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Gesellschaft
Ägypterin auf Mission in Guben

Lasagne gebacken hat Franswaz Anderawos (r.) aus Assuan. Die Christin aus Ägypten unterstützt derzeit die Heilsarmee in Guben und deren Chefin Wencke Wanka.
Lasagne gebacken hat Franswaz Anderawos (r.) aus Assuan. Die Christin aus Ägypten unterstützt derzeit die Heilsarmee in Guben und deren Chefin Wencke Wanka. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Christliche Gemeinde der Kopten entsendet Flüchtlingshelfer an die Heilsarmee. Von Silke Halpick

Direkt aus Ägypten eingeflogen verstärkt die 55-jährige Franswaz Anderawos jetzt das Team der Gubener Heilsarmee. Suzy, wie sie von allen kurz genannt wird, gehört in ihrer Heimat zur Minderheit der christlichen Kopten. An der Neiße soll sie die Flüchtlingsarbeit der Deutschen unterstützen und mit Frauen aus arabischen Herkunftsländern ins Gespräch kommen.

Es ist ihr erster Besuch in Deutschland, wie Franswaz Anderawos erzählt.  Zu Hause ist sie in Assuan, der südlichsten Stadt Ägyptens mit mehr als 280 000 Einwohnern. Als sie von dort aus startete, wusste sie nicht, wohin sie die Missionsreise führt. Von Guben hatte sie bis dato nie etwas gehört. Doch es gefällt ihr gut hier, wie sie sagt.

Auch für die Heilsarmee selbst ist die Aktion immer eine Art „Überraschungspaket“, wie Chefin Wencke Wanke erzählt. „Wir werden erst ein paar Tage im Vorfeld informiert“, berichtet sie. Entsandt werden die Helfer von der Christlichen Gemeinschaft in Ägypten, die so die Flüchtlingsarbeit hierzulande unterstützen will. „Viele waren beeindruckt von der Willkommenskultur in Deutschland“, sagt Wanke. Kennengelernt hatte sie die Organisatoren der Privatinitiative im Rahmen eines Workshops zu Glaubensgrundsätzen.

„Für uns sind die ägyptischen Christen eine große Hilfe“, sagt Wanke. Der Grund: Sie sprechen arabisch, was auch den emotionalen Zugang zu den Menschen aus Syrien ermögliche. „Viele Frauen nutzen das, reden in ihrer Muttersprache über den Krieg und ihre eigene Fluchtgeschichte“, betont die Heilsarmee-Chefin. Mitunter dauern diese Gespräche mehrere Stunden, oft fließen auch Tränen dabei.

„Meist werden Hausbesuche gemacht“, erzählt Wanke. Das komme auch der Mentalität der Muslime entgegen. Die Heilsarmee organisiert aber auch zahlreiche öffentliche Veranstaltungen – vom multikulturellen Frauenfrühstück, über Tanzkurse bis hin zum gemeinsamen Kochen. Beliebte Anlaufpunkte für Flüchtlinge sind der Second-Hand-Shop sowie das Familiencafé am Stammhaus im Brandenburgischen Ring.

Rund 470 Flüchtlinge leben aktuell in Guben. Das geht aus dem aktuellen Bericht des amtierenden Bürgermeisters Fred Mahro hervor. Darunter sind 212 Asylbewerber, 239 Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel sowie 20 unbegleitete Minderjährige. Die Zahl ist rückläufig. Das Flüchtlingsheim in der Bahnhofstraße wurde bereits im Sommer 2017 geschlossen wegen mangelnder Nachfrage.

„Viele Flüchtlinge verlassen Guben auch wieder, weil sie hier keine Arbeit finden“, sagt Wanke. Die meisten zieht es in die deutschen Großstädte wie Frankfurt am Main, Potsdam oder Berlin. „Vor allem die Männer leiden darunter, zu Hause zu sitzen“, ist ihre Erfahrung. Auch die Deutschkurse der Heilsarmee wurden wieder eingestellt, weil es keinen Bedarf dafür mehr gibt.

Regen Zulauf haben hingegen die Gemeindegottesdienste der Heilsarmee. „Viele Flüchtlinge sind mit der eigenen Kultur und Religion unzufrieden und dem Christentum gegenüber offen“, betont Wanke. Das bestätigt auch Franswaz Anderawos, die bei ihren Hausbesuchen  auch über Jesus spricht, wie sie sagt.

Die Mutter zweier erwachsener Kinder, die Kunst und Medizin studieren, ist noch bis zum 31. März in Guben. Sie ist bereits die fünfte ägyptische Flüchtlingshelferin. Vor ihr waren zweimal zwei junge Frauen sowie ein junger Mann im Rahmen der Hilfsaktion für jeweils vier Wochen vor Ort. Auf eine weitere Fortsetzung hofft auch Wanke. „Wir sind der einzige Heilsarmee-Standort in Deutschland, der unterstützt wird“, betont sie.