"Guben ist eine wunderschöne Stadt", sagt Antonia Lieske. "Viele denken, hier ist nichts los, hier gibt es nur alte Menschen. Doch das stimmt nicht." Ein fast rebellischer Unterton schwingt in ihrer sanften Stimme mit. Antonias Herz schlägt für die Neißestadt. Hier wurde sie geboren, hier besuchte sie die Friedensschule, hier machte sie ihren Schulabschluss an der Europaschule und hier absolviert sie eine dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin in der "Herberge zur Heimat". Weg aus Guben will sie nicht. "Auch meine Freunde wollen alle bleiben", erzählt sie.

Nun will das Mädchen mit den langen blonden Haaren ihre Heimatstadt auch auswärts repräsentieren. Mit dem ausgefüllten Bewerbungsbogen steht sie im Büro des Marketing- und Tourismusvereins (MuT). Geschäftsführerin Kerstin Geilich strahlt. So schnell kamen selten Kandidatinnen für das Amt der Apfelkönigin ins Haus. Meist trauen sich die Gubenerinnen erst kurz vor Ende der Frist. Für Kerstin Geilich ist das ein gutes Omen.

"Auch ein Mann hat schon sein Interesse signalisiert", erzählt sie. Erstmals in diesem Jahr können sich als Apfelkönigin auch Männer und Paare bewerben. Mit der Öffnung "für alle", wie Geilich es bezeichnet, will der Verein auch den Kreis der möglichen Kandidaten vergrößern. In den vergangenen Jahren ging die Zahl der weiblichen Bewerber immer mehr zurück. Die amtierende Apfelkönigin Jessica Sroka wurde im Vorjahr nur gekrönt, weil die Konkurrentinnen fehlten.

Die Reaktion unter den Gubenern auf die Neuerung fällt unterschiedlich aus. "Viele finden es gut, andere wiederum wollen ihre Königin behalten", erzählt Geilich. Die MuT-Geschäftsführerin selbst sieht es pragmatisch. Wichtig für sie sei eine spannende Wahl mit mehreren Kandidaten. "Die Wahl ist immer das Highlight auf dem Appelfest", begründet sie. "Dann wird sich zeigen, ob die Gubener eine klassische Königin, einen König oder ein Königspaar wollen."

Zur eher konservativen Fraktion gehört Bewerberin Antonia Lieske. "Solange ich denken kann, gehört zu Guben eine Apfelkönigin", sagt sie. Zu einer von ihnen hat die 19-Jährige eine ganz persönliche Beziehung. Jana Wilke war als achte Majestät Gast auf Antonias Einschulungsparty. "Ich war damals fasziniert", erzählt Antonia Lieske. Für sie stand fest: "Wenn ich erwachsen bin, möchte ich auch Apfelkönigin werden."

Mit gerade einmal 19 Jahren wagt Antonia Lieske nun den Griff nach der Krone. Mindestens 18 Jahre müssen die Kandidaten sein, die zur Wahl antreten. "Es ist aber keine Frage des Alters", betont MuT-Geschäftsführerin Kerstin Geilich. Auch ältere Bewerber seien gern gesehen. Eine "gute Apfelkönigin" muss ihrer Meinung nach vor allem offen sein, auf Menschen zugehen können und die Region nach außen "verkaufen". Das gelingt der derzeit amtierenden Majestät Jessica Sroka aus Kerkwitz besonders gut. Bei ihren Auftritten steht die Bundeswehrsoldatin meist in der ersten Reihe und wird wie auf der Grünen Woche in Berlin mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) fotografiert. "Das ist Werbung für unsere Region", betont Kerstin Geilich.

"Doch vielen fehlt der Mut, sich öffentlich zur Wahl zu stellen", so die MuT-Chefin. Dafür habe sie Verständnis. Gleichzeitig betont Geilich: "Wir lassen niemanden allein." Ihr Team berät Interessenten vorab, bereitet die Kandidaten auf die Auftritte und die Wahl vor und begleitet die Apfelkönigin bei allen Terminen während ihrer Amtszeit.

Zum Thema:
Noch bis zum 30. Juli können sich Kandidaten beim Marketing- und Tourismusverein in Guben melden. Bewerben können sich nicht nur Frauen, sondern auch Männer und Paare, die ihren Hauptwohnsitz in der Stadt Guben oder der Gemeinde Schenkendöbern haben und mindestens 18 Jahre alt sind. Die Amtszeit beträgt ein Jahr. Zu den Hauptaufgaben der Gubener Apfelkönigin gehört die Repräsentation der Region auf Messen und bei öffentlichen Anlässen. Die Wahl findet am 10. September 2016 im Rahmen des Appelfestes statt.