liefen bisher ins Leere. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler / Michèle-Cathrin Zeilder
Guben . Guwo-Mieter mit Reinigungsleistung unzufrieden. Beschwerden blieben bisher erfolglos. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Eine schwarze Dreckschicht in den Ecken und klebrige Treppenstufen bis in die oberen Stockwerke: „Der Hausflur ist eine Schweinerei“, erzählt Gottfried Gephardt*. Der Rentner lebt seit vielen Jahren in einer Wohnung der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo). „Früher haben wir den Hausflur abwechselnd selber geputzt“, sagt er. Doch vor drei Jahren hat die Guwo ihre Mieter in dem Objekt von einem Dienstleister überzeugt. „Zwölf Euro zahlen wir seitdem im Monat für die Reinigung des Treppenhauses und den Winterdienst“, verrät Gottfried Gephardt.

Doch sauberer ist es seitdem nicht – im Gegenteil. „Die Mitarbeiter fangen oben mit einem nassen Lappen an und gehen dann die Treppen runter“, schildert Gephardt seine Beobachtung. Der Lappen werde nicht erneut nass gemacht. „Wir haben früher immer erst gefegt und dann gewischt“, erklärt Gephardt. Für seine Etage habe er dabei 15 Minuten gebraucht: „Doch die Mitarbeiter sind in zehn Minuten mit einem ganzen Aufgang fertig. Da kann es doch nicht sauber werden.“ Das ganze Haus sei unzufrieden mit der Leistung der Reinigungsfirma. Im Namen der Mieterschaft beschwert sich Gottfried Gephardt daher bereits seit 2015 regelmäßig bei der Guwo – allerdings ohne Erfolg. „Die Mitarbeiter wollten meine Beschwerde immer weiterleiten, einmal waren sie sogar vor Ort und haben Fotos gemacht“, erinnert sich Gephardt. „Geändert hat sich aber nichts.“ Direkt mit Reinigungskräften sprechen, möchte Gottfried Gephardt nicht: „Die haben sicher ihre zeitlichen Vorgaben und können da am Ende nichts für.“

Guwo-Geschäftsführer Martin Reiher kennt das. „Eine Hausfrau, die seit 40 Jahren den Hausflur sauber macht, wird ihn mit einer anderen Qualität reinigen als eine Firma“, so Martin Reiher. Bei der Hausfrau spiele Zeit keine Rolle, bei der Firma schon. „Natürlich könnte sich auch eine Firma mehr Zeit lassen – das will dann aber keiner mehr bezahlen“, erklärt Reiher die Zwickmühle. Auch Fehler bei der Reinigung seien nicht auszuschließen. „Wenn uns Mieter eine ungenügende Reinigung zeitnah melden, informieren wir die Reinigungsfirma und es muss nachgearbeitet werden“, sagt der Geschäftsführer.

Für die Guwo übernimmt die Gubener Firma MTR die Treppenhausreinigung. „Natürlich gibt es bei der Ausführung der kleinen und großen Treppenhausreinigung unregelmäßig Beschwerden über ungenügende Qualität, Nichtausführung, Unfreundlichkeit und über den Ausführungstag“, weiß MTR-Gesellschafter Mirko Bärwolf. „Bei rund 2000 Verträgen ist es leider nicht möglich, immer allen gerecht zu werden.“

Zu den Beschwerden komme es oftmals durch unterschiedliche Auffassung über die geschuldete Qualität und den Umfang der Leistung. „Mieter haben oft einen viel höheren Qualitätsanspruch“, weiß auch Mirko Bärwolf. Der sei zwar möglich zu realisieren, erfordere aber mehr Zeit und sei dann teurer. „Unsere Mitarbeiter sind Menschen, die ihre Leistung unterschiedlich erbringen“, erklärt Mirko Bärwolf weiter. Außerdem müssten durch Urlaub oder Krankheit auch andere Mitarbeiter eingesetzt werden, die sich manchmal weniger gut auskennen.

Für die Reinigung haben die Mitarbeiter der MTR zeitliche Vorgaben: für die kleine Hausreinigung sind es zehn Minuten je Podest und für die große Hausreinigung 20 Minuten. „Natürlich erfolgt auch eine Anpassung von Vorgaben an die jeweiligen örtlichen Bedingungen, sofern erforderlich“, fügt der Gesellschafter hinzu. Die Vorgaben würden auf den üblichen und realisierbaren Erfahrungswerten der Branche und auf jahrelanger Auftragsabarbeitung in der Treppenhausreinigung geruhen: „Sollte die Qualität einmal nicht in dem vorgegebenen Standard erbracht sein, liegt das allein in der Leistungserbringung durch unseren Mitarbeiter, nicht an der Zeitvorgabe.“ Pro Jahr erreichen die MTR zwischen 50 und 70 Beschwerden. „Ist eine Beschwerde der Mieter gerechtfertigt, wird der Mitarbeiter, der diesen Mangel verursacht hat, noch einmal vor Ort geschickt, um nachzuarbeiten“, erklärt Mirko Bärwolf. „Erfahren wir von der Beschwerde aber erst eine Woche später, kann der Mangel weder geprüft noch bereinigt werden.“

*Der Name des Lesers wurde von der Redaktion geändert