"Es ist schon erstaunlich, dass man zunächst alle Vereine nach ihrer Meinung fragt und dann alles komplett verwirft", sagt Dirk Fischer, Vorsitzender des ESV Lok Guben. Enttäuscht "zur Kenntnis genommen" hat ebenfalls Hans-Ulrich Berger, Präsident des 1. FC Guben, die Entscheidung der Stadtverordneten - gegen das eindeutige Votum der Sportvereine. Eine Gesamtpauschale pro Kopf favorisiert nach wie vor auch Gunnar Geilich, Jugendwart beim BSV Guben Nord. "Weil man damit eine verlässliche Zahl zum Rechnen hat", begründet er.

Alljährlich verteilt die Stadt Guben Fördermittel an die ortsansässigen Vereine. Laut geltender Richtlinie stehen für die Sportförderung insgesamt 13 000 Euro bereit. Davon entfallen 6500 Euro für die Nachwuchsarbeit, 2600 Euro sind für besondere Projekte und 3900 Euro für die bauliche Unterhaltung von Sportanlagen vorgesehen.

Ursprünglich sollten die Richtlinie überarbeitet, der Bauförderbereich komplett gestrichen und stattdessen die Pauschale für die Nachwuchsförderung entsprechend angehoben werden. So hatten sich das die Vereine auf einer gemeinsamen Beratung mit der Stadtverwaltung mehrheitlich gewünscht. Allerdings scheiterte das Vorhaben am Widerstand der Stadtverordneten. Nun bleibt alles wie bisher.

Zu verteilen sind in diesem Jahr insgesamt 12 700 Euro, da die beiden Fördertöpfe für besondere Projekte und Bauvorhaben - wie schon oftmals in den Vorjahren - nicht ausgeschöpft wurden. In solch einem Fall fließt der Restbetrag in die Nachwuchsförderung. Bei insgesamt 481 Sport treibenden Kindern und Jugendlichen in Guben ergibt sich demzufolge eine "Kopfprämie" von 26,40 Euro. Grundlage für die Berechnung sind die Zahlen des Deutschen Sportbundes.

Damit steigt die "Kopfprämie" im Vergleich zu 2015 um 10,40 Euro. Das liegt zum einen an der geringeren Zahl der Nachwuchsathleten. Im Vorjahr waren es noch 579. Auf der anderen Seite wird aber auch das Schach-Neujahrs-Open des SV Chemie Guben nicht mehr gefördert. Vielmehr fordert die Stadt rund 5000 Euro vom Verein zurück, weil dieser noch immer den Verwendungsnachweis für das Fördergeld in den Jahren 2011, 2012 und 2015 schuldig geblieben ist.

Verwendet wird der Zuschuss der Stadt von den Sportvereinen vorwiegend zur Finanzierung des laufenden Sportbetriebes. "Wir kaufen davon Tischtennisplatten, Bälle oder erstatten die Fahrtkosten bei Auswärtsspielen", sagt Dirk Fischer. Beim JFV Fun, in dem unter anderem der Fußballnachwuchs vom BSV Guben Nord und 1. FC Guben gemeinsam kickt, gibt es auch "immer Bedarf", wie Geilich betont. "Allein für das jährliche Trainingslager zahlen wir einen Zuschuss von 20 Euro. Bei 250 Spielern sind das 5000 Euro", rechnet der Trainer vor.

Doch noch ist Geduld gefragt: Selbst wenn die Stadtverordneten jetzt grünes Licht für die Zuschüsse geben, fließt die Förderung nicht automatisch. Der Grund dafür ist die aktuell verhängte Haushaltssperre. Kämmerer Björn Konetzke erarbeitet derzeit den Nachtragshaushalt für 2016, um das Defizit von 1,1 Millionen Euro auszugleichen, das vorwiegend durch die Ausfälle bei der Gewerbesteuer aufgelaufen ist.

Mit der Beschlussfassung des Nachtragshaushaltes und der Aufhebung der Haushaltssperre ist frühestens im September zu rechnen. "Wichtig ist, dass das Geld überhaupt kommt", sagt Berger. Und Geilich lobt die "Vorbildwirkung von Guben". "Es gibt Städte, die zahlen ihren Vereinen überhaupt nichts", begründet er.

Zum Thema:
Der SV Chemie Guben bekommt mit seinen 243 Nachwuchssportlern eine Pauschalförderung in Höhe von 6415,20 Euro. An den 1. FC Guben mit 101 Kindern und Jugendlichen im Verein gehen 2666,40 Euro. Exakt 2402,40 Euro fließen an den BSV Guben Nord mit 91 Mitgliedern. Beim ESV Lok Guben sind es 844,80 Euro für 32 Nachwuchssportler. Der Tauchclub Guben profitiert von 369,60 Euro für 14 Kinder und Jugendliche.