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| 16:25 Uhr

Kommunalpolitik
Abzocke auf der grünen Wiese?

Sterben soll in Guben deutlich teurer werden.
Sterben soll in Guben deutlich teurer werden. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Guben. Die Stadt Guben plant, die Gebühren für anonyme und halbanonyme Bestattungen kräftig zu erhöhen. Auf der „Grünen Wiese“ ist es künftig am teuersten. Von Silke Halpick

Die Angst des Kämmerers, dass das Zahlenwerk die Zuhörer erschlägt, ist berechtigt. Auf der gemeinsamen Sitzung des Umwelt- und Haushaltsausschusses stellt Björn Konetzke  die Vorkalkulation zu den neuen Friedhofsgebühren in Guben vor. 90 Minuten dauert das samt Diskussion. Die mit Abstand teuerste Bestattungsart soll die auf der grünen Wiese werden.

Mehr als 1400 Euro werden für  ein Urnengemeinschaftsgrab mit namentlicher Kennzeichnung  und mehr als 1000 Euro für ein anonymes berechnet. An diesen Zahlen, die erstmals im Juli öffentlich präsentiert wurden, hat sich trotz Überarbeitung nichts geändert.

Konetzke findet den Preis „an sich“ nicht überhöht – auch im Vergleich zu anderen Kommunen. In der Gemeinde Schenkendöbern werden beispielsweise 900 Euro für die anonyme Version und 1268 Euro für die halbanonyme Variante verlangt. Zusätzlich fallen dort jährliche Bewirtschaftskosten an, die in Guben inklusive sind.

„Damit steigen die Kosten um 100 Prozent“, moniert der CDU-Stadtverordnete Klaus Schneider. Das sei „politisch nicht hinnehmbar“, wie er betont. Erst im Dezember 2017 hatten die Stadtverordneten mit übergroßer Mehrheit dafür gestimmt, dass künftig auch auf den Ortsteilfriedhöfen anonyme und halbanonyme Bestattungen möglich sind. Dagegen hatte sich die Verwaltung lange Zeit gestemmt und auf den hohen Pflegeaufwand verwiesen. Der wird nun auch als Grund für die Kostenexplosion angeführt.

Bei einem ein Quadratmeter großem Urnengrab sollen sich die Gebühren beispielsweise nur von 143 Euro auf 192 Euro erhöhen. Hier übernehmen auch die Angehörigen die Pflege der Grabstätte, argumentiert der Kämmerer. Bei einer vorgeschriebenen Liegezeit von 20 Jahren kommen so nochmals mindestens 1000 Euro an Pflegekosten zusammen. Diese Ersparnis dürfe man „nicht vergessen“, so Konetzke.

Das Urnengrab mit Pflege durch den Friedhofsträger soll künftig etwas mehr als 900 Euro kosten, derzeit sind es knapp 600 Euro. Was die halbanonymen Bestattungen offenbar so teuer macht, sind die Investitionskosten für die neuen Anlagen auf den Ortsteilfriedhöfen sowie die für die Stele, die nicht in die Gesamtkalkulation einfließen, sondern erst später  aufgeschlagen werden.

Grabsteine seien schließlich auch nicht im Preis enthalten, betont Konetzke. Eine Umlage der Investitionskosten auf alle könnte die Satzung juristisch angreifbar machen, befürchtet er. „Wir haben versucht, einen guten Kompromiss zu finden“, betont der Kämmerer.

Auch Bürgermeister Fred Mahro (CDU) findet positive Worte für den vorgelegten Entwurf, der mehr Gebührengerechtigkeit und Rechtssicherheit bringe. Um sich mit den „Abgründen der Kalkulation“ vertraut zu machen, wie er spaßhaft sagt, haben die Stadtverordneten nun drei Monate Zeit. Mahro rechnet erst Ende November mit einem Grundsatzbeschluss und frühestens ab Januar mit dem Inkrafttreten der neuen Friedhofsgebührensatzung.

Nach Angaben des Kämmerers liegen die Aufwendungen der Stadt für die Bewirtschaftung der Friedhöfe bei 305 000 Euro pro Jahr. Davon entfallen  76 000 Euro auf die Verwaltung. Der Anteil des öffentlichen Grüns auf den Friedhöfen wird mit 20 Prozent angegeben. Die Pflege dieses Bereiches kostet 50 000 Euro und wird aus dem Haushalt finanziert.

Die Gebührensatzung wurde letztmalig im Jahr 2011 angepasst. Damals stimmten die Stadtverordneten für eine nur 80-prozentige Umlage der tatsächlichen Kosten auf die Bürger.